Nach Not-Umzug

Wichtelgruppe bangt um Existenz

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Susanne Küssner, zweite Vorsitzende der „Wichtelgruppe“, und Anja Kampmann (rechts) streichen in den neuen Räumen.

Gruppenleiterin Anja Kampmann fühlt sich von der Kirchengemeinde allein gelassen. Sie arbeitet aber fleißig am Fortbestand der Wichtelgruppe, die aus Sicherheitsgründen zu einem Umzug gezwungen wurde.

Bergkamen – Erhebliche Risse im Gebäude des ehemaligen Kindergartens Sonnenschein an der Preinstraße haben dazu geführt, dass die Evangelische Martin-Luther-Kirchengemeinde Bergkamen die Räume kurzfristig aus Sicherheitsgründen stilllegen musste.

Für die Gruppen des Kinder- und Jugendzentrums John sowie die U3-Betreuung „Wichtelgruppe“ musste eine neue Bleibe gefunden werden. Während die Jugendgruppen in anderen Räumen der Gemeinde Unterschlupf finden, weil auch alle anderen Gruppen zusammenrücken oder Rücksicht nehmen, muss die Wichtelgruppe nun sozusagen die Konfession wechseln.

Die Spielgruppe für Unter-Dreijährige ist künftig im Keller des Kindergartens der katholischen Kirchengemeinde auf der anderen Seite des Römerwaldes an der Barbara-Kirche zu finden. „Eine andere Lösung gab es leider nicht“, bedauert Gruppenleiterin Anja Kampmann, die der katholischen Kirche jedoch sehr dankbar ist.

Pastor Thorsten Neuenberger hatte sofort Gesprächsbereitschaft signalisiert, als das Problem der fehlenden Räume bekannt geworden war. Nun werden Pinsel geschwungen, Teppiche verlegt und Tiermotive an die Toilettenfliesen geklebt, damit die Kellerräume für die Kleinsten hübsch werden.

Kampmann: "Nun will man uns nicht mehr"

Bei Anja Kampmann bleibt jedoch ein fader Beigeschmack. Sie fühlt sich von der Martin-Luther-Gemeinde im Stich gelassen. Schließlich war die inzwischen als Verein geführte Gruppe vor über 30 Jahren aus einem Angebot der Kirchengemeinde hervorgegangen. Die Zusammenarbeit war bis zum Schluss eng. Mit den Kindern wurde morgens gebetet, Krabbelgottesdienste und auch der Laternenumzug wurden organisiert.

„Nun will man uns aber nicht mehr“, sagt Anja Kampmann mit Tränen in den Augen. Denn nicht nur ihr Herz hängt an der Martin-Luther-Gemeinde, sie hat nun auch das Gefühl, dass die geleistete Arbeit nicht wertgeschätzt wurde. Zudem hat das Ganze gravierende finanzielle Folgen.

Eigentlich liefen seit dem 1. September neue Verträge mit Eltern für die Kinderbetreuung. Aufgrund der räumlichen Situation, die in den Sommerferien bekannt wurde, konnten die aber nicht eingehalten werden. Anstelle einer schnellen Lösungsfindung mahlten die Mühlen der Gemeinde langsam.

Situation bewirkt drastischen Vergleich

Weil Pastoren im Urlaub waren, Gutachten eingeholt wurden und Presbyteriumssitzungen abgewartet werden mussten, flog die Zeit dahin, Eltern sprangen ab. „Ich weiß jetzt, wie sich die Leute aus der Töddinghauser Straße gefühlt haben müssen“, zieht Anja Kampmann einen drastischen Vergleich. Denn auch bei ihr traten Existenzängste auf: „Wir haben keine Einnahmen, aber die Ausgaben laufen weiter“, beziffert Anja Kampmann den finanziellen Verlust auf 3000 Euro.

„Wir haben zwar den Verein gegründet, sind aber bei ihm angestellt“, erklärt Kampmann. Für die Oktober-Gehälter ist zwar noch Geld vorhanden, doch dann ist das Konto leer. Umso schneller muss die Wichtelgruppe an neuer Stelle wieder ans Laufen gebracht werden. Die Spielgruppe für zehn Unter-Dreijährige kann montags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr in Anspruch genommen werden.

Die dreimalige Nutzung pro Woche kostet 105 Euro im Monat, für lediglich zwei Tage pro Woche müssen Eltern 70 Euro pro Monat bezahlen. Einige Eltern haben Anja Kampmann und ihren Kollegen natürlich die Treue gehalten, doch es gibt noch freie Plätze, die dringend belegt werden müssen, damit sich das Konzept für den Verein rentiert.

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