Außengastronomie darf wieder öffnen

Zweiter Neustart nach dem Lockdown im Liquid Liberty an der Marina Rünthe

Liquid Liberty Eva Kamp Carolin Havers
+
Inhaberin Eva Kamp (links) und Mitarbeiterin Carolin Havers freuen sich auf die Wiedereröffnung des Liquid Liberty nach dem Lockdown.

Im vergangenen Jahr wurde das Liquid Liberty an der Marina in Rünthe von einer neuen Inhaberin übernommen. Dann kam der Lockdown. Wenn nun die Außengastronomie wieder öffnen darf, fühlt sich das an wie ein zweiter Neustart.

Rünthe – Eva Kamp ist ein positiver Mensch. Schlechte Stimmung wegen Corona, Fehlanzeige. Auch das Meckern über den Lockdown liegt der neuen Inhaberin des Liquid Liberty in der Marina Rünthe fern. Grund, deswegen sauer zu sein, hätte die in Kamen-Heeren aufgewachsene 35-Jährige eigentlich schon. Nach fünf Monaten „normalem“ Betrieb musste sie im November 2020 gleich wieder schließen. „Das hat uns eher kreativ werden lassen“, erklärt sie, „so, wie seit dem Kunstunterricht in der Schule nicht mehr“.

Offensichtliches Beispiel dafür ist eine „Hundewiese“ im Schlagschatten der Cocktailbar. Der Weg zum Gassigehen wäre ansonsten ein weiter für die tierliebenden Gäste. „Ich habe aber auch selber zwei Dackel“, erklärt Kamp, die auch dank familiärer Hilfe den Lockdown finanziell überstanden hat. „Die Novemberhilfe kam im Februar, von der Dezemberhilfe zumindest der Abschlag recht zügig“, erzählt sie. Ein Privatdarlehen der Mutter hätte ihr über die Runden geholfen. Und die Unterstützung der Stammgäste. „Wir haben ja Fensterverkauf gemacht, wechselnde Suppen in Einmachgläsern angeboten. Die Gäste haben zum Teil Tupperdosen dafür mitgebracht. Und, um uns weiter zu unterstützen, bedruckte Tassen, die wir dann hier verkaufen sollten.“

Vorgänger hörte wegen Corona auf

Kamp spricht immer von „uns“. Wie auch ihre Mitarbeiterin Carolin Havers. „Wir sind hier eigentlich ein Konsortium von Freunden“, erklären beide unisono. Beide arbeiten seit Jahren zusammen. In der Marina, als Angestellte von Kamp-Vorgänger Mario Kube. „Neun Jahre waren es“, erzählt die Gastronomin. „Mario hat im Sommer 2020 erklärt, wegen Corona aufhören zu wollen. Ich war gerade mit meinem Freund im Urlaub, als seine Anfrage kam, ob ich übernehmen wolle.“ Die Alternative hätte für Kamp und das „Konsortium“ Arbeitslosigkeit bedeutet. „Ich hab eine Nacht drüber geschlafen und zugesagt. Man muss schließlich einmal im Leben auch Arsch in der Hose zeigen.“

Eine kleine Hundewiese wurde während des Lockdowns vor der Cocktailbar eingerichtet.

Der erste Gang für die frisch gebackene Unternehmerin war der zu den Ex-Kolleginnen Carolin Havers und Ann-Kathrin Kummer. „Mein Gedanke war, ohne die mach ich das nicht.“ Es seien schon Tränen geflossen nach dieser Wiedervereinigung. „Wir hatten ja selber Lust drauf weiterzumachen“, blickt Havers zurück. „Wir fühlen uns nicht als normale Angestellte, entwickeln gemeinsam Ideen, machen auch mal den Schlag mehr.“

Viele Pläne für die Zeit nach Corona

Sie und ihre Chefin haben eine ähnliche Vita. „Ich habe ein abgeschlossenes Studium in Frühpädagogik“, sagt Havers. „Ich ein fast abgeschlossenes als Bildungswissenschaftlerin“, so Kamp. Und als Studentin lande man zwangsläufig in der Gastronomie. „Und da kommst du manchmal nicht raus.“

Warum auch, beide fühlen sich hinter und vor dem Tresen wohl. Am 8. Juni 2020 sei ihr Name das erste Mal im Display der Kasse erschienen. „Das war schon ein tolles Gefühl“, sagt Kamp. Groß geändert habe sie nichts am stimmigen Konzept. „Wir sind weiter eine Cocktailbar mit kleinem Angebot an Snacks“, erklärt sie. „Tastings“ würden in der kälteren Jahreszeit eine große Rolle spielen. „Im vergangenen Herbst haben wir einen Gin-Kurs im Programm gehabt, der sofort ausgebucht war.“ Der wäre dann ausgefallen. „Schade. Aber wir werden ihn nachholen“, verspricht sie.

„Wir sind immer noch ein kleiner Geheimtipp“, sagt Kamp, „trotz einer Auszeichnung als beste Cocktailbar im Kreis Unna“. Ein Waffelmittwoch sei inzwischen etabliert, eine „After Work-Party“ am Donnerstag geplant. „Da wird dann auch Patrick Rahmann auflegen“, erklärt die 35-Jährige. Der DJ der Dortmunder Marktschänke ist Teil des „Konsortiums von Freunden“ und „Mann für alles bei der Renovierung hier“.

Neues Testzentrum

Voraussetzung zum Platznehmen an der Marina sind die drei „Gs“ – aktuell negativ getestet, geimpft oder genesen. Apropos aktueller Schnelltest: Da die Dortmunderin Eva Kamp in ihrer Heimatstadt in einem Testzentrum arbeitete, überzeugte sie den Betreiber, in der Marina ein mobiles Testzelt aufzustellen. „Freitag soll es kommen. Hier sind ja einige Firmen, die das auch nutzen können.“ Immer mittwochs und freitags sollen sich Rünther von 12.30 bis 17 Uhr nun auch an der Marina testen lassen können.

Nun darf die Außengastronomie ab Samstag wieder öffnen. Am kommenden Wochenende will das Liquid Liberty-Team aber noch zweigleisig fahren. Wegen des angesagten Regens wird der Fensterverkauf offenbleiben. „Aber wir werden hinten zur Hafeneinfahrt und oben auch Tische aufstellen“, kündigt Kamp an. „Wenn die Sonne dann doch raus kommt, kann man dort sitzen. Es fehlt uns doch sehr“, vermissen sie und Havers den Plausch mit den Gästen am Tisch. Wegen des Fensterverkaufs bleibt die 50-Meter-Markierung auf dem Steg dennoch kleben.

Eva Kamp bittet potenzielle Gäste der Außengastronomie (dienstags bis donnerstags 16-22 Uhr, freitags 15-24 Uhr, samstags 14-24 Uhr, sonntags 13-19 Uhr), anzurufen und sich einen Termin geben zu lassen. Die Telefonnummer: 0176/80155728.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare