Infoterminal, Handy-App und 3D-Reise

Das sind die neuen Pläne für den Bönener Förderturm

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Früher Arbeitsplatz, heute Ort des Gedenkens: Der Förderturm der ehemaligen Zeche Königsborn III/IV soll unter anderem mit Infoterminal, Stolperschwelle und virtuellem Bergwerk digital aufgerüstet werden und die Leiden der Zwangsarbeiter in Bönen darstellen.

Bönen - 2600 Menschen wurden während der Schreckensherrschaft des NS-Regimes in Bönen gewaltsam zur Arbeit gezwungen. Der Arbeitskreis Erinnerungskultur macht im Förderturm der ehemaligen Zeche Königsborn III/IV auf das Leiden der Zwangsarbeiter aufmerksam – und will nun digital aufrüsten.

„Im Förderturm hat ein Großteil der Zwangsarbeiter gearbeitet“, sagt Gerda Gnad vom Arbeitskreis Erinnerungskultur. Trotzdem wisse kaum jemand in Bönen über die Ausmaße Bescheid. „Der Bergbau wird noch viel zu sehr romantisiert“, so Gnad. Deshalb wolle der Arbeitskreis auch die Schattenseiten der Kumpelkultur beleuchten und den Förderturm neben dem Gedenken zu einem Ort des Lernens und der Menschenrechtsbildung entwickeln. Im vergangenen Jahr wurde bereits ein Videoloop eingeweiht, der die Namen der über 2600 Opfer anzeigt. Das soll nur einer von vielen Schritten gewesen sein. Der Arbeitskreis hat bereits viele weitere Veränderungen angestoßen: 

Infoterminal

Im Eingangsbereich des Förderturms sollen sich Besucher künftig über die Geschichte der NS-Zwangsarbeit informieren können. „Wir wollen das multimedial auf einem Monitor gestalten. So können wir auch immer wieder Infos hinzufügen“, sagte Hartmut Hegewald. Es wird Informationen über den Bergbau in Bönen, den Förderturm als Denkmal, Zwangsarbeiter im NS-Regime und das rassistische Weltbild des Dritten Reiches geben.

Wollen den Förderturm in einen Gedenk- und Lernort verwandeln (von links): Jürgen Sprave, Manfred Lopatka, Gerda Gnad, Barbara Börste und Hartmut Hegewald. Auch Peter Pothmann, der nicht auf dem Foto zu sehen ist, ist Teil der Gruppe.

GPS-Themenroute

Mit dem Handy von Ort zu Ort: Der Arbeitskreis will eine GPS-gesteuerte App entwickeln mit der Nutzer Wanderrouten und Radtouren zwischen historischen Orten der Zwangsarbeit in Bönen folgen können. „Wir wollen Lücken im kollektiven Gedächtnis wieder auffüllen“, erklärt Gnad. Virtuelles Bergwerk Besucher sollen die Hochzeit des Förderturms virtuell erleben können. Nach dem Vorbild eines Projekts am Bergwerk Prosper-Haniel in Bottrop sollen die Interessierten mittels 3D-Brillen die Arbeit unter Tage miterleben. Der Förderantrag „Heimatcheck“ liegt dem Landesministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung bereits vor. 

Stolperschwelle

Eine Stolperschwelle soll vor dem Eingang des Förderturms auf die Zwangsarbeiter aufmerksam machen. „Wir wollen den vielen Opfern aber auch Namen und Gesichter geben“, berichtet Hegewald. Der Textvorschlag des Arbeitskreises liegt der Stiftung Stolperstein bereits vor. Wann die Schwelle kommt, ist aber noch nicht sicher. 

RVR-Schild 

Der Regionalverband Ruhr (RVR) bringt im ganzen Ruhrgebiet Hinweisschilder an wichtigen Orten der Industriekultur an. „Bergbau war aber nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen“, stellt Gnad fest. Deshalb soll ein Schild zur Zwangsarbeit künftig den Förderturm zieren. 

Pädagogisches Konzept

Ein museumspädagogisches Konzept zu erarbeiten: Das soll eine der Daueraufgabe des Bönener Arbeitskreises werden. In Kooperation mit Erinnerungsfachleuten, Vertretern der öffentlichen Kulturarbeit und Spezialisten der EU-Fördermöglichkeiten wollen die Ehrenamtler einen rassismussensiblen Bildungsort entwickeln. „Wir sind mit Schulen im Gespräch über Kooperationen, um Jugendlichen Geschichte näherbringen“, so Gerda Gnad.

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