Sondermüll im Mergelbergwald

Gemeinde Bönen muss Eternitplatten entsorgen und sucht den „Müllsünder“

Die asbesthaltigen Eternitplatten wurden auf einem Waldweg in Bönen entsorgt.
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Den Bereich um die gefährlichen Hinterlassenschaften im Mergelbergwald hat die Bönener Gemeindeverwaltung absperren lassen

Bönen – Es war wohl eine Nacht-und-Nebel-Aktion, in der jemand seinen Abfall im Mergelbergwald abgeladen hat. Vermutlich mit einem Fahrzeug muss derjenige auf dem Weg zwischen Kleystraße und Kletterpoth unterwegs gewesen sein. Die sperrige Fracht, von der er sich auf dem Weg Richtung Grillhütte getrennt hat, hat es dabei wortwörtlich in sich. Es handelt sich um Eternitplatten, die hochgiftiges Asbest enthalten.

Um sie abholen zu können, mussten die Mitarbeiter des Bauhofes zunächst einige Vorkehrungen treffen. Unter unter anderem mussten sie sich spezielle Schutzanzüge und Masken besorgen. Diese müssen unbedingt getragen werden, wenn asbesthaltiges Material bewegt wird. Die hauchfeinen, toxischen Fasern lösen sich leicht und können dann eingeatmet werden. Da die Vorbereitungen einige Zeit in Anspruch genommen haben, hatte die Gemeinde die wilde Müllkippe zunächst mit Barken abgesperrt. Im Laufe des Dienstages sollten die Platten jedoch abgeholt und zum Wertstoffhof nach Heeren-Werve gebracht werden, ebenso wie die Gummireifen und Styroporplatten, die neben dem dem gefährlichen Sondermüll abgekippt wurden.

Die Kosten für die aufwendige Entsorgung übernimmt jetzt die Gemeinde, am Ende zahlen aber alle Bönener über die Abfallgebühren die Zeche mit. Deshalb bittet die Verwaltung um Mithilfe: Wer Ende vergangener Woche ein Auto – möglicherweise mit Anhänger – auf dem Fuß- und Radweg zwischen Wald und Seseke beobachtet hat oder Hinweise zu dem Eigentümer des Sondermülls geben kann, der soll sich unter der Rufnummer 93 33 07 bei Maximilian Drexler von der Gemeindeverwaltung melden.

Für den „Müllsünder“ kann die Aktion ziemlich teuer werden. Nicht nur, dass die Gemeinde ein kräftiges Bußgeld fordern kann, er ist damit auch straffällig geworden. Das Strafgesetzbuch sieht eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahre vor, wenn jemand Abfall im Wald entsorgen, der zum Beispiel explosiv, selbstentzündlich, erbgutverändernd oder krebserregend ist. Letzteres ist bei den Faserzementplatten der Fall.

Kleinstmengen werden kostenlos entsorgt

Ein solches Risiko lässt sich leicht vermeiden, heißt es von der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft (GWA) Kreis Unna. Sie nimmt asbesthaltiges Material ausschließlich auf dem Wertstoffhof in Kamen-Heeren-Werve, Mühlhauser Straße, entgegen. Kleinstmengen aus privaten Haushalten – zu denen vermutlich der Fund im Mergelbergwald gehört – werden sogar kostenlos abgenommen.

Die Anlieferung von asbesthaltigem Material muss allerdings vorher telefonisch unter der Rufnummer 0 23 07/42 20 16 angemeldet werden. Die Abfallstoffe müssen außerdem in extra gekennzeichnete und verschlossene Säcke, sogenannte Plattsäcke oder Big-Bags, verpackt werden. Diese gibt es je nach Größe für 15 bis 22 Euro an allen GWA-Wertstoffhöfen. Auf keinen Fall dürfen asbestbelastete Materialien mit Bauschutt vermischt angeliefert werden.

Eine Tonne Sondermüll kostet ansonsten 279,65 Euro. Gewerbetreibende zahlen für asbesthaltige Baustoffe bis 100 Liter 25 Euro, bei einem Gewicht kleiner als 0,4 Tonnen pauschal 60 Euro und darüber ebenfalls den Tonnagepreis von 279,65 je Tonne.

Einfacher und noch sicherer ist es allerdings, einen Fachbetrieb mit dem Abbau und dem Entsorgen zum Beispiel von solchen Eternitplatten zu beauftragen. Der Betrieb sollte unbedingt einen Sachkundenachweis nach der Gefahrenstoffverordnung TRGS 519 vorweisen.

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