Kita Christ-König in Bönen

Abschied nach 40 Jahren: Kita-Leiterin Birgit Schlottmann geht in den Ruhestand

Birgit Schlottmann Abschied
+
Birgit Schlottmann leitete 40 Jahre lang die katholische Kita Christ König.

Nach vier Jahrzehnten ist Schluss. Birgit Schlottmann, bisher Leiterin der katholischen Kita Christ König, verabschiedet sich in den Ruhestand. Am Donnerstag verbringt sie ihren Tag zum letzten Mal in der Kindertagesstätte. 

Bönen – Wenn Birgit Schlottmann der „Papierkram“ zu viel wird, hat sie ein sehr wirksames Mittel, um den Kopf wieder freizubekommen: „Ich gehe in eine Gruppe, setzte mich auf den Teppich und spiele einfach nur mit den Kindern.“ Danach hat sie wieder genug Kraft für die Büroarbeit. Aus dieser Kraft, die ihr die Kleinen geben, schöpft Birgit Schlottmann seit 40 Jahren. Damals übernahm sie die Leitung der katholischen Kindertageseinrichtung Christ König. Am Donnerstag verabschiedet sie sich in den Ruhestand.

In der Kita an der Kirchstraße gilt ein wichtiger Leitsatz: „Unsere Kinder sind unsere wichtigsten Gäste, die zu uns in Haus kommen, sorgfältige Zuwendung verlangen, eine Zeit lang bei uns verweilen und dann aufbrechen, um ihre eigenen Wege zu gehen.“ Diese Worte des niederländischen Theologen und Psychologen Henri Nouwen beschreiben für Birgit Schlottmann ziemlich genau, welchen Ansatz sie in all den Jahren verfolgt hat. „Wir begleiten die Kinder liebevoll und helfen ihnen dabei, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, sodass sie später ein verantwortungsvolles, selbstbestimmtes Leben führen können“, betont die Erzieherin. Nicht mehr, nicht weniger. „Die Kinder sind bei uns das Wichtigste. Und wenn sich in den Jahren auch viel verändert hat – die Kinder sind immer Kinder geblieben.“

Praktikum im selben Kindergarten

Als Birgit Schlottmann 1974 ein Schulpraktikum in dem katholischen Kindergarten absolvierte, ahnte sie dabei noch nicht, dass sie dort später den größten Teil ihres Berufslebens verbringen würde. „Ganz klar war es danach noch nicht, dass ich Erzieherin werde“, erzählt sie. Sie entschied sich letztendlich aber doch dafür.

Nach dem Anerkennungsjahr im Sankt-Bonifatius-Kindergarten in Altenbögge trat sie ihre erste Stelle im sonderpädagogischen Kindergarten in Unna-Königsborn an. „Das war für mich eine sehr prägende Zeit“, erinnert sich die Bönenerin. Die Arbeit mit den meist mehrfach behinderten Mädchen und Jungen machte ihr große Freude, deren Schicksale belasteten die junge Frau auf der anderen Seite aber gleichzeitig extrem. „Ich konnte nie abschalten, habe alles mit nach Hause genommen“, schildert Birgit Schlottmann. „Ich habe häufig am Wochenende Kinder zu mir nach Hause geholt, bin mit ihnen in den Tierpark gefahren oder haben etwas anderes mit ihnen unternommen.“

Am liebsten mitten drin: Die Kinder waren Birgit Schlottmann immer am wichtigsten.

Irgendwann war klar, dass die Situation für die empathische Erzieherin dauerhaft nicht durchzustehen war. „Meine Eltern rieten mir, unseren Pastor anzusprechen“, berichtet die gläubige Katholikin. Der damalige Gemeindepfarrer Friedrich Dietz freute sich über ihr Interesse und hatte kurz darauf tatsächlich eine passende Stelle für sie – die Leitung des Christ-König-Kindergartens.

„Ich hatte Respekt vor der Verantwortung, war aber auch voller Euphorie und Tatendrang“, so Birgit Schlottmann. Sie begann am 1. Mai 1981 zur Einarbeitung noch unter der alten Leitung, ab 1. September war sie dann verantwortlich für 45 Kinder in zwei Gruppen und drei Mitarbeiterinnen. Viele neue Ideen setzte Birgit Schlottmann in den folgenden Jahren in der Kita um, organisierte Aktionen, Projekte und sogar eine einwöchige Mutter-Kind-Fahrt. „Daran erinnern sich die Teilnehmer heute noch“, weiß die 62-Jährige. 1994 wurde die Einrichtung dreizügig, das Team entsprechend vergrößert. Jede Gruppe wurde nun von zwei Mitarbeitern betreut.

Heute sind es elf Mitarbeiter, die sich um die Kleinen in den drei Gruppen kümmern, inklusive einer Fachkraft für Inklusion. Dass mehr Erzieher gebraucht werden, hängt unter anderem mit den deutlich längeren Betreuungszeiten zusammen. Zudem kommen die Kinder früher in die Kita, nämlich bereits mit zwei Jahren. Räumlich ist die Einrichtung daher ebenfalls gewachsen. 2013 wurde der Anbau eingeweiht, in dem sich die Schlafräume für die Kleinsten, ein Wickelraum und besonders kleine Toiletten befinden.

Für die Einrichtungsleiterin hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls viel verändert. Ein Stichwort ist Kibiz, das Kinderbildungsgesetz. Es regelt die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen der Kindertagesbetreuung in NRW. „Vor allem die Bürokratie hat zugenommen, die ganze Dokumentation und die Konzepte, die wir schreiben müssen“, beschreibt Birgit Schlottmann.

Herzergreifende Begeisterung

Viel Zeit, sich zu den Mädchen und Jungen auf den Teppich zu setzen, hat sie nicht mehr. „Aber ich schaffe mir immer wieder Zeitfenster.“ Dafür liebt sie die Arbeit mit den Kindern einfach zu sehr. „Ihre Ehrlichkeit, ihre Begeisterungsfähigkeit – das ist einfach herzergreifend“, stellt die Bönenerin fest.

Wichtig war ihr aber auch stets der Kontakt zu den Eltern, zu den Familien. Für deren Sorgen und Nöte hatte sie genauso offene Ohren wie für die Probleme der Kinder. Vieles beschäftigte sie nach Feierabend weiter. „Meine Familie hat zum Glück immer mitgezogen“, ist sie ihrem Mann und ihrem erwachsenen Sohn dankbar. Die beiden sind häufig mit eingesprungen, wenn es in der Kita etwas zu helfen, zu organisieren oder zu begleiten galt.

Jetzt wird es für Birgit Schlottmann jedoch Zeit, sich mehr ihrer Familie zu widmen. „Mein Mann ist schon in Rente, und wir möchten uns mehr Zeit für einander nehmen. Und wir werden sicher oft zu unserem Sohn nach München fahren“, hat sie sich für den bevorstehenden Ruhestand vorgenommen. Bewusst hat sie sich vor ein paar Jahren für das Altersteilzeitmodell entschieden.

Am Freitag beginnt nun die Ruhephase. Offiziell verabschiedet wurde Birgit Schlottmann bereits Ende Juni, gemeinsam mit ihrer langjährigen Kollegin Brigitte Wiesner. „Das war überwältigend“, fasst sie zusammen. Kinder, Kollegen, Eltern und Kirchengemeinde – alle hatten etwas für die scheidende Kita-Leiterin vorbereitet. Besonders gerührt war sie außerdem über die Resonanz vieler Ehemaliger. „Darüber habe ich mich sehr gefreut.“ Immerhin hat sie in den vergangenen vier Jahrzehnten Hunderte Bönener auf einem Stück Lebensweg begleitet – ganz im Sinne des Leitspruches von Henri Nouwen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare