Seniorenzentrum Haus am Nordberg

Zweite Wohngruppe von Corona-Ausbruch im Bergkamener Seniorenheim betroffen

Seniorenzentrum Haus am Nordberg
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Im Haus am Nordberg wurden neue Coronainfektionen festgestellt.

Die Zahl der an Covid-19 erkrankten Menschen im Seniorenzentrum Haus am Nordberg steigt weiter. Nach weiteren Tests erhielten 18 Personen ein positives Corona-Ergebnis. Die Krankheit hat auch auf einen zweiten Wohnbereich übergegriffen. Drei Bewohner mussten bereits in ein Krankenhaus eingeliefert werden

„Wir stehen unter Schock“, sagt Einrichtungsleiter Bernward Bisplinghoff, so schnell sei es so dramatisch geworden, nach den Nachrichten im Verlauf des vergangenen Wochenendes. 37 Bewohner und sechs Pflegekräfte aus zwei Wohngruppen sind aktuell erkrankt. Die Zahlen sind seit dem ersten Bekanntwerden einer Corona-Erkrankung stets gestiegen.

Nachdem sich eine Mitarbeiterin infiziert hatte, waren alle Kontaktpersonen in der Wohngruppe zwei getestet worden, etwa 30 Menschen. Bei sechs Bewohnern war das Resultat am 2. November positiv. Im weiteren Verlauf steckten sich 13 weitere Bewohner an. Am vergangenen Sonntag wurden die restlichen Senioren der Wohngruppe und die Mitarbeiter getestet. Sechs Neuinfektionen wurden festgestellt, keine bei Mitarbeitenden. Außerdem wurden von Personen aus der Wohngruppe drei Abstriche genommen, die Corona-Symptome zeigten. Zehn von zwölf getesteten Bewohnern sowie eine Pflegekraft erhielten ein positives Ergebnis. Eine weitere Mitarbeiterin, die bereits krank geschrieben war, war ebenfalls positiv.

Nun werden am Dienstag oder Mittwoch auch die weiteren Personen der Wohngruppe drei überprüft. In Absprache mit dem Gesundheitsamt wird außerdem vorsichtshalber die Wohngruppe eins getestet. „Zum Glück gibt es dort bislang keinerlei Symptome“, sagt Bisplinghoff.

Eigentlich wird auch in Pflegeheimen nur noch bei Symptomen getestet

Der Kreis weicht mit dieser Maßnahme vom aktuellen Vorgehen ab. Denn längst verzichtet das Gesundheitsamt auch in Seniorenheimen auf Reihentestungen, wenn es dort einen Coronafall gegeben hat. Erst bei Symptomen wird genauer nachgeschaut. „Die Hygienekonzepte sind derzeit so gut, dass man Kohorten bilden kann“, erläutert Kreissprecher Max Rolke. Es werde nach den Bestimmungen des Robert-Koch-Instituts geguckt, „wer hat die Möglichkeit eines Kontakts, wie ist die Lüftungssituation, wie eng sind die Räume und Flure.“ Das habe unter anderem mit den Kapazitäten in den Laboren zu tun. In Pflegeheimen sei man aber generell vorsichtiger, teste lieber „eher zu viele Leute“, so Rolke.

Quarantäne der Wohngruppe und die Schwierigkeit der Umsetzung

Im Haus am Nordberg breitete sich die Krankheit jedenfalls weiter aus. Bisplinghoff weist daraufhin, dass die Bewohner mit dem Bekanntwerden der ersten positiven Fälle isoliert, die Wohngruppe zwei unter Quarantäne gestellt wurde: „Die Bewohner sind voneinander getrennt und wenn möglich alleine auf ihrem Zimmer. Aber es gibt immer wieder den einen oder anderen Bewohner, wo sich das nicht einhalten lässt.“ Besuche von Angehörigen, Therapeuten und Ärzten wurden auf ein im Ernstfall notwendiges Minimum reduziert.

Dass das Virus von einer Wohngruppe auf die andere übergesprungen ist, glaubt der Leiter nicht. „Das klingt für Außenstehende vielleicht so, aber so wie unsere Abläufe sind, gibt es keine Überschneidungen.“ Vielmehr seien in der Wohngruppe drei zwei Mitarbeitenden vor ein paar Tagen erkrankt. Das sei ein möglicher Infektionsweg. „Aber das ist reine Spekulation. Ich werde auch niemanden einen Vorwurf machen“, betont Bisplinghoff. Wohngruppe drei ist mittlerweile auch in Quarantäne. Für die eins finden keine Gruppenangebote mehr statt, Besuche sind aber noch erlaubt.

Hoffen auf Schnelltests

Um die Ausbreitung schneller verfolgen und Maßnahmen dagegen treffen zu können, hoffen die Verantwortlichen im Haus am Nordberg auf die Antigen-Schnelltests vor Ort. „Sobald ein ungutes Gefühl aufkommt, können wir dann selber testen“, erklärt er. Die Kits sind in der vergangenen Woche auch angekommen, können jedoch noch nicht eingesetzt werden, weil bislang kein Schulungstermin für das Personal gefunden wurde. Am frühen Montagnachmittag wartete der Einrichtungsleiter noch auf einen Vorschlag. Beim Medizinischen Dienst sei die Nachfrage aber wohl sehr groß.

Drei Bewohner im Krankenhaus

Die Krankheitsverläufe der Betroffenen beschreibt Bisplinghoff als sehr unterschiedlich und teilweise schwankend. „Da ist auch mal ein fieberfreier Tag. Das lässt sich nicht so beschreiben wie bei einer Grippe“, sagt er. Drei Bewohner mussten mittlerweile allerdings wegen starken Fiebers in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Was Bisplinghoff und seinem Team neben dem Infektionsgeschehen Sorgen macht, ist die Personallage. Von den rund 80 Arbeitskräften gelten sechs aktuell als an Corona erkrankt worden, drei weitere meldeten sich krank und warten auf ihre Testergebnisse. „Wir brauchen alle Kapazitäten auf, und sind schon in Gesprächen mit dem Betriebsrat, um Leute aus dem Urlaub holen zu können“, sagt der Einrichtungsleiter. Auch würden Mitarbeiter berufsfremd eingesetzt, zum Beispiel aus der Betreuung in der Pflege. Immerhin haben vier Personen ihre Corona-Erkrankung wieder überstanden und sind wieder im Einsatz.

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