Alle OGS-Anmeldungen in Bönen werden berücksichtigt

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Schon jetzt müssen die OGS-Kinder an der Hellwegschule in Klassenzimmer ausweichen, um dort ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Bönen – Job und Familie unter einen Hut zu bringen, ist ein Kraftakt. Zu wissen, dass die Kinder während der Arbeitszeit gut betreut werden, entlastet Eltern daher ungemein. Und deshalb ist es für sie auch wichtig, einen Platz in der Kita beziehungsweise in der Offenen Ganztagsschule (OGS) für ihre Tochter oder ihren Sohn zu bekommen. Doch diese Plätze sind knapp in der Gemeinde. So warten derzeit etwa 40 Familien darauf, eine Zusage für die OGS-Betreuung an den beiden Grundschulen zu bekommen. Im Haupt- und Finanzausschuss gab es am Donnerstagabend gute Nachrichten für sie: Alle Kinder werden im kommenden Schuljahr einen Platz bekommen.

Damit, dass ab Spätsommer alle Grundschüler versorgt sind – sofern der Rat dem Beschluss über die Ausweitung auf 150 OGS-Plätze an der Hellwegschule zustimmt – ist es aber noch nicht getan. Da sowohl die Schulen, die Gemeinde und die Politiker mit einem weiteren Anstieg des Betreuungsbedarfes rechnen, sollen in einem Arbeitskreis das Gesamtkonzept nun überdacht und die weitere Entwicklung der OGS geplant werden. 

Einen entsprechenden Antrag dazu hat die SPD-Fraktion bereits im vergangenen Jahr gestellt. Sie fordert, die Gruppen zu verkleinern und die Betreuungsqualität grundsätzlich zu verbessern. So müsse beispielsweise der Betreuungsschlüssel sinken. Der liegt zurzeit bei eins zu 25, das heißt, ein Betreuer ist für 25 Kinder zuständig. Wenn es nach den Wünschen der Sozialdemokraten geht, sollte der Schlüssel jedoch auf eins zu 20 sinken, wie Ratsfrau Ute Brüggenhorst am Donnerstagabend deutlich machte. „Wir werden keine Ruhe geben, was die Qualität an der OGS angeht“, kündigte sie an. Ein Punkt sei der Lärmpegel in der Einrichtung, der unbedingt gesenkt werden müsse, um den Kindern und Betreuern ein gesundes Umfeld zu garantieren. 

Auch die Christdemokraten sehen Verbesserungsbedarf, und zwar in erster Linie bei der Vergabe der Plätze. Sie möchten berufstätigen Eltern eine Betreuungsgarantie geben. Bislang – und das ist in diesem Jahr vielen Familien besonders aufgestoßen – galt bei der Anmeldung das „Windhundprinzip“. Danach werden die Plätze weder nach Dringlichkeit noch nach Bedürftigkeit vergeben, sondern schlicht in der zeitlichen Reihenfolge des Eingangs. Das habe im April zu Warteschlangen vor dem Rathaus geführt, berichtete eine Mutter in der Einwohnerfragestunde am Ende der Sitzung. Manche Eltern hätten sich dafür sogar extra einen Tag Urlaub genommen. 

Frühbetreuung soll entkoppelt werden

Und schließlich soll die Frühbetreuung von der OGS abgekoppelt werden. Bisher können Eltern ihre Kinder vor Unterrichtsbeginn nur in die Obhut der Betreuer geben, wenn diese auch nach Unterrichtsschluss in der OGS bleiben. Demnächst sollen Mütter und Väter ihre Kinder auch ausschließlich am Morgen beaufsichtigen lassen können, wenn ihr Arbeitsbeginn deutlich vor dem des Unterrichtes liegt. 

All das dürfte bei den Müttern und Vätern für Erleichterung sorgen, insbesondere die Zusage der Gemeinde, dass kein Kind auf einer Warteliste stehen bleibt. Seit Ende des Anmeldeverfahrens mussten sie mit der Ungewissheit leben, ob ihr Kind ab August betreut wird oder nicht. Bei vielen hängt davon jedoch ab, ob sie überhaupt berufstätig sein können. Angemeldet werden konnten die Schüler bis zum 17. April, doch schon Tage vorher hatte sich abgezeichnet, dass die vorhandenen Plätze insbesondere an der Hellwegschule nicht ausreichen werden. Dort sind bislang 110 Mädchen und Jungen untergebracht, der Verwaltung lagen aber schon vor dem Stichtag 141 Anmeldungen vor, Tage später trudelten weitere neun ein, sodass am Ende für 150 Kinder Bedarf gemeldet worden war. 

Für die OGS an der Goetheschule gab es hingegen 90 Anmeldungen, 18 davon landeten erst nach Verfahrensschluss im Rathaus. Auch sie werden berücksichtigt, alle 90 Kinder nach den Sommerferien betreut, heißt es vom Schulträger. 

„Die 40 betroffenen Eltern, die bislang noch keine Zusage bekommen haben, haben im Mai eine Zwischennachricht von uns bekommen, dass wir an einer Lösung arbeiten und uns melden, sobald der Rat am 25. Juni entschieden hat“, erklärte Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte von der Gemeindeverwaltung. Und dabei sollen auch die „Nachzöglinge“ berücksichtigt werden, die sich zu spät angemeldet haben. 

Raumangebot an der Hellwegschule ist knapp

Diese Lösung ist seit geraumer Zeit in Arbeit, wie der Fachbereichsleiter berichtete. Der steigende Bedarf an OGS-Plätzen war bereits im November Thema im Schulausschuss. Daraufhin hat die Verwaltung Mitte Dezember erste Gespräche mit dem Träger der Einrichtung, der Awo-Tochter Bildung + Lernen, darüber geführt, wie sich weitere Kapazitäten schaffen lassen.

Ein großes Problem ist dabei das räumliche Angebot an der Hellwegschule. Die OGS platzt quasi aus allen Nähten, allein der Speiseraum reicht nicht aus, um allen Kindern gleichzeitig ein Mittagessen zu servieren. Sie müssen in Schichten essen. „Wir haben uns das gemeinsam mit der OGS- und der Schulleitung angesehen und weitere Räume ausgemacht“, so Otte. Demnach soll der bisherige Hausaufgabenbereich neben dem Speiseraum künftig ebenfalls als „Esszimmer“ dienen. Die dafür nötige Ausstattung will die Gemeinde bis zum Schuljahresstart beschaffen. Weitere Klassen- und Fachräume sollen dann für die Hausaufgabenbetreuung und die anderen Angebote genutzt werden. Und ab dem kommenden Jahr könnte zusätzlicher Platz in den Multifunktionsräumen entstehen, zu denen die ehemalige Kleinschwimmhalle an der Schule umgebaut wird. 

Mehr Personal für die Betreuung

Personell muss die OGS natürlich gleichfalls aufgestockt werden, damit eine adäquate Betreuung bei der steigender Schülerzahl gewährleistet ist. Wie die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage mitteilt, wird der akute Personalbedarf durch den Träger gedeckt. Gleichzeitig soll die OGS-Leiterin von den Betreuungsaufgaben entbunden werden, damit sie sich ausschließlich um die Leitung der Einrichtung kümmern kann. 

Die 40 neu zu schaffenden OGS-Plätze kosten etwa 102 000 Euro zusätzlich, rechnet die Verwaltung vor. Darin sind die tariflichen Gehaltsanpassungen der Awo-Mitarbeiter in Höhe von knapp 12 000 Euro enthalten. Die Zuwendung des Landes für die Ausweitung dürfte sich auf circa 64 800 Euro belaufen, sodass rund 37 200 Euro für das Schuljahr an der Gemeinde hängen bleiben. Zumindest für dieses Jahr will die Verwaltung die eingesparten Mittel aus dem Budget Schülerfahrtkosten in Höhe von 18 600 Euro dafür einsetzen. Aus diesem Topf sollen zudem Tische, Stühle, Tornisterschränke, Wärmewagen für das Mittagessen und Weiteres für die Erweiterung bezahlt werden.

Der Rat entscheidet Über die OGS-Erweiterung und die künftige Entwicklung des Angebotes muss der Gemeinderat am Donnerstag, 25. Juni, entscheiden. Der öffentliche Teil der Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Aula des Marie-Curie-Gymnasiums.

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