Nach Eklat kaum Absagen

Astrazeneca-Impfungen gehen weiter - nach wie vor große Bereitschaft

Impfschild vor Impfzentrum Kreis Unna
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Während Lehrer und Erzieher seit gestern wieder mit Astrazeneca geimpft werden können, erhalten Impfwillige über 80 Jahren im Impfzentrum Biontech-Vakzin.

Bönen/Kreis Unna – Die Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca hat die Impftermine durcheinandergebracht. Termine, die in dieser Woche vergeben waren, mussten kurzfristig wieder abgesagt werden. Jetzt laufen die Impfungen wieder an. Mit Erfolg - Absagen gibt es kaum.

Am Freitag waren ursprünglich in Bönen Impfungen von Lehrern und Erziehern in der Goethehalle geplant,  in Bergkamen standen rund 400 Impftermine für das Personal von insgesamt 22 Kitas sowie die Lehrer der Regenbogenschule in Rünthe und der Friedrich- von- Bodelschwinghschule auf dem Plan. Alles wurde vorsorglich abgesagt. Kommunen und Kreis Unna arbeiten aktuell daran, die Termine zeitnah umzulegen, sodass die Impfkandidaten in der kommenden Woche den Termin nachholen können.

„Die Gemeinde steht im Gespräch mit dem Kreisgesundheitsamt Unna, wir klären, ob die Impfungen eine Woche später stattfinden können“, erläutert Jörg-Andreas Otte, zuständiger Fachbereichsleiter der Gemeinde Bönen. „Ob das klappt, werden wir frühestens Montag wissen.“ Bekanntlich sind die Kommunen für die Vergabe der Impftermine mit Astrazeneca an die priorisierten Berufsgruppen zuständig. Auch die Verwaltung der Stadt Bergkamen versuchte im Gespräch mit dem Kreis Unna zu klären, ob die Impfungen am kommenden Freitag stattfinden können. Auch hier werde es erst Anfang der kommenden Woche Gewissheit geben, teilte die Beigeordnete Christine Busch mit.  

Termine bleiben gültig

Nach der Verlautbarung der Bundesregierung hatte am Donnerstagabend das NRW-Gesundheitsministerium grünes Licht für Impfungen mit dem Astrazeneca Impfstoff gegeben. „Wir konnten noch kurzfristig Impfstoff besorgen, deshalb können die geplanten Impfungen seit Freitag wieder weitergehen. Termine die für Freitag und die kommenden Tage angesetzt waren, haben ihre Gültigkeit behalten und können wahrgenommen werden“, bestätigt Max Rolke, Sprecher des Kreises Unna.

Vorteil überwiegt

Theodor Spanke, der ärztliche Leiter des Impfzentrums Kreis Unna ist erleichtert, dass die Astrazeneca-Impfungen wieder aufgenommen wurden. „Es gibt kaum Patienten, die Astrazeneca ablehnen“, berichtet Spanke nach dem ersten Impftag im Gespräch mit dem WA.

Patienten sollten darauf achten, ob vier Tage nach der Impfung Kopfschmerzen oder Blutungen in der Haut auftauchen. Dann sollten sie sofort den Arzt aufsuchen, rät Spanke. Es handele sich um 0,008 Prozent oder 13 Fälle auf 1,6 Millionen Impfungen, in denen Hirnvenen-Thrombosen und Blutungen festgestellt wurden. „Auf der Habenseite bietet der Impfstoff 100-prozentigen Schutz vor schweren Verläufen, das ist gegeneinander abzuwägen. Der Patient hat die Entscheidung, und wir nehmen seine Ängste sehr ernst. Wir wollen niemanden überreden, sondern überzeugen. Deshalb haben wir unsere Aufklärungen verändert und gehen natürlich auf die aktuellen Fragen ein. Meiner Meinung nach ist der Nutzen weit höher als das Risiko.“

Warum der Termin in Bönen am Freitag nicht stattfand, konnte Rolke am Freitag nicht sagen. „Möglicherweise konnten die Personengruppen nicht mehr rechtzeitig erreicht werden“, vermutet er. „Termine, die vorsorglich abgesagt wurden oder bereits in der Vergangenheit liegen, werden jetzt neu vergeben, damit die verlorene Zeit wieder aufgeholt wird. Geimpft wird übrigens auch Samstag und Sonntag.“

Die Benachrichtigung der Personengruppen geht quasi automatisch vonstatten. „Jeder, der einen Impftermin hatte, hat per Mail einen Buchungscode erhalten, der auch jetzt weiter gültig ist“, erläutert Rolke das Prozedere. „Alle werden automatisch per Mail angeschrieben und erhalten einen Link, wo sie sich mit ihrem Buchungscode für einen neuen Termin zeitnah anmelden können.“

Dass diejenigen, deren Termin unglücklicherweise in die Woche fiel, in der die Astrazeneca-Impfung ausgesetzt wurde, nun weit nach hinten rutschen, diese Befürchtung teilt Rolke nicht. „Wir versuchen, diese Termine wieder zwischen den regulären Terminen einzureihen und notfalls die Kapazitäten zu erhöhen. Das bedeutet jetzt zunächst größeren Aufwand vor Ort.“

Seiteneinsteiger haben keine Chance berücksichtigt zu werden

Inzwischen gingen auch Anfragen beim Kreis ein, nach dem Motto „wenn Sie niemanden für Astrazeneca finden, ich bin bereit“. Die Nachfrage sei hoch, es nutzt aber nichts, vor der Tür der Impfzentren zu warten und auf eine Möglichkeit als „Seiteneinsteiger“ zu hoffen. „Es gibt keine Chance, als Nachrücker bei Absagen einzuspringen“, macht Rolke deutlich.

„Wir kriegen den Impfstoff unter die Leute. Wir haben eine große Impfbereitschaft im Kreis Unna festgestellt – auch für den Impfstoff Astrazeneca. Deshalb gebe es bisher kaum Absagen aufgrund von Bedenken gegen diesen speziellen Impfstoff – auch nachdem Astrazeneca-Impfungen gestoppt wurden. Das seien Einzelfälle. „Generell sind die Leute froh, wenn sie überhaupt erst mal eine Impfung haben“, so Rolkes Eindruck.

Wenn jemand Astrazeneca ablehnt, bestehe kein Anspruch auf einen anderen Impfstoff. „Wenn jemand den Impfstoff nicht verträgt und ein ärztliches Attest hat, müssen wir eine andere Lösung finden, aber generell gilt, dass die Berufsgruppen mit Astrazeneca geimpft werden.“

Senioren unter 80 Jahren werden abgewiesen im Impfzentrum

Aktuell laufen die Impfungen für ausgewählte Berufsgruppen wieder an und parallel weiterhin die Impfungen der über 80-Jährigen im Impfzentrum des Kreis Unna mit dem Biontech-Vakzin. Vermehrt sei jetzt zu beobachten, so Rolke, dass Termine von Personen gebucht würden, die laut Corona-Impfverordnung und dem Plan der Landesregierung aktuell nicht an der Reihe sind. Sie verzögerten damit die Impfungen der tatsächlich Berechtigten.

„Aktuell sind nur die über 80-Jährigen berechtigt, einen Impftermin über die Terminvergabeseite www.116117.de der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu buchen“, so Rolke. Eine Kontrolle des tatsächlichen Alters – und damit der Berechtigung – finde allerdings während des Buchungsvorgangs nicht statt. Das geschieht erst im Impfzentrum.

„Wer sich einen Termin bei der KV bucht, obwohl er unter 80 ist, muss am Impfzentrum abgewiesen werden“, stellt auch der Leiter des Gesundheitsamts, Josef Merfels, klar. „Vor der Impfung wird die Berechtigung geprüft – und wer nicht berechtigt ist, bekommt auch keine Impfung. Wir bitten daher nur diejenigen Termine zu buchen, die tatsächlich an der Reihe sind. Alle anderen müssen noch etwas Geduld haben.“

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