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Alleinerziehende wünschen sich mehr Flexibilität in der Betreuung

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Von: Carola Schiller

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Die Nachfrage an OGS-Plätzen in Bönen nimmt stetig zu.
Eine Unterstützung ihrer Kinder bei den Hausaufgaben ist vielen Eltern wichtig, wie aus der Umfrage hervorgeht. © © Andreas Rother

Passen die Angebote der Offenen Ganztagsschulen (OGS) noch zum Bedarf der Eltern und Kinder? Dieser Frage ging im Dr. Patrick Gollub nach. Er ist Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Arbeitsgruppe „Allgemeine Didaktik und Unterrichtsforschung“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. 32 Fragen zur Vereinbarkeit von Familie, Schule und Beruf, Betreuungs- und Veränderungsbedarf und Anregungen aus dem Ausland hatte er auf Initiative der Bönener SPD ausgearbeitet, auf der Basis bereits durchgeführter Studien an anderen Grundschulen. Zum Schluss hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, selbst Anregungen zu äußern. Nun liegen die Ergebnisse der Befragung vor.

Bönen - Insgesamt 106 Eltern haben teilgenommen. 69 Prozent der Befragten waren weiblich, elf Prozent alleinerziehend. Die Hälfte aller Befragten ist in Vollzeit beschäftigt, 39 Prozent in Teilzeit. Entsprechend unterscheidet sich der Bedarf bei der Betreuung der Grundschüler.

Beruf und Familie

Bei der Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Schule gaben 44 Prozent der Befragten (vor allem Frauen) an, dass die Betreuung ihrer Kinder in der OGS ihnen die erweiterte Berufstätigkeit ermöglicht hat. 33 Prozent (vor allem Männer) sehen den Vorteil der Betreuung hingegen vor allem in der Unterstützung bei den Hausaufgaben. Deutlich wurde auch, dass Alleinerziehende überdurchschnittlich häufig auf das Ganztagesangebot angewiesen sind und auch Unterstützung bei erzieherischen Fragen in Anspruch nehmen.

Betreuungszeiten

Starke Unterschiede gibt es außerdem beim Bedarf des Betreuungsumfangs. 72 Prozent der Befragten sind auf die Betreuung an fünf Tagen angewiesen. Nur elf Prozent kommen mit drei Tagen aus. Die Hälfte der Alleinerziehenden bräuchte zudem eine Frühbetreuung ab 6 Uhr, die es derzeit in Bönen noch nicht gibt. Auch die Betreuung bis 18 Uhr spielt eine Rolle. Zehn Prozent der Befragten würden sie in Anspruch nehmen. Großen Zuspruch würde ein zeitlich flexibles Angebot finden. 68 Prozent der Eltern möchten ihre Kinder nicht zu festen Zeiten abholen müssen.

Mehr Sport gewünscht

Bei der Frage nach dem Veränderungsbedarf wünschen sich 84 Prozent eine Ausweitung der sportlichen Angebote, 76 Prozent wollen mehr Hilfe bei der Hausaufgabenbetreuung und 65 Prozent würden sich über mehr musisch-künstlerische Angebote freuen. Allerdings sieht Patrick Gollub hier Interpretationsspielraum, denn die Angebote an den OGS in Bönen sind verschieden umfangreich. Es ist also unklar, ob die Angebote als nicht ausreichend empfunden werden oder ob sie so hoch angesehen sind, dass mehr davon gewünscht wird.

Kommune als Träger

Mit Blick ins europäische Ausland konnten Eltern angeben, ob sie sich eine andere Struktur der OGS vorstellen könnten, zum Beispiel mit mehr Verantwortung für Vereine. Die Hoheit über Struktur und Verwaltung soll nach dem Willen der Bönener Eltern aber in der Hand der Kommune bleiben. Nach dem Vorbild Italiens könnten sich die Bönener Eltern aber gut mit dem Gedanken anfreunden, zwischen verschiedenen zeitlichen Betreuungsmodellen zu entscheiden.

Kindgerechtes Essen

Im letzten Teil der Umfrage erklärten viele Eltern, dass sie sich ein ausgewogenes und kindgerechtes Essen wünschen. Auch das Platz-Sharing wurde genannt, bei dem sich mehrere Familien einen OGS-Platz teilen, um die Zeiten flexibler abdecken zu können. Eine umfassendere Hausaufgabenkontrolle liegt vielen Eltern ebenfalls am Herzen.

Fazit

Zusammenfassend stellt Patrick Gollub fest, dass sich die verändernden Familienkonstellationen auf den Betreuungsbedarf ausgewirkt haben. Vor allem dem Bedarf der Alleinerziehenden wird das Angebot nicht gerecht. Ihnen fehlt vor allem die Unterstützung in den frühen Morgen- und späten Nachmittagsstunden. Das bestehende Konzept sei noch auf die klassische Familienkonstellation, bestehend aus zwei Elternteilen ausgerichtet, von dem nur einer in Vollzeit arbeitet. Als positiven Effekt erkennt Gollub die starke Wertschätzung der zusätzlichen OGS-Angebote, wie Sport, Musik und Kunst. Hier könnten erweiterte und zusätzliche Kooperationen mit Vereinen, Musik-, und Kunstschulen auf offene Ohren treffen.

Natürlich seien bei allen Planungen auch die Ressourcen der jeweiligen OGS selbst zu berücksichtigen. Deshalb sollte auch der Wunsch nach mehr Flexibilität beim Abholen der Kinder nicht zu Beliebigkeit führen. Es dürfe nicht passieren, dass der Trainer eines Sportvereins nachmittags nur zwei Kinder betreut, weil die anderen 18 wegen des guten Wetters schon abgeholt wurden.

Die Ergebnisse der Bönener OGS-Studie wird Patrick Gollub im Juli beim Grazer Grundschulkongress vortragen. Damit erlangen die Umfrageergebnisse aus Bönen auch internationale Aufmerksamkeit.

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