Mehr als ein Hobby: Angelnachwuchs aus Bönen büffelt für Prüfung

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Fischer am Main

Bönen - Fischarten erkennen, Angelknoten knüpfen, Angelruten erstellen - in der nächsten Woche startet für den Angelnachwuchs des Hegefischerverein Lippe die Fischereiprüfung.

Fünf Teilnehmer bildet der Hegefischerverein Lippe im ersten Halbjahr diesen Jahres aus. Die jungen Männer absolvieren ihre erste Prüfung, nachdem sie über acht Wochen und insgesamt 32 Stunden für die theoretischen Voraussetzungen gebüffelt haben. In der kommenden Woche ist es soweit. Die Fischereiprüfung steht an. 

Umsonst gibt es diese Prüfung nicht. Insgesamt müssen die Prüflinge 300 Fragen beantworten, die ihnen Lehrgangsleiter Lothar Langholz stellt. Dabei prüft Langholz das Wissen rund um Fisch- und Gewässerkunde, Natur- und Tierschutz, Geräte- und Gesetzeskunde. Allein die Gerätekunde stellt die jungen Absolventen vor hohe Anforderungen. Zehn Angelruten müssen sie erfolgreich zusammenstellen können. Auch das Knüpfen von Knoten mit unterschiedlichen Materialien füllt Seiten. 

Hohe Motivation ist auch gefragt, wenn es darum geht, Fischarten zu identifizieren. Deshalb saßen die Teilnehmer und ihre Lehrer am letzten Wochenende vor der Prüfung noch einmal hoch konzentriert zusammen. 

Bestimmte Fische müssen gemeldet werden

Praktische Übungen sind hingegen nicht Teil der Prüfung. Die Umsetzung des Erlernten üben die jungen Angler mit fachlicher Begleitung auf freiwilliger Basis am Lippekanal oder am Bönener Löschteich im Industriegebiet. Was sie wie fangen dürfen, lernen die angehenden Angler in der Ausbildung. Dennoch kann es vorkommen, dass ihnen ein Fisch an den Haken geht, der besondere Aufmerksamkeit braucht. 

Unter Berücksichtigung der Schonzeiten dürfen Angler Brassen, Rotaugen, Hechte, Zander und Aale aus dem Wasser holen. In den heimischen Gewässern leben aber auch wieder Lachse und Meerforellen. Die Tiere sind mit dem Ziel der Wiederansiedlung markiert und gezielt ausgesetzt worden. Wenn ein Angler einen solchen Fisch versehentlich fängt, gehört es zu seinen Aufgaben, die Registrierung auf der Bauchunterseite an die Untere Fischbehörde in Unna zu melden. 

Tobias Duczek, Ausbilder Michael Kemper, Mike Kusber, Lehrgangsleiter Lothar Langholz und Jens Krabs (von links) beim Lehrgang für die Fischereiprüfung.

Aber auch alle anderen Fänge werden von jedem Angler erfasst und in das Fangbuch eingetragen. Die Zahlen nimmt der Verein zum Jahresende entgegen, um sie auszuwerten und an die nächste zentrale Stelle zu übermitteln. Die statistische Erfassung der Fische beschränkt sich aber nicht nur auf die gefangenen Tiere. 

Eine weitere Analyse der Bestände wird über eine Sonde realisiert. In Fischteiche eingelassen, gibt die Sonde leichte Stromstöße auf einen Quadratmeter ab. Die Fische sind kurzfristig betäubt und können so gezählt werden. Das liefert den Beobachtern wichtige Erkenntnisse über die Bestandsdichte in den Gewässern. 

Zählung nach Stromstößen

Die betäubten Fische erholen sich innerhalb kurzer Zeit und schwimmen weiter, erklärt Lehrgangsleiter Lothar Langholz und betont noch einmal, wie wichtig die Erkenntnisse für die Gesunderhaltung von Fischen und Gewässern sind. 

Mit etwa 60 Mitgliedern ist der Bönener Hegefischer Verein stabil. Dennoch wünscht sich Lothar Langholz wieder mehr Beteiligung. Dabei kann sich der Verein über eine breite Altersstruktur nicht beklagen. Zwischen 25 und 70 Jahren sind die meisten Aktiven. „Fast nur Männer“ bedauert Langholz allerdings, der sich auch über mehr weibliche Beteiligung freuen würde. 

Zu bieten hat die Gemeinschaft ihren Mitgliedern Einiges. Neben dem Angeln ist die Geselligkeit ein wichtiges Anliegen. „Wir grillen, wir reden und wir genießen die Natur“, wirbt der Lehrgangsleiter für seinen Verein und lädt Interessenten gerne ein, nach Anmeldung zum Angeln und anschließenden Grillen vorbeizuschauen. Teilnehmen dürfen übrigens schon Kinder ab 10 Jahren, die der Verein ebenfalls gerne wieder in seinen Reihen hätte. 

Was ihn selbst am Angeln so fasziniert? „Die Ruhe“, strahlt der erfahrene Angler und macht deutlich, dass er längst nicht immer etwas fängt. Vielmehr ist das Angeln für ihn ein Zeichen der Naturverbundenheit und auch der Verantwortung. Schließlich kümmern sich die Angler um die Teiche, sprechen mit Wild-Campern, die ihren Müll nicht wegräumen und melden sie notfalls auch an die Polizei.

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