Eine Straße mit Geschichte

Anwohner haben große Pläne für den Haferkamp in Nordbögge

Die Nachbarn am Haferkamp in Nordbögge suchen sie einen Historiker, der vor allem Kindern die Geschichte der Straße näher bringen soll.
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Mario Latowski (rechts), Hans (links) und Horst Bennemann sowie weitere Nachbarn wollen das historische Erbe der Straße Am Haferkamp bewahren.

Mehr als 300 000 Euro will die Gemeinde in die Hand nehmen, um damit die Straße Am Haferkamp in Nordbögge sanieren zu lassen. An den Kosten werden sich die Anwohner beteiligen müssen, wenn auch aufgrund von Landeszuwendungen mit einem geringeren Anteil. Das Geld ist aber nicht das Problem, das einige Nachbarn dort mit den Plänen haben. „Wir befürchten eine 0815-Straße mit Gehweg und Blumenkübel“ sagt Mario Latowski. „Bekommt der Haferkamp ein gewöhnliches Pflaster, begraben wir damit die Vergangenheit und Zukunft unserer Kultur.“

Bönen - Der Nordbögger und seine Nachbarn haben auch schon eine Idee, wie „ihre“ Straße als „historisches Gut“ wieder mehr in den Vordergrund rücken könnte. Mithilfe eines Historikers möchten sie die Geschichte der Straße den Menschen näher bringen. Immerhin wurden die ersten Häuser „am Haferfeld“, wie sich der Straßenname übersetzen lässt, bereits 1836 errichtet.

„Früher gab es in Nordbögge quasi nur die Hauptstraße und den Haferkamp. Man braucht so ein altes Kulturgut als Fundament, um dort kulturelle Veranstaltungen machen zu können“, hat Initiator Mario Latowski festgestellt. Als Beispiel nennt er die Zeche Zollverein in Essen, den Hammer Elefanten im Maximilianpark auf dem ehemaligen Gelände der Zeche Maximilian und nicht zuletzt den Förderturm in Bönen.

Historiker gesucht

Für das Projekt suchen die Nachbarn am Haferkamp einen Historiker oder geschichtlich Interessierten, der sich mit dem Leben und den Gegebenheiten in Nordbögge um das Jahr 1836 auskennt oder Interesse daran hat, danach zu forschen und etwas auf Papier zu bringen. Der- oder Diejenige sollte Freude daran haben, mit Kindern zu arbeiten, Führungen auszuarbeiten und durchzuführen. Ein Studium oder Examen sei nicht notwendig, laden die Initiatoren Hobby-Historiker dazu ein, sich zu beteiligen. Wichtig sei in erster Linie Begeisterung für die Sache. Interessierte können sich bei Mario Latowski unter der Rufnummer 0 23 83/5 74 26 melden.

2004 und 2005 hat er sich als Fotograf selbst für den Erhalt des Wahrzeichens der Gemeinde eingesetzt und gemeinsam mit der Bürgerstiftung die beiden Jahreskalender „Mannsbilder“ und „Starke Frauen“ aufgelegt. Die Verkaufserlöse flossen in die Sanierung des Industriedenkmals, die Aufmerksamkeit, die die Kalender weit über Bönens Grenzen hinaus erzielte, kam dem Projekt „Kulturzentrum Zechenturm“ zugute. „Es ging damals nicht um einen Nacktkalender, sondern um eine kleine, engagierte Truppe, die für ein Kulturgut alles gegeben – und gezeigt – hat“, macht Latowski deutlich.

Am Haferkamp sollen nun nicht die Hüllen fallen. Dort kann sich der kreative Kopf gemeinsam mit weiteren Anwohnern etwas ganz anderes vorstellen. Ein erstes Projekt haben sie bereits geplant: eine Brunnenexkursion für die Kinder der Evangelischen Kindertageseinrichtung Immanuel in Nordbögge. „Wir haben einige alte Brunnen an der Straße. Mein Opa hat zum Beispiel einen gegraben, bevor er dort das Haus gebaut hat“, erzählt Mario Latowski. Gemeinsam mit dem Historiker oder Geschichtsinteressierten möchte er den Kindern diese wichtigen Bauwerke zeigen, erklären wie und warum sie gebaut wurden.

Auf seinem Grundstück hatte Mario Latowski bereits Kindergartengruppen zu Gast, die dort Wissenswertes über das Mittelalter erfuhren.

Er selbst hat bereits Kindergartengruppen auf sein Grundstück eingeladen und dort für einen Vormittag das Mittelalter aufleben lassen. Damals halfen ihm Freunde, die begeisterte Mittelalterfans sind und unter anderem Feste und Veranstaltungen zu dem Thema organisieren. Für die Epoche, in der der Haferkamp entstand, fehlt dem 54-Jährigen jedoch solch ein Hintergrund. Deshalb ist es ihm wichtig, jemanden zu finden, der sich mit der Geschichte des 19. Jahrhunderts gut auskennt, möglichst mit dem damaligen Leben der Menschen in dieser Region. Bei weiteren Touren könne es dann um die Häuser gehen oder um die Menschen, die dort gelebt haben. Auch könnten später Hinweistafeln in den Gärten Besuchern die Geschichte der Häuser und seiner Bewohner erzählen. Für Ideen ist der Initiator auf jeden Fall offen.

„Um einen Ort mit Geschichte zu erhalten, ist das Engagement der Bürger gefragt“, wünscht der Nordbögger sich weitere Unterstützer. Viele seiner Nachbarn sind wie er bereits am Haferkamp aufgewachsen. „Die Straße war immer etwas Besonderes“, schildert Mario Latowski. Er kann sich an einige gemeinsame Aktionen der Nachbarn in seiner Kindheit erinnern. Sein Projekt könnte jetzt der Anfang von etwas Neuem werden, das auf Altem aufbaut, hofft er.

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