Neue Corona-Regeln

Corona-Test: Wie teuer wird‘s? Preise bis zu 20 Euro?

Getestet wird unter anderem auf dem Parkplatz des Möbeldiscounters Poco in Bergkamen-Rünthe.
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Getestet wird unter anderem auf dem Parkplatz des Möbeldiscounters Poco in Bergkamen-Rünthe.

Noch sind Corona-Tests kostenlos, doch ab dem 11. Oktober müssen die Bürger nach Geheiß der Politik dafür bezahlen. Aber wie viel? „Das hängt wohl auch von den Gewinnerwartungen des jeweiligen Anbieters ab“, sagt Sengül Dogruel.

Bergkamen – Die 48-Jährige betreibt zusammen mit ihrem Bruder zwei Testzentren in Bergkamen: im Elisabethhaus in Mitte und an der Rotherbachstraße im Ortsteil Oberaden. Für die Bürgertests, die sie kostenlos durchführt, erhält sie derzeit – wie alle Anbieter – eine staatliche Vergütung von 11,50 Euro (3,50 Euro fürs Material, 8 Euro für die Leistung). Diese Summe sei aktuell auskömmlich, berichtet Dogruel.

Ist das auch der Preis, den sie ab dem 11. Oktober verlangen wird? „Das weiß ich jetzt noch nicht“, lautet die Antwort. Entscheidend sei, wie viele Menschen sich zu diesem Zeitpunkt noch testen ließen. Immerhin gebe es Fixkosten, die gedeckt werden müssten. „Wir haben zum Beispiel schon mehr als zehn Mitarbeiter eingestellt.“

„Werden Situation genau beobachten“

Vor Corona war Dogruel vornehmlich als Selbstständige in der Hochzeitsbranche tätig. „Da habe ich die Preise so gestaltet, dass sie für die Kunden bezahlbar blieben und wir als Familienbetrieb ein Auskommen hatten.“ So wolle sie auch bei der Test-Preisgestaltung verfahren.

Anfangs wurden den Test-Anbietern 18 Euro pro Test von den Krankenkassen ausgezahlt. Das wurde zum Juli geändert. Dogruel berichtet, dass sich manche Testwilligen schon jetzt darüber beschwerten, dass sie die Leistung demnächst aus eigener Tasche zahlen müssten. Daran aber gehe wohl kein Weg vorbei. „Wir werden in den ersten zwei Wochen nach dem 11. Oktober genau beobachten, wie sich die Situation entwickelt.“

Es wird sich bei 19,90 Euro einpendeln, vielleicht auch darunter.

Tobias Schreurs, TestCov-Geschäftsführer 

Tobias Schreurs von „TestCov“ geht die Sache ähnlich an. Ob sich das Engagement finanziell noch lohne, bleibe abzuwarten, meint er. „TestCov“ mit Sitz in Moers betreibt mehr als 20 Testzentren in Nordrhein-Westfalen, eines davon auf dem Poco-Parkplatz in Rünthe.

Schreurs geht davon aus, dass die künftigen Preise angesichts der nicht unerheblichen Kosten für Platzmiete, Test-Container und geschultem Personal oberhalb der jetzigen Vergütungen liegen. „Es wird sich bei 19,90 Euro einpendeln, vielleicht auch darunter“, vermutet er.

„Wollten nie Geld mit Tests verdienen“

Große Unbekannte bleibt laut Schreurs die Zahl derer, die sich demnächst noch testen ließen. „Zurzeit läuft’s gut. Wir haben knapp 100 Testungen am Tag, zum Wochenende hin, wenn sich die Menschen treffen wollen oder Veranstaltungen besuchen, auch mal 200.“ Die Anzahl der positiven Tests nehme zurzeit zu.

Der Kreis Unna listet für Bergkamen aktuell neun Teststellen von acht Anbietern auf. Als Erstes am Start war der Schützenverein Kamen, der Testwillige in seiner Heimstätte an der Schützenheide empfängt. „Uns ging es nie darum, mit den Tests Geld zu verdienen“, betont Vereinsvorsitzender Christian Langhorst. Vielmehr habe man sich gesellschaftlich engagieren wollen – und dabei auch das Ziel verfolgt, Vereinsleben und Gastronomie vor Ort zu stärken.

Nachfrage ungewiss, Fixkosten bleiben

Bis zum 11. Oktober werde man in jedem Fall noch Tests anbieten, sagt Langhorst – zu welchem Preis danach, stehe noch nicht fest. „Er wird aber in jedem Fall nicht höher sein als 11,50 Euro, denn die reichen zurzeit für den Betrieb“, betont er.

Auch Langhorst verweist auf die Fixkosten („Wir sind seit Mitte März an sieben Tagen in der Woche mit zwei Fachkräften vor Ort“) und die Ungewissheit, wie groß der Kreis der Testwilligen demnächst überhaupt noch ist. Dass Tests nicht mehr kostenlos sein werden, halte er persönlich für „den richtigen Weg“, um möglichst schnell aus der Pandemie herauszukommen. „Das übt ein bisschen mehr Druck aus, sich impfen zu lassen.“

Zurzeit viele Urlaubsrückkehrer

Die Nachfrage nach Corona-Tests war zuletzt zurückgegangen – weil die Impfquote kontinuierlich stieg und obendrein die Ferienzeit begann. Einzelne Testzentren hatten daraufhin ihre Öffnungszeiten reduziert oder sich für einige Zeit ganz abgemeldet. „Es zieht jetzt aber wieder an“, schildert Sengül Dogruel – auch durch Urlaubsrückkehrer, die aufgerufen sind, sich vor dem Gang zurück an den Arbeitsplatz testen zu lassen, um keine Gefahr für andere darzustellen.

Spannend bleibt die Frage, wie sich die „Kundenströme“ entwickeln, wenn Tests kosten und – vor allem – unterschiedlich kosten. Sollten etwa die Preise bei den Kamener Schützen deutlich unter dem Marktniveau liegen, könnte die Nachfrage hier stark steigen. „Wir lassen uns überraschen“, sagt Vorsitzender Langhorst.

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