Nach Ende der Kohleverstromung

„Wollen kein Recyclingzentrum“: Stadt und Steag führen erstes Gespräch über Zukunft des Kraftwerkstandorts

Noch wird Strom im Kraftwerk Heil produziert. Das Ende aber ist im Zuge des Kohleausstiegs absehbar.
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Noch wird Strom im Kraftwerk Heil produziert. Das Ende aber ist im Zuge des Kohleausstiegs absehbar.

Bürgermeister Bernd Schäfer weist Befürchtungen zurück, wonach auf dem Kraftwerksgelände in Heil nach Ende der Kohleverstromung ein Recyclingzentrum entstehen könnte. Zudem bestätigt er ein erstes „loses Gespräch“ mit Betreiber Steag über die Nachnutzung des Areals. Beide Seiten stünden mit ihren Überlegungen aber noch ganz am Anfang, betont er.

Bergkamen – Laut Schäfer fand das Gespräch vergangene Woche statt. Das Unternehmen sei auf die Stadt zugekommen, was ihn erfreut habe. „Ein frühzeitiger Austausch ist besser als irgendwann überrascht zu werden.“

Die Steag GmbH als Eigentümerin bleibe zunächst Herrin des Verfahrens, betont Schäfer. Gleichwohl werde eine politische Beteiligung erfolgen, wenn der Prozess fortgeschritten ist und es „etwas zu berichten“ gebe. Das könne er zusichern.

Der Wunsch: Energiewirtschaft und Gewerbe

„Eine Abfall-Sortieranlage oder ein Recyclingzentrum ist sicherlich nicht das, was wir wollen“, sagt Schäfer. Stattdessen schweben ihm zwei Szenarien vor: Zum einen bleibe der Standort mit seiner vorhandenen Infrastruktur (kV-Netz zur Einspeisung von Strom, Fernwärmenetz, Kanalanschluss) ideal für den Bereich Energiewirtschaft, wobei unter anderem die klimaneutrale Wasserstoff-Technologie denkbar wäre. Darüber hinaus sei es kein Geheimnis, dass sich die Stadt an dieser Stelle auch Flächen für Gewerbe wünsche, so Schäfer. „Die können wir zurzeit kaum anbieten.“

Die Befürchtungen, dass Bergkamen ein weiteres Recyclingzentrum erhält, kamen jüngst von der Grünen-Fraktion im Stadtrat. Anlass war ihnen ein Treffen von Landrat Mario Löhr unter anderem mit Vertretern von Remondis. Das Unternehmen mit Sitz in Lünen betont, nicht nur Entsorger zu sein, sondern auch Akteur im Bereich erneuerbare Energien.

Steag: Spekulationen verbieten sich noch

Die Steag GmbH in Essen hält sich in Sachen Zukunft noch bedeckt, will laut Pressesprecher Daniel Mühlenfeld aber maximal transparent agieren, sobald es Konkretes gibt. Auf die Frage, wie die Pläne für den Standort Heil aussehen, heißt es schriftlich: „Solange nicht klar ist, wann das Kraftwerk Heil endgültig stillgelegt werden darf, verbieten sich öffentliche Spekulationen über die künftige Flächennutzung.“ Und: Wenn in zeitlicher Hinsicht Klarheit herrsche, würden alle Optionen einer Nachnutzung eingehend geprüft, ehe eine Entscheidung gefällt werde.

Schäfer glaubt nicht, dass die Frage der Nachnutzung schon in ein oder zwei Jahren geklärt sein wird. Ebenso geht er nicht davon aus, dass das Kraftwerk Heil schnell abgeschaltet wird. Zwar wisse man nicht, welche Stromerzeuger sich mit welchen Anlagen an der laufenden zweiten Ausschreibungsrunde zur Stilllegung von Kohlekraftwerken beteiligen würden. Sollte Heil aber dabei sein, halte er die Chancen für einen Zuschlag für eher gering: „Das Kraftwerk würde rund die Hälfte des Ausschreibungsvolumens von 1 500 MW abdecken. Dazu wird es meiner Einschätzung nach wohl nicht kommen.“

Dass die hiesige Politik in der Frage der Nachnutzung mitredet, hält Schäfer auch aus Gründen des Naturschutzes für geboten. Man dürfe nicht vergessen, dass sich das Kraftwerksgelände in unmittelbarer Nähe zu den Lippeauen und zu dem Feuchtgebiet an der Königslandwehr befinde. „Der Standort ist nicht unsensibel“, konstatiert Schäfer.

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