Afrikanische Schweinepest: Heimische Landwirte stehen unter Druck

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Noch gibt es keinen Fall von ASP im Kreis Unna. Dennoch spüren die hiesigen Landwirte wie der Bönener Christian Möllmann, der in seinem Betrieb 2800 Schweine mästet, bereits den Preisverfall, weil China den Import aus Deutschland generell gestoppt hat.

Bönen – Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hat spürbare Auswirkungen auf heimische Landwirte. Zwar sind bisher im Kreis Unna keine Fälle aufgetreten, aber die Bauern haben mit einem massiven Preisverfall zu kämpfen.

Zwar gebe es abgesehen von den bestätigten Fällen in Brandenburg derzeit keinerlei Erkrankungen in der Region, so Christian Möllmann, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Ortsvereins Bönen, und zugleich Betroffener, der in seinen Ställen aktuell 2800 Schweine mästet. „Die Auswirkungen bekommen wir aber wirtschaftlich bereits massiv zu spüren.“ Die Folgen eines global vernetzten Marktes.

In Westpolen waren seit November 2019 Fälle von ASP bei Wildschweinen bekannt. „Da es lange gedauert hat, bis das erste infizierte Wildschwein von Polen über die deutsche Grenze gekommen ist, hatten die Behörden und die Schlachtunternehmen genügend Zeit, sich auf den Ernstfall vorzubereiten“, sagt Möllmann. „Und das haben sie auch getan.“

China-Export gestoppt

„Wir haben in Deutschland über 100 Prozent Selbstversorgung. Das heißt, ein großer Teil des Schweinefleisches, das hier produziert wird, geht in den Export nach Asien, vor allem nach China. Diese Länder haben aufgrund der Tatsache, dass infizierte Wildschweine in Deutschland gefunden wurden, sofort reagiert und Deutschland gesperrt“, erläutert Möllmann die Situation. „Wir sind nicht mehr berechtigt, in diese Länder zu liefern, die Einfuhr wurde gestoppt.“

Massiver Preisverfall

Die Schlachtbetriebe hätten sofort reagiert und die Schlachtmenge reduziert, was zur Folge habe, dass Druck am Markt entsteht und ein massiver Preisverfall zu verzeichnen sei. „Der Preis ist um 20 Cent pro Kilo von 1,47 auf 1,27 Euro gefallen. Bei einem durchschnittlichen Mastschwein macht das einen Verlust von 20 Euro aus.“ Gerade China sei ein riesiger Markt, der alle Teile vom Schwein abnimmt und verwertet, die in Deutschland nicht auf den Teller kommen, wie Bauch, Schwanz oder Füße. Das mache etwa vier bis sechs Euro pro Tier aus, ansonsten müssten diese Teile vernichtet werden, wenn es keine Abnehmer dafür gibt.

Doppelt gebeutelt

„Die aktuelle Situation ist so, dass wir kurz davor sind, dass die Kosten den Erlös übersteigen. Ein bisschen Gewinn muss aber übrig bleiben“, sagt Möllmann. „Wir sind doppelt gebeutelt: Erst Corona und jetzt auch noch die Schweinepest.“ Nach dem Fall Tönnies seien die Schlachtkapazitäten ohnehin schon runtergefahren worden, die wahrscheinlich nicht wieder kommen werden. „Es wird also schwieriger, die schlachtreifen Tiere am Markt zu verkaufen. Es ist damit zu rechnen, dass sich der Schweinepreis wohl erst mal nicht erholen wird.“

Wie sich der Schweinefleischmarkt angesichts erster ASP-Fälle in Brandenburg weiter entwickelt, ist ungewiss.

Gleichzeitig erhöhe sich trotz Coronaproblematik die Zerlegeintensität in den Schlachtbetrieben noch. Um Fleisch in europäischen Ländern verkaufen zu können, muss es in kleinere Einzelteile zerlegt werden als zur Verschiffung nach Asien.

„Wenn man sich die globalen Warenströme betrachtet, könnte man denken, dass andere Länder wie Frankreich oder Spanien die Belieferung Chinas kurzfristig übernehmen könnten.“ Aber das sei nicht so einfach, so der Bönener Landwirt. „Wir haben Kühlhäuser und Zulassungen von den Chinesen, die sehr hohe Anforderungen haben, obwohl sie selbst stark von ASP betroffen sind. Der Warenstrom ist nicht einfach umkehrbar. Der Prozess bis zur Lieferzulassung dauert.“

Kein ASP im Kreis

Betriebe vor Ort seien aktuell nur durch den Preisverfall am Markt betroffen, nicht von der Krankheit selbst. „Dass wir zeitnah von ASP im Kreis Unna betroffen sein könnten, ist eher unwahrscheinlich. Wenn wir vorsichtig sind und die Hygienemaßnahmen einhalten, haben wir gute Chancen, dass wir hier keine Schweinepest bekommen.“ Außerdem gebe es im Kreis Unna nur ein sehr geringes Wildschweinaufkommen.

Solidarität

„Wichtig ist aus landwirtschaftlicher Sicht, dass wir nicht in Panik verfallen. Die Solidarität muss jetzt groß sein. Mastbetriebe wie wir einer sind, sind gut beraten, wenn sie jetzt nicht die Produktion aussetzen, denn die Aufzuchtbetriebe, die die Ferkel liefern, können die ,Produktion’ des Nachwuchses nicht einfach stoppen.“ Eine Einstellung der Abnahme würde im schlimmsten Fall die Tötung der Tiere zur Folge haben. Denn der Tierschutz gibt vor, dass der Platz für die wachsenden unverkäuflichen Tiere in den Aufzuchtbetrieben nicht ausreichend ist. Wenn aber die Ferkelerzeuger dicht machten, würden auch immer mehr Betriebe schließen, die nicht wieder öffnen. Am Ende blieben dann möglicherweise nur noch wenige landwirtschaftliche Großbetriebe übrig. „Vom Einzelhandel erwarten wir, dass jetzt nicht Billigpreisaktionen starten, die den Preisverfall noch weiter vorantreiben. Alle müssen jetzt Solidarität üben.“

Verbraucherverhalten

Was wünscht sich der Bönener Landwirt vom Verbraucher, der ein wichtiges Glied in der Kette ist? „Der Verbraucher sollte jetzt nicht in Panik verfallen, denn für den Menschen ist die Afrikanische Schweinepest völlig ungefährlich. Es gibt also keinen Grund, Schweinefleisch zu meiden. Es wäre schön, wenn der Verbraucher seine Gewohnheiten beim Verzehr von Schweinefleisch beibehalten würde, damit der heimische Markt nicht auch noch einbricht.“

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