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Abgeordneter für drei Wochen: Michael Sacher doch nicht im Bundestag

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Von: Kira Presch, Ansgar Wolfgart

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Michael Sachers Listenplatz 28 reichte aus, um für die Grünen in den Deutschen Bundestag einzuziehen.
Michael Sachers Listenplatz 28 reichte doch nicht aus, um für die Grünen in den Deutschen Bundestag einzuziehen. © Die Grünen

Der Kreis Unna stellt im kommenden Bundestag doch nur zwei Abgeordnete. Eine Verschiebung bei den Mandaten der Grünen hat dafür gesorgt, dass Michael Sacher seinen sicher geglaubten Sitz abgeben muss. Drei Wochen lang war er Bundestagsabgeordneter, nun kehrt er zurück in sein altes Leben.

Kreis Unna – „Es war von vornherein eine knappe Kiste“, sagt Michael Sacher. „Ich bin am Wahlabend ins Bett gegangen und war noch nicht drin, und am Morgen danach war ich im Parlament.“ Michael Sacher hatte sich noch am Montag in den Zug nach Berlin gesetzt, um beim ersten Fraktionstreffen der Grünen im Bundestag dabei sein zu können. Drei Wochen lang durfte er sich als Bundestagsabgeordneter fühlen, und begann vor Ort bereits, sich einzuarbeiten für die neue Aufgabe. „Ich war ja kein Anwärter, sondern ein vorläufiges Mitglied des Bundestages und hatte bereits meinen offiziellen Laptop von der Verwaltung erhalten.“

Veränderte Stimmverhältnisse

Nun steht fest: Es hat doch nicht für den Einzug ins Parlament gereicht. Freitagmittag um kurz vor zwölf gab der Bundeswahlleiter das offizielle Endergebnis der Bundestagswahl bekannt. Und damit war Sacher nicht mehr drin im Parlament. Ein herber Schlag, wie er im Gespräch mit dem WA einräumt.

Durch das amtliche Endergebnis hatte sich eine Verschiebung ergeben: Der 118. Parlamentssitz von Bündnis 90/Die Grünen geht nicht nach NRW, sondern nach Bayern. Dort darf sich die Grüne Beate Walter-Rosenheimer doch noch über den Einzug in den Bundestag freuen. Sacher tröstet, dass das Mandat an eine grüne Kollegin gegangen ist.

Dass bei dieser Wahl oft wenige Stimmen noch einmal alles umschmeißen können, schreibt Michael Sacher den veränderten Mehrheitsverhältnissen zu. „Früher hatten die großen Parteien 30 oder 40 Prozent, da fielen ein paar Stimmen nicht so ins Gewicht.“

Einblicke in die Arbeit des Bundestags

Der Leidtragende der Verhältnisse ist Michael Sacher nun selbst. Der Buchhändler aus Unna verliert seinen sicher geglaubten Sitz, seine persönlichen Planungen sind Makulatur. „Für mich persönlich ist das natürlich bitter, zumal ich in den ersten Tagen in Berlin einen kleinen Einblick bekommen konnte, wie die bundespolitische Arbeit im Bundestag aussieht und von mir mitgestaltet hätte werden können“, kommentiert Sacher sein Bundestagsaus. „Ein Schwerpunktthema wäre für mich der Bereich Kultur gewesen, für den ich mich gerne eingesetzt hätte.“

Die Verkündung des Bundeswahlleiters am Freitag hat ihn glücklicherweise nicht aus heiterem Himmel getroffen. „Anfang der Woche war es schlimm, denn da kamen die offiziellen Zahlen aus Bayern raus, und da konnte man schon ausrechnen, dass es knapp werden würde. Es gab Leute im Internet, die die Zahlen ausgewertet haben. So war am Montag dann relativ klar, dass es sich so entwickeln würde, wie es sich jetzt entwickelt hat.“

Rückkehr in den Job

Dennoch, für Sacher ist ein politischer Traum geplatzt wie eine Seifenblase. „Das ist schon unangenehm, denn ich habe mir natürlich schon Gedanken gemacht, wie organisiere ich mein Büro. Glücklicherweise war es noch zu früh, um Mitarbeiter einzustellen, und glücklicherweise hatte ich auch noch keine Wohnung in Berlin gemietet“, sieht er die positive Seite der Medaille. Was für einen Angestellten fatal hätte werden können, die Kündigung des Jobs angesichts der Stellung als künftiges Mitglied des Parlaments, blieb ihm erspart. Michael Sacher hatte als Mitinhaber der Buchhandlung Hornung in Unna zwar geplant, sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen, kann nun aber, wo die Dinge doch anders laufen, wieder zurückkehren an seinen gewohnten Arbeitsplatz.

Bereit als möglicher Nachrücker

Sacher war bei der Wahl am 26. September auch als Direktkandidat im Wahlkreis Unna I angetreten und erhielt 13,9 Prozent der Erststimmen. Auf der Landesliste der Grünen stand er an 28. Position, was nun doch nicht für den Einzug ins Parlament gereicht hat. Oliver Kaczmarek (SPD) und Hubert Hüppe (CDU) sind damit die beiden einzigen Vertreter des Kreises im neuen Bundestag.

Als Erster auf der Reserveliste der Grünen in NRW könnte Sacher irgendwann doch noch der Ruf nach Berlin ereilen – wenn im Laufe der Legislaturperiode ein grüner Abgeordneter sein Mandat abgibt. Wäre er dann bereit, noch einmal die Reise nach Berlin anzutreten? „Grundsätzlich ja“, sagt Michael Sacher, „das hängt dann von den näheren Umständen ab.“

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