Vier Wochen Beugehaft für den Diebstahl eines Smoothies

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Weil eine 20-jährige Angeklagte mehrfach nicht vor dem Amtsgericht Unna zum Verhandlungstermin erschienen war, verhängte der Richter eine vierwöchige Beugehaft.

Bönen/Unna Ein geklauter Smoothie für 89 Cent und ihre Angewohnheit, gerichtliche Ladungen geflissentlich zu ignorieren, bescherten einer jungen Bönenerin zunächst vier Wochen Beugehaft und am Montag einen Strafprozess vor dem Amtsgericht Unna – mahnende Wort des Jugendrichters inklusive.

Die 20-Jährige zeigte sich jetzt tatsächlich geläutert. Der Ladendiebstahl in einem Bönener Supermarkt ereignete sich bereits im Sommer 2016. Damals steckte die junge Frau den Saft in ihre Tasche und versuchte, ihre Beute an der Kasse vorbei zu schmuggeln. Dabei machte sie die Rechnung ohne den Detektiv. 

Seit dem Juli-Tag gab es etliche Anläufe, die Sache vor Gericht zu verhandeln. Doch die Anklagebank blieb stets leer – trotz ordnungsgemäßer Ladung. Zuletzt blieb dem Jugendrichter gar nichts anderes übrig, als die 20-Jährige in Beugehaft zu schicken. Vier Wochen hinter Gittern, die ihre Wirkung nicht verfehlten. 

Am Montag, als der Fall nunmehr zum sechsten Mal auf der Rolle stand, gelobte die junge Frau Besserung und den Willen, ihr Leben zu ändern. „Ich habe auf jeden Fall daraus gelernt.“ 

Die vorgeworfene Tat deklarierte sie allerdings als Versehen. Sie habe vergessen, einen Einkaufswagen zu nehmen und deshalb alle Waren in ihre Tasche gesteckt. An der Kasse habe sie den Smoothie dann offenbar übersehen. Der Ladendetektiv, der aufgrund des Zeitablaufs natürlich keine konkrete Erinnerung mehr haben konnte, erklärte jedoch im Zeugenstand, dass er es in der Anzeige vermerkt hätte, wenn die Bönenerin tatsächlich andere Ware bezahlt hätte. Und das war eben nicht der Fall. 

Anklägerin und Richter hatten letztlich keine Zweifel an dem Vorsatz der 20-Jährigen. Für die junge Frau sprachen die Tatsache, dass der Vorfall länger zurücklag und der Umstand, dass der Smoothie im Geschäft verblieb, damit also kein Schaden entstand.

„Ich glaube, den größten Schaden haben Sie sich selbst zugefügt“, kommentierte der Richter und traf den Nagel damit auf den Kopf. Denn im Prinzip saß die Bönenerin für 22,25 Cent pro Woche in Beugehaft. Eine weitere Erfahrung dieser Art blieb ihr jedoch erspart. Zwar verurteilte sie das Gericht zu vier Wochen Dauerarrest, doch die gelten mit Blick auf die abgesessenen vier Wochen als verbüßt. 

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