Karikatur sorgt für Ärger

Ratsfrau fühlt sich persönlich angegriffen und verlässt Fraktion

Die Karikatur, die Peter Baumgart von Daniela und Gerrit Heil machte und ins Internet stellte.
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Der Stein des Anstoßes: Die Karikatur, die Peter Baumgart von Daniela und Gerrit Heil machte und ins Internet stellte.

Eine Karikatur des Böneners Peter Baumgart sorgt für Wirbel in der Bönener Fraktion von Bündnis90/Die Grünen und Stühlerücken in der letzen Ratssitzung der Legislaturperiode am 8. Oktober. Weil sie sich persönlich von ihrem Parteikollegen angegriffen fühlt, verließ Ratsmitglied Daniela Heil die Ratsfraktion der Grünen, nachdem feststand, dass Peter Baumgart in der Fraktion nachrückt.

Bönen – Noch für vier Wochen rückt nun pikanterweise ausgerechnet der Urheber der Zeichnung, Peter Baumgart, als Ersatzmann auf der Fraktionsbank der Grünen für Ratsherr André Brust nach, der aus Bönen weggezogen ist und sein Mandat zurückgab. Daniela Heil behält dagegen ihr Ratsmandat. Für sie muss kein Nachrücker nominiert werden. „Aber ich möchte mit Peter Baumgart nicht an einem Tisch im Rat sitzen“, begründet Daniela Heil ihren Schritt.

Witzig oder diffamierend?

Witzig oder diffamierend – das ist die Frage. Das Opfer der „künstlerischen“ Meinungsäußerung Baumgarts – Daniela Heil – kann jedenfalls nicht über die auf seiner Facebookseite veröffentlichte Zeichnung lachen. Sie kenne frühere Karikaturen von Peter Baumgart, die Bönener Verhältnisse mit einem Augenzwinkern aufs Korn genommen hätten. In diesem Fall sei aber eine Grenze überschritten worden. „Das Pärchen aus der Provinz – Gerri und Dani – Unheil des Spaltkeils“ lautet der Text in der Zeichnung.

„Ich fühle mich als Privatperson angegriffen. Wir sind keine Spalter, mein Mann und ich haben uns einfach gegen die Arbeit im Ortsverband und für die Arbeit im Kreisverband entschieden“, sagt Daniela Heil. „Ehrlich gesagt, habe ich kaum etwas mit Herrn Baumgart zu tun, weil er in der Fraktion nicht aktiv mitarbeitet.“

Warum er sich jetzt berufen gefühlt habe, in dieser Form an die Öffentlichkeit zu gehen, sei für sie nicht nachvollziehbar. „Ich habe auch nicht verstanden, was das Bild aussagen soll. So ging es nicht nur uns, sondern auch Mitgliedern anderer Parteien, die mit Unverständnis und Entsetzen reagiert haben.“

„Wir sollten fair miteinander umgehen“

Eine gute Karikatur könne die politische Diskussion beleben, findet Daniela Heil, aber das treffe hier nicht zu. Sie habe sich mit einem Anwalt beraten, ob es eine Möglichkeit gibt, dass Baumgart die Karikatur von seiner Seite nehmen muss. Der sehe allerdings wenig Chancen dafür, berichtet Daniela Heil, da es sich um Satire handele (siehe Infokasten).

Ihr Mann, Dr. Gerrit Heil, der in der neuen Legislaturperiode ebenfalls in den Kreistag Unna einzieht, wird in der letzten Ratssitzung am Tisch der Grünen-Fraktion sitzen. „Wir sollten fair und respektvoll miteinander umgehen innerhalb und zwischen den Parteien. Ob das Peter Baumgart mit dieser Karikatur macht, mag jeder für sich selbst entscheiden“, kommentiert Dr. Gerrit Heil die Angelegenheit.

Karikatur und Satire

Eine Karikatur ist die komisch überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen, auch mit politischem Hintergrund. Karikaturen sind meist eine bildliche Form der Satire, die sich als parteiische Kritik an bestehenden politischen Verhältnissen versteht und oft als „Waffe“ in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen verwendet wird. Die Karikatur übertreibt bewusst und verzerrt charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person.

Satire ist in Deutschland von der Kunstfreiheit geschützt. Satire will auf gesellschaftliche Missstände hinweisen und arbeitet mit Übertreibung, Verfremdung und Übersteigerung. Maßgeblich für die Beurteilung der Zulässigkeit ist nicht das Stilmittel, sondern der Kern der Aussage. Die Kunstfreiheit endet dort, wo die Schmähkritik beginnt. Schmähkritik ist die Grenze der zulässigen Berichterstattung über eine Person. Zielt die Berichterstattung lediglich auf die Diffamierung der Person ab und nicht auf die Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Thema, ist diese Grenze überschritten.

„Das eine ist der rechtliche Aspekt der Sache, das andere sind die Grenzen des guten Geschmacks. Das wird keine Auswirkungen auf den letzten Monat meiner Fraktionsarbeit in Bönen haben. Ich trenne das. Meine Frau reagiert da emotionaler, und das kann ich gut verstehen.“

Der Urheber der Zeichnung, Peter Baumgart, räumt ein, dass er seine Karikatur auf seiner Facebookseite öffentlich gemacht habe, weil er die betreffenden Personen kritisieren wollte. „Nicht, dass sie in den Kreistag gewählt sind, das ist ein demokratischer Prozess. Aber ich kenne sie als Personen, die Streit verursachen innerhalb der Fraktion. Das wird der Kreisverband jetzt auch erleben.“

Warum er die Karikatur so veröffentlicht hat, dazu sagt Baumgart: „Es ist eine Karikatur, die erklärt man nicht. Das muss jeder selber sehen.“

Und wie will er seine Zeichnung verstanden wissen? „Ich habe zwei Menschen karikiert und deren Äußerlichkeiten überhöht. Der Text dazu hat mit der Bönener Grünen-Fraktion nichts zu tun und ist mit ihr auch nicht abgesprochen“, betont Baumgart mehrfach. „Vielleicht war der Zeitpunkt ungeschickt. Die Fraktion sieht das im Übrigen auch sehr gespalten. Das ist aber einzig mein Ding.“

Er denke auch politisch. Äußern könne er sich aber besser mit dem Zeichenstift als mit Worten, so Baumgart. „Ich frage niemanden danach, ob ich das darf – und ich muss damit leben, wenn das nicht gut ankommt.“

„Die sollen sich nicht so anstellen, das sind Menschen des öffentlichen Lebens“

Zum Fraktionsaustritt von Daniela Heil sagt Baumgart: „Die sollen sich nicht so anstellen. Das sind Menschen des öffentlichen Lebens. Ein Politiker muss dickfälliger werden. Dass er karikiert wird, damit muss er leben.“

Den Austritt von Daniela Heil aus der Fraktion kommentiert Friedhelm Lange, Sprecher der Grünen-Fraktion: „Das ist ihre persönliche Entscheidung, die so zu akzeptieren ist.“

Die Veröffentlichung der Karikatur und ihren Inhalt will er in seiner Funktion als Sprecher der Grünen nicht kommentieren – nur so viel: „Das hat Herr Baumgart auf seiner privaten Facebook-Seite veröffentlicht, wie er das für richtig hielt. Weder auf die Veröffentlichung noch auf die Reaktion der Fraktionsmitglieder konnte ich Einfluss nehmen. Beides war nicht mit mir abgesprochen.“

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