77-jährige Bönenerin drückt als Lesepatin die Schulbank

BÖNEN ▪ Die eigene Schulzeit ist schon lange her und auch ihre Kinder und Enkel sind längst aus dem Gröbsten heraus. Dennoch geht Henny Kerkloh regelmäßig zur Schule: Als ehrenamtliche Lern- und Lesepatin hilft sie einem neunjährigen Jungen an der Goetheschule, den Unterrichtsstoff besser zu bewältigen.

Ihr Alter wollte Henny Kerkloh nicht so schnell verraten. Dennoch, „77 Jahre kann man wohl als fortgeschrittenes Rentnerdasein umschreiben“, sagt sie. Eigentlich hätte sie genug zu tun mit der Arbeit rund ums Haus, mit dem Garten und den Enkelkindern, die hin und wieder zu Besuch kommen – ganz zu schweigen von ihrem Engagement im kirchlichen Abendkreis, bei den Seniorenradfahrern und der Gymnastikgruppe.

Natürlich könnte sie sich auch zurücklehnen und die Zeit für sich selber genießen. Doch das ist nichts für sie. Es gibt noch genügend Raum für eine Sache, die ihr am Herzen liegt: Henny Kerkloh engagiert sich in der Bildungsinitative Bönen und ist Lernpatin an der Goetheschule. Aufmerksam geworden auf diesen Einsatz durch einen Tipp aus ihrem Bekanntenkreis radelt sie nun schon im zweiten Jahr Woche für Woche zur Schule, um sich montags und freitags für eine Schulstunde dem neunjährigen Rabie und seinen Schulproblemen zu widmen.

Als Mutter und Großmutter kennt sie sich aus mit den Problemen, mit denen sich Kinder herumschlagen müssen. „Ich weiß, welche Schwierigkeiten meine Enkelinnen in Berlin manchmal in der Schule haben. Da dachte ich mir, dann kannst du wenigstens in Bönen helfen. Die Hauptstadt ist mir zu weit weg.“ Bei den wöchentlichen Treffen mit Rabie wird fleißig gearbeitet, aber auch gespielt und viel gelacht. Teilweise sind von den Lehrern vorgegebene Aufgaben zu bearbeiten, andererseits werden eigene Ideen umgesetzt, wie Bücher oder Geschichten gelesen.

Einmal pro Monat treffen sich alle Lernpaten zum Erfahrungsaustausch, holen sich Anregungen und unterstützen ihre Aufgabe mit Seminaren und Vorträgen. Leider, so Henny Kerkloh, gebe es oft zu wenig Rückmeldung über ihre geleistete Arbeit. Vor allem fehle ihr das Gespräch mit Rabies Eltern. Die würde sie gern einmal kennenlernen.

Und wenn „ihr“ Junge eine weiterführende Schule besucht, dann will sie weitermachen. „Trotz aller Schwierigkeiten kann ich mir nichts Schöneres vorstellen. Zu Hause habe ich immer Neues zu erzählen. Eine Lernpatenschaft ist für alle, die sich für die Entwicklung von Schulkindern interessieren und sie dabei begleiten wollen, Und sie kann Alterseinsamkeit verscheuchen. Wenn irgendeiner Lebenserfahrung aus einem langen Familien- und Arbeitsleben vorweisen kann, dann sind das doch wir – die ‘Alten’.“

Und nebenbei freut sich Henny Kerkloh, wenn Rabie sie schon von weitem auf ihrem Fahrrad grüßt und auf die Frage nach dem Ferienbeginn antwortet: „Ferien? – Ich muss doch lernen.“

Nähere Informationen stehen im Internet auf der Seite www. bildungsinitiative-boenen.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare