Verabschiedung verschoben

Abschied nach 17 Jahren: Jürgen Kolar hört als Ortsvorsteher in Bönen auf

Jürgen Kolar Ortsvorsteher Bönen
+
Jürgen Kolar mit seinem Dienstrad, das ihm Bürgermeister Rainer Eßkuchen zur Verfügung gestellt hatte. Das gibt er jetzt an die Gemeinde zurück.

Bönen – Nach 17 Jahren gibt Jürgen Kolar (SPD) sein Amt als Ortsvorsteher in Bönen- Mitte ab. In der heutigen Ratssitzung sollte seine offizielle Verabschiedung stattfinden – zusammen mit den scheidenden Ratsmitgliedern.

Bönen - Die Verabschiedung ist wegen der Corona-Pandemie nun verschoben worden. Als seine Nachfolgerin wird die SPD-Fraktion im Rat Anika Furmanek-Schmidt vorschlagen. Wenn das Gemeindeparlament zustimmt, wird sie künftig seine Aufgaben übernehmen.

„Als Ortsvorsteher habe ich vor allem Zuhören gelernt“, zieht Jürgen Kolar Bilanz nach 17 Jahren. Seit 2003, als er das Amt von Horst Graner übernahm, war er als Bindeglied zwischen Bürger und Verwaltung unterwegs und in zahlreichen Bönener Wohnzimmern zu Gast, um zu Hochzeitsjubiläen oder runden Geburtstagen im Namen der Gemeinde zu gratulieren. „

Zuständig für 15000 Bürger

Da ist mit den Jahren einiges zusammengekommen“, resümiert Kolar rückblickend, der in Bönen Mitte allein über 15 000 Menschen vorstand. Die restlichen rund 3000 Einwohner der Gemeinde betreuen Doris Cyplik in Nordbögge, Claudia Gebhard in Bramey, Flierich und Lenningsen sowie Ulrich Pohlmann in Oster- und Westerbönen als Ortsvorsteher.

„Die Stunden darf man nicht zählen, ich habe mir immer Zeit für den Bürger genommen“, sagt Jürgen Kolar, denn die Ortsvorsteher arbeiten ehrenamtlich. Im Schnitt 40 bis 50 Termine im Monat – das wäre nicht zu schaffen, wenn er alles allein machen müsste, räumt Kolar ein. Unterstützung komme von den Ratsvertretern. Denn mit einer kurzen Gratulation sei es in der Regel nicht getan, so seine Erfahrung nach vielen Jahren.

„Da wird man erst mal hereingebeten auf ein Glas oder einen Kaffee und die Menschen erzählen von ihrem Leben und ihren Sorgen. Viele nutzen die Gelegenheit, das, was ihnen auf den Nägeln brennt, beim Ortsvorsteher loszuwerden.“ Dabei habe er immer darauf geachtet, nicht als SPD-Mann unterwegs zu sein, sondern als Repräsentant der Gemeinde. „Ich bin dankbar für das Vertrauensverhältnis zu allen Fraktionen.“ Kritik und Anregungen nach dem Motto „Darum sollte sich die Gemeinde aber mal kümmern“ hat der ehemalige Bönener Ratsherr (2004 bis 2014) dann mitgenommen und weitergegeben an die Verwaltung – sozusagen auf dem kurzen Dienstweg.

Stiller Abschied durch die Pandemie

Neben den „Hausbesuchen“ bei besonderen Anlässen ist der Ortsvorsteher aber eben auch Mittler und „Kummerkasten“, an den sich die Bürger wenden können. Auch beim Schützenfest zeigt der Ortsvorsteher Präsenz oder bei Vereinsjubiläen. Und weil er in der Ortsmitte mittlerweile bekannt ist wie der sprichwörtliche bunte Hund, ist er auch, wenn er nicht in offizieller Mission unterwegs ist, immer Ansprechpartner für die Bönener und ihre kleinen und großen Probleme gewesen. „Viele sprechen mich auch an, wenn ich zum Beispiel in der Fußgängerzone unterwegs bin.“ Ein Ortsvorsteher ist eben immer „im Dienst“.

Eigentlich wollte der 78-Jährige längst aufhören. Bereits in der letzten Wahlperiode hatte er angekündigt, dass er aus familiären Gründen kürzer treten müsse. Geklappt hat es offensichtlich nicht. „Die SPD-Ratsfraktion bat mich, doch noch weiterzumachen.“ Da habe er sich bereit erklärt, das Ehrenamt noch bis zum Ende der Legislaturperiode auszuführen.

Die Aufgaben des Ortsvorstehers

Die Gemeinde Bönen ist in vier Ortschaften unterteilt: Bönen, Bramey, Lenningsen und Flierich, Nordbögge sowie Oster- und Westerbönen. Für jede Ortschaft gibt es einen Ortsvorsteher beziehungsweise eine Ortsvorsteherin. Sie nehmen die Belange ihrer Ortschaft gegenüber dem Gemeinderat wahr. Im Rahmen dieser Aufgabe sind sie berechtigt und verpflichtet, Wünsche, Anregungen und Beschwerden aus ihrer Ortschaft aufzugreifen und an den Rat oder an den zuständigen Ausschuss weiterzuleiten. Die Fraktion mit den meisten Wählerstimmen im Ortsteil schlägt den Ortsvorsteher im Rat vor.

Jetzt, nach der Kommunalwahl und der Einführung des neuen Gemeinderats heute in der MCG-Aula, sei für ihn aber endgültig Schluss. Neben familiären Verpflichtungen sei auch sein Alter ein Grund, den Staffelstab jetzt an einen jüngeren Nachfolger zu übergeben.

Was ihn traurig stimmt, ist die Tatsache, dass es ein eher stiller Abschied ist. „Wegen der Pandemie konnte ich in den vergangenen Monaten keine Termine mehr wahrnehmen“, bedauert Jürgen Kolar. Darauf hätten ihn auch viele Menschen angesprochen. Die Infektionsgefahr sei einfach zu groß. Da gehe die Sicherheit einfach vor. Schließlich wollte er weder sich noch die Jubilare, die ja alle im fortgeschrittenen Alter seien, in Gefahr bringen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare