Stadtbesetzung

Zu Besuch auf „Balkonien“: Künstler steigt in Bergkamen in luftige Höhen

Hebebalkon Garvin Dickhof Bratwurst Kunstaktion
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Die Grillwurst durfte nicht fehlen: Der Künstler Garvin Dickhof startete am Freitag seine zweitägige Aktion im Rahmen der Stadtbesetzung. Dank seines Hebebalkons konnte er den Bergkamenern auf ihren Balkonen auf Augenhöhe begegnen.

MIt einer ungewöhnlichen Aktion begann am Freitag die Bergkamener Stadtbesetzung. Ein Künstler besuchte die Bergkamener auf ihren Balkonen.

Bergkamen – Lieferdienste bringen bekanntlich bestelltes Essen und Getränke bis an die Tür. Doch dass eine Kunstaktion samt warmem Snack über den Balkon kommt, ist überaus ungewöhnlich. In Bergkamen geschieht genau dies seit Freitag.

Das Projekt „Stadtbesetzung“ des Kultursekretariats NRW aus Gütersloh sorgt zusammen mit dem Kulturreferat der Stadt wieder einmal dafür, dass das Publikum nicht zur Kunstaktion kommen muss, sondern die Kunst quasi als Besucher vorbeischaut. An zwei Aktionstagen sucht der Künstler Garvin Dickhof im Stadtgebiet das Gespräch mit den Bewohnern. Dies macht er nicht auf der Straße, sondern in luftigen Höhen, so wie am Freitag zum Start der zweitägigen Aktion „Hebebalkon – zu Besuch auf Balkonien“.

Auch die Kinder am Boden werden versorgt.

Im Innenhof der Konrad-Adenauer-Straße und Theodor-Heuss-Straße sowie am Stadtfenster stoppte der Viersener zum Auftakt an geeigneten Balkonen, nachdem er sich bei den Bewohnern, die ihn in seinem unübersehbaren Vehikel bereits entdeckt hatten, eine Erlaubnis für seinen Besuch eingeholt hatte. Zudem hatte das Team des Kulturreferats die Anwohner bereits mit Flyern über die bevorstehende Aktion informiert.

Das Projekt „Stadtbesetzung“

Dr. Josef Spiegel, Sprecher des Arbeitskreises Bildende Kunst im Kultursekretariat NRW Gütersloh, erklärte vor Ort noch einmal den Hintergrund der Kulturreihe: „Das Format existiert seit 2015 und sorgt dafür, dass Kunst im öffentlichen Raum stattfindet. Das hat zwei Vorteile, denn man ist nicht auf Ausstellungsräume angewiesen und jede Stadt kann prinzipiell mitmachen.“ Das Format setze zudem viel auf partizipative Elemente. „Wir heben die Grenzen zwischen Künstler und Menschen auf.“

Mit dem selbst gesteuerten Hebebalkon ging es anschließend auf Augenhöhe, um sich dann mit den Menschen über Themen wie Urlaub und Nachbarschaft zu unterhalten. „Das waren nette Gespräche, zum Beispiel darüber, wie es ist, den Urlaub auf Balkonien zu verbringen“, berichtete der Künstler nach seinen ersten beiden Begegnungen. Dickhof hatte sein Gefährt zu einem voll ausgestatteten Balkon inklusive Blumenkästen und Grill umgestaltet und kam somit nicht mit leeren Händen. „Ich bringe Bratwurst, Brötchen und Getränke mit und freue mich, wenn die Menschen dann Ketchup und Majonäse und Gläser zur Verfügung stellen. So kommt man schnell ins Gespräch“, so der Kulturpädagoge, der zudem manches Gastgeschenk erhielt. Bei den Eltern von Alaa (10) und Esra (8) bekam er als Stärkung für den Tag noch Kekse mit auf den Weg.

Am Samstag war der Hebebalkon in Bergkamen-Mitte unterwegs. Am Samstag wird Oberaden die zweite Station sein.

Eine Anmeldung für einen Besuch war auch im Vorfeld möglich, vor Ort ging dies zudem spontan. „Die Leute winken uns zu und dann kommen wir vorbei“, zeigte sich Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel von der Aktion begeistert. Angemeldet hatte sich Karl-Heinz Petzoldt, der den Künstler sogar mit einem eigens für den Besuch angefertigten Transparent begrüßte. „Nachdem ich von dem Balkon-Event erfahren habe, habe ich ein paar Freunde eingeladen, damit wir uns so einen schönen Nachmittag auf dem Balkon machen. Man muss die Gunst der Stunde nutzen, denn so etwas findet ja wohl nur einmal im Leben vor der eigenen Haustür statt“, sagte der Bergkamener.

Am Samstag rollt der Hebebalkon nach Oberaden und ist von circa 13 bis 18 Uhr auf der Hans-Böckler-Straße auf Besuchstour. Am 2. und 3. August kommt Garvin Dickhof dann mit der Aktion „Sperrmüllambulanz – jedes verdient eine zweite Chance“ zurück nach Bergkamen. Dann wird der Künstler den Sperrmüll im Stadtgebiet nach besonderen Merkwürdigkeiten untersuchen.

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