Kommunalwahlen 2020

Bergkamen bekommt wieder Mann als Bürgermeister – Kandidaten im Schnitt 51 Jahre alt

+
Das Briefwahllokal im Ratstrakt des Rathauses ist mittlerweile geöffnet. Die ersten Bergkamener haben direkt ihre Stimmen abgegeben.

Bergkamen – Die Politik sollte weiblicher und jünger werden. Diese Forderung ist im Vorfeld von Wahlen oft zu hören, so auch kurz vor den Kommunalwahlen am 13. September. Ob am Ende tatsächlich mehr Frauen oder Vertreter nachfolgender Generationen zu Entscheidungsträgern werden, bleibt abzuwarten.

Beim Blick in die zugelassenen Wahlvorschläge in Bergkamen wird zumindest deutlich, was es nicht geben wird. Allen voran eine Bürgermeisterin, denn alle vier Personen, die an die Spitze von Politik und Verwaltung aufrücken und den Amtsinhaber Roland Schäfer beerben wollen, sind Männer. Damit muss Bergkamen auch im 54. Jahr nach Gründung ohne weibliches Stadtoberhaupt auskommen – und befindet sich dabei in bester Gesellschaft: Aktuell sitzen nur in etwa jeder zehnten der 396 NRW-Kommunen Frauen im Chefsessel des Rathauses.

Von 128 Wahlkreisbewerbern 50 Frauen

Und auch dies steht schon fest: Der demnächst fünfte Bürgermeister Bergkamens wird nicht jünger sein als Jahrgang 1966. Damals, vor 54 Jahren, wurde Bernd Schäfer, geboren, der Kandidat der SPD. Älter sind seine Mitbewerber Thomas Heinzel (CDU, Jahrgang 1962), Thomas Grziwotz (Grüne, 1958) und Werner Engelhardt (BergAuf, 1951).

Nicht ganz so einseitig fällt die Geschlechter-Bilanz mit Blick auf die Kandidaten in den insgesamt 22 Wahlbezirken aus. Zwar sind die Frauen auch hier in der Minderheit, aber nicht ganz so deutlich: Von den 128 Bewerbern aus sechs Parteien (SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, BergAuf, FDP, „Die Linke“ tritt nur in 18 Wahlbezirken an) sind 50 weiblich; die Quote liegt bei 39 Prozent.

Vielleicht noch wichtiger bei der Frage, wie feminin beziehungsweise maskulin der neue Stadtrat wird, sind die Reservelisten. Hier steht es beim Blick auf die jeweils zehn ersten Plätze bei drei Parteien pari: SPD, Grüne und BergAuf haben allesamt gleichviel Frauen wie Männer aufgestellt. Bei der CDU haben es immerhin noch vier Frauen unter die parteiinternen „Top Ten“ geschafft, bei FDP und „Die Linke“ sind’s nur jeweils drei, wobei der Linken zugutegehalten werden muss, dass ihre Reserveliste lediglich aus acht Namen besteht.

Von Jahrgang 1938 bis 2001

Insgesamt liegt der Frauenanteil bei den Wahlbezirkskandidaten und auf den vorderen Listenplätzen bei etwa 40 Prozent. Die Messlatte bei der Geschlechtergerechtigkeit hängt in Bergkamen erfreulicherweise hoch: Von den 45 Angehörigen des aktuellen Stadtrats sind 20 Frauen, knapp die Hälfte.

Nimmt man den Mittelwert aller Geburtsjahrgänge der 128 Wahlkreiskandidaten sowie der jeweils zehn ersten Namen der Reservelisten (bei den Linken die acht), ergibt sich die Zahl 1969. Will heißen: Der Bergkamener Durchschnittskandidat ist etwa 51 Jahre alt, steht also noch mitten im Leben, darf aber auch schon an die Rente denken. Die Spanne reicht dabei insgesamt von rund 19 Jahren bis 82.

Jüngster Kandidat für den Stadtrat ist Tilo Peters, Jahrgang 2001, der für die Linken im Wahlbezirk 105 (Mitte) antritt, ältester Wilfried Kuehn, 1938, der auf FDP-Ticket im Wahlbezirk 106 (Mitte) unterwegs ist. Die genauen Geburtstage sind in den amtlichen Wahlvorschlagslisten nicht aufgeführt. Interessant: Linke und FDP stellen auch den jeweils zweitjüngsten (Jahrgang 2000) beziehungsweise den zweitältesten Bewerber (1939), der in diesem Fall eine Bewerberin ist.

Rünthe mit höchsten Durchschnittsalter

Die von den Kandidaten angegebenen Berufe bilden einen bunten Querschnitt. Es sind Handwerker darunter, Akademiker aller Art, Landwirte, Kaufleute, Kriminalbeamte, Studierende, eine Auszubildende, ein Arbeitssuchender, eine Hausfrau, aber kein Hausmann, dafür ein Hauswirtschafter.

Die Zahl der Lehrkräfte, denen man für gewöhnlich hohe zeitliche Flexibilität nachsagt, ist überraschend gering. Von den 128 Wahlkreiskandidaten geben gerade einmal fünf diesen Beruf an. Bei den vorderen Listenplätzen sind es zwei. 27 der insgesamt 186 betrachteten Personen sind berentet oder pensioniert.

Apropos zweite Lebenshälfte: Der Wahlbezirk mit den im Schnitt ältesten Kandidaten trägt die Nummer 117 und liegt in Rünthe. Das Durchschnittsalter der sechs Bewerberinnen und Bewerber beträgt in etwa 61 Jahre. Dicht gefolgt in diesem Ranking: Wahlbezirk 116, ebenfalls im Stadtteil Rünthe.

Bleibt noch festzuhalten: Weder Weiblichkeit noch Jugend sind Garanten für eine gute und erfolgreiche Politik. Männlichkeit, ein höheres Lebensalter oder ein bestimmter Berufszweig sind es allerdings auch nicht, weshalb Ausgewogenheit im künftigen Stadtrat durchaus wünschenswert wäre.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare