Schreiben des NRW-Verkehrsministeriums

Wird RS1 zum „Radschleichweg“? SPD enttäuscht von Auskunft aus Düsseldorf

Der geplante Radschnellweg 1 soll die Stadt Moers mit Hamm verbinden und dabei auch durch den Kreis Unna und die Stadt Bergkamen führen.
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Der geplante Radschnellweg 1 soll die Stadt Moers mit Hamm verbinden und dabei auch durch den Kreis Unna und die Stadt Bergkamen führen.

Bis zum Bau des Radschnellwegs 1 (RS1) vergehen noch Jahre. Das hat das Verkehrsministerium NRW der SPD im Kreis Unna jetzt schriftlich mitgeteilt. Die zeigt sich „enttäuscht“.

Bergkamen – Hoffnung auf einen früheren Baustart gebe es nicht, interpretiert Hartmut Ganzke, Vorsitzender der Kreistagsfraktion, das Schreiben aus Düsseldorf. Alle Verantwortlichen müssten aufpassen, dass der RS1 bei der Umsetzung nicht zum „Radschleichweg“ werde, sagt er mit Blick auf die stauträchtige A40 im Ruhrgebiet.

Raus aus dem Auto, rauf aufs Rad – das ist angesichts des Klimawandels Forderung und Wunsch vieler. Doch dafür bedarf es attraktiver Verbindungen. Der RS1 soll so eine werden: vier Meter breit, asphaltiert und beleuchtet.

116 Kilometer von Moers nach Hamm

Er soll über 116 Kilometer Wegstrecke die Stadt Moers am Niederrhein mit Hamm im östlichen Ruhrgebiet verbinden. „Bisher sind rund 15 Kilometer befahrbar, davon fünf Kilometer im vorgesehenen Standard“, führt Ganzke kritisch an.

Im Kreis Unna soll der RS1 durch Unna, Kamen und Bergkamen führen, hier unter anderem über die Klöcknerbahn-Trasse. Auch mit Blick auf diesen Abschnitt ist eine Planfeststellung erforderlich, um Baurecht für die öffentliche Hand zu erwirken. Teil des Verfahrens ist eine umfangreiche Umweltverträglichkeitsstudie.

„Rekordsummen für Radwege“

Die SPD kann sich mit dem geplanten Baubeginn 2026 nicht anfreunden und will die Planungen beschleunigt sehen. Das hatten die Kreistagsfraktion und die Vorsitzenden der SPD-Fraktionen aus Bergkamen, Kamen, Lünen und Unna dem Ministerium im April mitgeteilt. Nun liegt die Antwort vor.

Darin weist Staatssekretär Dr. Hendrik Schulte zunächst auf den hohen Stellenwert des Radverkehrs für die Landesregierung hin. Diese stelle „Rekordsummen“ für den Aus- und Neubau von Radwegen zur Verfügung und habe seit 2017 mehr als 580 Kilometer neue Wege „entstehen lassen“. In diesem Jahr flössen 103 Millionen Euro in besseren Rad- und Fußverkehr in NRW.

„Ressourcen aufstocken“

Laut Schulte kann das Planfeststellungsverfahren für den RS1 „leider erst im Jahr 2023“ eingeleitet werden, wenn die Genehmigungsplanung abgeschlossen sei, in der auch die Vorzugsvarianten für den Trassenverlauf beschrieben würden. Das Verfahren selbst könne – in Abhängigkeit von Anzahl und Umfang der Einwendungen – „einige Zeit in Anspruch nehmen“, sodass frühestens im vierten Quartal 2025 mit einem Abschluss zu rechnen sei. Bis zum Baustart müssten dann noch die Ausschreibungsunterlagen erstellt und die Vergaben getätigt werden.

Der SPD dauert das alles zu lange. Sie hat die Landesregierung und auch den Landesbetrieb Straßenbau als Baulastträger aufgefordert, die Ressourcen für den RS1 aufzustocken. Im bisherigen Tempo dürfe dieses wichtige Projekt nicht weiterlaufen, heißt es neuerlich.

Erst der Erste von acht

Schulte versichert in seinem Brief, dass der Landesregierung „an einem zügigen Ausbau der nordrhein-westfälischen Radinfrastruktur“ gelegen sei. Er verweist auf neu geschaffene Stellen beim Landesbetrieb und den Bezirksregierungen. Zudem würden während des gesamten Planungsverlaufs „Optionen zur Planungsbeschleunigung geprüft und nach Möglichkeit umgesetzt“.

In NRW sind insgesamt acht Radschnellwege vorgesehen. Der RS1 ist der Erste, der realisiert wird. Die Anrainer-Städte Duisburg, Bochum, Dortmund und Hamm haben zur Beschleunigung des Bauprojekts die Planungen auf ihrem jeweiligen Stadtgebiet selbst übernommen, wobei das Land die Kosten dafür trägt.

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