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Auf der Geburtstagswunschliste der Kita im Alten Bahnhof: Mehr Platz und mehr Männer

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Von: Kira Presch

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Kerstin Donkervoort malt mit Kindern in der Kita Alter Bahnhof Lenningsen Holzstelen an
25 Jahre Kita Alter Bahnhof – da muss die Fassade zur Feier des Tages verschönt werden. Deshalb malte die Künstlerin Kerstin Donkervoort mit Kitakindern Holzstelen bunt an, die zum Jubiläum den Eingang schmücken sollen. © Presch Kira

Eigentlich feierte die Kita Alter Bahnhof Lenningsen schon im vergangenen Jahr ihren 25. Geburtstag. Wegen Corona hat sich nun alles um ein Jahr verschoben. Aber am 21. Mai darf nun endlich gefeiert werden. Anlass genug, einmal zurückzublicken und auch in die Zukunft.

Bönen – Und weil es Tradition ist, dass „Geburtstagskinder“ sich etwas wünschen dürfen, geht die Frage an Kita-Leiterin Sonja Pankauke-Kaiser: „Mehr Platz, damit wir die vielen Anfragen aus dem Süden der Gemeinde berücksichtigen können“, wünscht sie sich und „mehr männliche Erzieher.“

Während Sonja Pankauke-Kaiser vor vier Jahren die Kita-Leitung von Christiane Firsov übernahm, die seit der Eröffnung dabei war, ist ihre Kollegin Heike Petersmann eine Erzieherin der ersten Stunde. Sie erlebte, wie der verlassene ehemalige Bahnhof Lenningsen an der stillgelegten Bahnlinie Welver-Dortmund zu neuem Leben erwachte. Damals war der ehemalige Bahnhof in der Dorfmitte von Lenningsen ein runtergekommener Schandfleck, der aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde.

Bei Inbetriebnahme der Bahnstrecke 1876 existierte nur eine Holzbaracke in Lenningsen, 1901 wurde dann aus gelben Ziegeln das zweigeschossige Bahnhofsgebäude errichtet, wie es heute noch existiert. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof mehrfach bombardiert, aber nicht beschädigt, sodass der planmäßige Personenverkehr 1946 wieder aufgenommen werden konnte.

Die Queen war der prominenteste Gast auf den Gleisen

Seinen größten historischen Augenblick erlebte der Bahnhof Lenningsen am 25. Mai 1965, als die britische Königin Elisabeth II auf ihrem ersten Deutschlandbesuch hier in ihrem Sonderzug übernachtete. Die Monarchin stieg zur Enttäuschung der Lenningser aber nicht aus und winkte den Bewohnern nur aus dem Zug zu.

1968 wurden der Bahnhof und die Strecke zwischen Unna-Königsborn und Welver stillgelegt, 1969 wurden auch die Gleise abgebaut. Das Bahnhofsgebäude ging 1972 in privaten Besitz über, und 1977 bis 1985 nutzten Wohngemeinschaften die Räume.

Gartenansicht des Alten Bahnhofs Lenningsen
Die Gartenansicht des Alten Bahnhofs mit der Bahnsteigüberdachung (rechts). © Presch Kira

Danach stand das Gebäude leer und drohte zu verfallen. 1988 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Fast zehn Jahre lang lag das ehemalige Bahnhofsgebäude im Dornröschenschlaf und sorgte für viele Diskussionen, was damit geschehen soll. 1994 kaufte die Gemeinde Bönen das Gebäude schließlich und beschloss, hier einen zweizügigen Kindergarten unter Trägerschaft der evangelischen Kirchengemeinde Flierich zu errichten, denn bis dahin mussten Eltern aus den südlichen Ortsteilen ihren Nachwuchs in Kitas in der Gemeindemitte oder in Nordbögge unterbringen.

Der Bönener Architekt Werner Rabura übernahm die Planung. Aus den beiden Anbauten, dem ehemaligen Wartesaal und der Gepäckabfertigung entstanden große Gruppenräume, im Hauptgebäude entstanden alle Nebenräume und im Obergeschoss unter anderem ein Gymnastiksaal. Die schwierigste Herausforderung: Denkmalschutzauflagen und moderne Anforderungen für einen Kindergarten wie eine angemessene Wärmedämmung unter einen Hut zu bringen, denn die Außenfassade war tabu. Originalgetreu wurde auch die hölzerne Bahnsteigüberdachung an der Rückseite wieder aufgebaut.

Rückzugsräume und Kuschelecken

Für den Innenausbau der Räume wurde Wert auf natürliche Materialien gelegt. Die Raumgestaltung wurde in Zusammenarbeit mit Professor Wolfgang Mahlke konzipiert, der im Bereich Kunst- und Sonderpädagogik an der Universität Würzburg tätig war und Einbauten aus Holz in den Gruppenräumen auf unterschiedlichen Ebenen geschaffen hat. Der Vorteil im Bahnhof Lenningsen: Die Gruppenräume mit fünf bis sechs Metern Raumhöhe eigneten sich hervorragend für das Konzept.

„Die pädagogische Idee dahinter war“, erläutert Heike Petersmann, „dass jedes Kind Raum für Rückzug, Geborgenheit und zum Betrachten und Lesen findet, zum Gespräch und auch mal für eine Kuscheleinheit mit der Erzieherin. Das war damals schon ein ungewöhnliches Konzept. Für die Kindergruppe gibt es Platz zum Sitzen, für künstlerisches Gestalten, zum Tanzen, für Bewegungs und Rollenspiele.“

Kitaleiterin Sonja Pankauke-Kaiser (rechts) und Mitarbeiterin Heike Petersmann
Leiterin Sonja Pankauke-Kaiser (rechts) ist seit vier Jahren dabei, Mitarbeiterin Heike Petersmann arbeitet seit der Eröffnung in der Kita. © Presch Kira

1996 öffnete der Kindergarten seine Pforten und plötzlich kam wieder Leben in die Bude. „Das Gebäude und das Umfeld haben mich sofort fasziniert“, erinnerte sich Christiane Firsov bei ihrer Verabschiedung 2018. Sie hat 22 Jahre lang als Leiterin das Familienzentrum im Alten Bahnhof maßgeblich geprägt. Als Sonja Pankauke-Kaiser den Staffelstab von ihr übernahm, da kannte sie die Kita im Lenningser Bahnhof bereits als Mutter eines Kitakindes.

Auf dem Weg zur Natur-Kita

„Es war spannend, die 25 Jahre als Erzieherin mitzuerleben“, zieht Heike Petersmann Bilanz. „Denn die Arbeit verändert sich ständig.“ Gerade jetzt sei die Kita auf dem Weg zur Natur-Kita. „Wir lassen uns gerade zertifizieren, die Hälfte der Wegstrecke ist geschafft“, berichtet Sonja Pankauke-Kaiser. „Das ganze Team macht Fortbildungen zu Naturpädagogen. Schwerpunkt ist die Vermittlung eines achtsamen Umgangs mit Natur. Dazu soll demnächst auch das Außengelände umgestaltet werden, um Natur bereits für die Kleinen vielfältig erfahrbar zu machen.“

65 Kinder in drei Gruppen werden aktuell im Alten Bahnhof betreut. „Mehr geht nicht“, sagt Pankauke-Kaiser, obwohl es mehr Anfragen gibt, gerade aus den südlichen Ortsteilen. „Dazu müssten wir erweitern.“

Und noch einen Wunsch hegen Pankauke-Kaiser und Petersmann: „Bisher sind alle elf Erzieherinnen weiblich. Männliche Kollegen wären eine echte Bereicherung als Rollenvorbild.“

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