Ein gutes Jahr für die Krabbler

Derzeit sind etliche Maikäfer in Bergkamen und im gesamten Kreis unterwegs

Maikäfer am Beversee in Bergkamen
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Die Maikäfer auf der Aussichtsplattform am Beversee sorgen dafür, dass auch 2025 wieder ein Maikäferjahr wird.

Sie sind laut im Anflug, in ihrer Jugend ziemlich verfressen und haben sich in den vergangenen Jahren eher selten gezeigt. Jetzt sind die Maikäfer aber wieder da, wie die Aufnahme rechts vom Beversee beweist. Dort ließen sich in den vergangenen Tagen sogar ziemlich viele blicken. Von einer Plage, die einige Beobachter schon vermuten, lässt sich aber nicht sprechen, sagt Bernd Margenburg von der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland.

„Es sind schon viele da, der Maikäfer hat eine sehr gute Saison. An einigen Stellen sind auch große Mengen an Maikäfern gefunden worden“, berichtet der Fachmann. Er hat nicht nur aus Bergkamen und dem Kreis Unna, sondern aus ganz NRW Meldungen über große Vorkommen erhalten. „Aber normalerweise wird die Natur mit einem Überangebot gut fertig“, sieht Margenburg darin keine Gefahr. Andere Tiere freuen sich über den üppigen Leckerbissen.

Weniger glücklich seien indes die Land- und Forstwirte, wenn der Melolontha – so der lateinische Name – in großen Mengen auftritt. „Wenn man den Maikäfer als Schädling betrachtet, dann die Larven“, klärt Margenburg auf. Die fräßen nämlich an den Wurzeln und können somit durchaus Schaden anrichten. „Von den großen Beständen, die es früher einmal gab, sind wir aber noch weit entfernt“, so Bernd Margenburg.

Tatsächlich haben die Menschen damals regelrecht gegen die fliegende Invasion angekämpft, die Käfer gesammelt und an die Hühner verfüttert. Der Insektennachwuch konnte schließlich eine ganze Ernte vernichten. Spätestens ab den 1950er Jahren hat der Bestand aber aufgrund des vermehrten Pestizideinsatzes drastisch abgenommen, die Maikäfer waren fast nur noch in Schokoladenform bei uns vertreten.

Kalter April ließ Insekten später schlüpfen

Inzwischen haben sie sich aber offenbar etwas erholt. Am weitesten verbreitet ist hierzulande der Feldmaikäfer, in einigen Gebieten Deutschlands fühlt sich aber auch der Waldmaikäfer wohl. Er bevorzugt sandige Böden.

Dass wir die rotbraun-geflügelten Käfer dennoch eher selten sehen, liegt an ihrem Entwicklungszyklus. Die Engerlinge, die Larven, entwickeln sich etwa vier Jahre lang ausschließlich im Erdreich. Erst im Herbst des letzten Jahres verwandeln sie sich in Jungkäfer. Sie überwintern im Erdreich und schlüpfen meist Ende April. In diesem Jahr war der April den Käfern allerdings zu kalt. Vielerorts blieben sie bis in den Mai hinein lieber in der wärmeren Erde und sind dann fast gleichzeitig an die Oberfläche gekommen.

Regional kann es aufgrund ihrer Entwicklungsphasen also vorkommen, dass die Tiere nur alle paar Jahre zu beobachten sind. In einem Gebiet leben dabei die meisten Maikäfer nach dem gleichen Takt. So finden sie beim Schlüpfen genügend Partner vor. Überregional ist das aber anders: Wenn momentan im Kreis Unna und in NRW etliche Exemplare zu bewundern sind, heißt das nicht, dass es bundesweit genauso ist. In Bayern schlagen die Landwirte allerdings gerade Alarm. Dort ist definitiv ein Hauptflugjahr, ein Maikäferjahr. Der Feldmaikäfer ist vermehrt unterwegs, und die Bauern befürchten, dass dessen Nachkömmlinge in den kommenden Jahren unterirdisch reichlich Fraßschaden anrichten werden.

„Kein Maikäferjahr“ bedeutet aber auch nicht, dass sich gar keine Käfer blicken lassen. Auch in den Zwischenjahren lassen sich hier und da ein paar „Taktabweichler“ finden.

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