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Bönener Wirtinnen fürchten massenhaft Absagen im Weihnachtsgeschäft

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Von: Kira Presch

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Boguslawa Wojsa vor dem Restaurant Darwins
Boguslawa Wojsa vom Restaurant Darwins hofft, dass die Gäste nicht alle Reservierungen wieder absagen. In der Fußgängerzone eröffnet sie gerade noch ein Bistro. © Robert Szkudlarek/Digitalbild

Die Infektionszahlen steigen teilweise dramatisch. Die NRW-Landesregierung will angesichts der Corona-Lage nun 2G im Freizeitbereich einführen, unter anderem in der Gastronomie – und damit verbundene Beschränkungen für ungeimpfte Erwachsene. Wie sehen Bönener Gastronomen die neue Regelung und welche Auswirkungen hat sie auf die Betriebe vor Ort?

In den vergangenen Monaten habe sich das Geschäft erholt, die Gäste seien zurückgekehrt, freut sich Kirsten Metzrath, Wirtin der Gaststätte Denninghaus. Nun drohe erneut der Einbruch aufgrund der vierten Corona-Welle. Bei den gebuchten Feiern der vergangenen zwei Wochen gab es drastische Einbußen, so Metzrath, weil sie abgesagt wurden oder nur weniger Teilnehmer kamen.

„Mit einer 2-G-Regelung kann ich leben“, sagt Metzrath. „Bei uns sind die meisten Gäste ohnehin geimpft.“

Kirsten Metzrath in der Gaststätte Denninghaus
Kirsten Metzrath von der Gaststätte Denninghaus hat schon einige Absagen erhalten. © © Andreas Rother

Viele Gäste hätten aber immer noch nicht verstanden, warum sie jedes Mal ihren Impfnachweis vorzeigen müssen. „Das machen sie ja nicht für mich, ich weiß im Einzelfall, dass die Person geimpft ist“, erzählt Metzrath. „Aber wir sind verpflichtet, das jedes Mal zu kontrollieren, sonst drohen jetzt erhöhte Bußgelder für die Wirte und die Gäste.“

Für die Adventszeit liegen in der Gaststätte Denninghaus schon einige Buchungen für Weihnachtsfeiern vor, allerdings mit einem großen Fragezeichen. „Ob die geplanten Familienfeiern stattfinden, das wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Wenn in der Gruppe jemand ungeimpft ist und dann nicht mehr ins Restaurant darf, dann ist die Frage, wie entscheiden sich die Leute? Bleiben sie dann zu Hause?“, fragt sich Metzrath. „Wichtig ist, dass wir wieder gemeinsam ein Weihnachtsfest feiern können und nicht wie im vergangenen Jahr, wo Familien getrennt feiern mussten“, findet Metzrath.

Wegen der Planungsunsicherheit hat Metzrath entschieden, Weihnachten bleibt das Lokal geschlossen, am ersten Feiertag bietet sie Essen zur Abholung an. „In der nächsten Woche steht das Weihnachtsmenü.“

Keine Planungssicherheit

Rund 300 Reservierungen für das Weihnachtsessen am ersten und zweiten Feiertag hat Ute Nüsken von der Gaststätte Dörnemann in Nordbögge bereits im Buch stehen. „Wir sind mittags komplett ausgebucht.“ Fragt sich, ob nach den jüngsten Entwicklungen die Gäste wirklich kommen oder ob sie das Weihnachtsessen wieder absagen.

Ute Nüsken von der Gaststätte Dörnemann
Ute Nüsken von der Gaststätte Dörnemann in Nordbögge ist derzeit für die Feiertage ausgebucht. © Pinger Sabine

„Wir haben absolut keine Planungssicherheit“, sagt die Wirtin. „Die Leute sind total verunsichert, die wissen nicht, was sie machen sollen. Die Politiker machen die Bude zwar nicht zu, aber die Gäste entscheiden sich oft doch noch gegen ein Essen im Restaurant. Ganz viele Familienfeiern und Weihnachtsfeiern sagen uns gerade wieder ab.“ Dabei habe sie schon reichlich Ware eingekauft. „Schließlich müssen wir jetzt schon anfangen zu planen.“ Ob die Gäste kommen, sie weiß es nicht. Immerhin: An beiden Feiertagen bietet sie abends Essen außer Haus an. Das sei zumindest besser planbar.

Die 2G-Regelung findet auch sie völlig okay. Was ihr mehr Bauchweh bereitet, sind die ungeimpften Kinder. „Aber da wird es ja eine Extralösung geben.“

Ware für Weihnachtsmenu teilweise schon eingekauft

„Für uns wird sich mit der 2G-Regel nicht viel ändern“, prognostiziert Katja Lohmann, Wirtin im Gasthof Böinghoff in Flierich. „Der Aufwand für die Kontrollen ändert sich nicht, kontrollieren müssen wir jetzt bei 3G ja auch. Unsere Gäste sind ohnehin zum großen Teil geimpft.“ Dennoch spürt auch die Fliericher Wirtin, dass die rasant steigenden Infektionszahlen Auswirkungen auf ihr Geschäft haben. Bisher seien Reservierungen für Weihnachtsfeiern und Festessen gut gelaufen, „seit zwei Wochen wird aber schon wieder viel abgesagt“. Auch ohne Lockdown entscheiden sich viele Gäste, doch lieber zu Hause zu bleiben, obwohl sie geimpft sind, beobachtet Lohmann.

Katja Lohmann vom Gasthaus Böinghoff
Katja Lohmann vom Gasthaus Böinghoff in Flierich hat schon viel Ware für die Festtage eingekauft. Sie hofft, dass sie nicht darauf sitzen bleibt. © Presch Kira

An beiden Weihnachtsfeiertagen ist das Restaurant mittags geöffnet, und eigentlich ist sie ausgebucht. „Das kann sich aber noch schlagartig ändern“, befürchtet sie, dass weiter steigende Zahlen zu massenhaften Absagen führen könnten. Auch sie hat schon Ware eingekauft, um auf die Feiertage vorbereitet zu sein. „Teilweise haben ja auch die Großhändler Lieferschwierigkeiten“, weiß sie. Um ihren Gästen etwas Besonderes wie etwa Wild anbieten zu können, müsse sie schon jetzt ordern. Sollte sich die Lage noch dramatisch ändern, weil Reservierungen abgesagt werden, dann will sie alternativ Essen außer Haus anbieten.

In der vierten Welle ein zweites Lokal am Start

Nachdem auch im Restaurant „Darwins“ auf dem Gelände des Bönener Tennisvereins das Geschäft zwischenzeitlich gut angelaufen war, geht die Entwicklung jetzt wieder abwärts, bestätigt auch Inhaberin Boguslawa Wojsa. „Wegen der hohen Infektionszahlen wurden jetzt schon drei Weihnachtsfeiern abgesagt“, bestätigt sie. „Ich war einfach traurig, das erinnert mich an die Situation vor einem Jahr. Es wiederholt sich alles.“

Die 2G-Regel nimmt sie gelassen, obwohl sie auch einige Gäste hatte, die nicht geimpft waren, die mit einem Test kamen. Die fallen nun weg. „Wenn ein Familienmitglied nicht geimpft ist, bleiben die anderen auch zu Hause“, ist sie überzeugt. Aber dennoch ist sie optimistisch, auch diese Hürde zu meistern. Weil es so schwer einzuschätzen sei, ob die Gäste Weihnachten tatsächlich zum Essen ins Restaurant kommen, wird sie auf alle Fälle am ersten und zweiten Feiertag zusätzlich Essen außer Haus anbieten. Das Weihnachtsmenü soll ab kommender Woche stehen.

Als seien die derzeitigen Turbulenzen noch nicht schwierig genug, eröffnet Wojsa am 30. November auch noch ihr Bistro in der Fußgängerzone, wo sie tagsüber Frühstück, Eintöpfe, Snacks und Kuchen anbieten will. „Eigentlich war die Eröffnung schon für den 16. November geplant, aber die Möbel sind nicht lieferbar“, erzählt sie. „Notfalls muss ich improvisieren, bis Tische und Stühle kommen, denn die Miete läuft ja.“

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