Westernparodie Longjohn im studio theater

Vom Zauber des langen Beinkleids - und was echte Cowboys sonst so reitet

Longjohn - das klingt zunächst nach hünenhaften Recken, meint aber die betörende Unterwäsche echter Cowboys.
+
Longjohn - das klingt zunächst nach hünenhaften Recken, meint aber die betörende Unterwäsche echter Cowboys.

Kleine Auszeit vom Gendersternchen-Streit: „Longjohn“ machte die Geschlechterklischees zum vergnüglichen Abend im studio theater.

Bergkamen – Welcher Mann hat, wenn er spät vom tristen Job heim kommt und ihn dort die nicht weniger triste Hausarbeit erwartet, nicht schon gedacht: „Jetzt in den Wilden Westen und dort ein richtiger Mann sein.“ Diese Fantasie ließ das Ensemble des Freestyle-Theaters „Der weiße Knopf“ am Freitagabend Wirklichkeit werden: Mit seiner preisgekrönten Westernparodie „Longjohn – Mann sein, das ist echt nicht einfach!“ im studio theater.

„Spiel mit das Lied vom Tod“

Ehe die Kölner die Bühne betraten, wurden die Zuschauer zur Einstimmung mit bekannten Melodien aus alten Italo-Western wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Ghost-Riders in the Sky“, beschallt. Spätestens da dürfte auch bei dem letzten männlichen Besucher die Sehnsucht nach dem Wilden Westen wach geworden sein.

Biedermanns fantastische Reise

So war es beinahe ein Déjà vu, als Frank mit biederem Anzug und Aktentasche die Bühne betrat und wenig später mit dem Staubsauger in der Hand neben dem Korb voller Bügelwäsche über sein wenig männliches Dasein sinnierte. Hinter ihm kamen indes die Cowboys Alison, Johnston und Slicky ins Bild und gurteten dem verblüfften Frank, alias Nils Buchholz, sogleich einen Revolvergurt mit Schießeisen um.

Sogar in CinemaSkope

Das war der Beginn von Franks rasanter neunzigminütiger Reise durch die Abenteuer der besten Wildwest-Filme aller Zeiten. Und damit auch das Publikum diesen Western-Abend in bester CinemaSkope-Qualität genießen konnte, hatten die Gäste Bierdeckel erhalten, die einen entsprechend ausgestanzten breiten Schlitz zum Durchgucken hatten.

Ein Muss: Die Fäuste fliegen

Franks trautes Heim hat sich indes in einen whisky-geschwängerten Western-Saloon verwandelt, mit obligatorischer Flügeltür und langer Theke. Keine Frage, dass zum Auftakt auch erst einmal eine zünftige Prügelei auf dem Programm stand, bei der die vier Akteure zugleich ihre Stuntman-Qualitäten beweisen durften. Slicky, alias Christian Mersmann, war hierbei zudem gefordert, an seinem Piano für das dröhnende Playback der Faustschläge zu sorgen.

„Longjohn – Mann sein, das ist echt nicht einfach!“

Longjohn
Longjohn
Longjohn
Longjohn
„Longjohn – Mann sein, das ist echt nicht einfach!“

Doch die Vier konnten sich nicht nur filmreif prügeln, sondern auch meisterhaft miteinander jonglieren. Hierbei war indes Alison, alias Daan Mackel, besonders gefordert, da dieser den ein oder anderen jonglierten Apfel aufessen musste.

Das Publikum ließ es knistern

Mit einem wilden Ritt ging es dann weiter zum nächsten Schauplatz, irgendwo in der Prärie, wo sich die vier Akteure an einem knisternden Lagerfeuer ein zünftiges Steak grillten. Auch hier war wieder das Publikum gefordert, indem es durch Zerdrücken von Luftpolsterfolien für das romantische Lagerfeuerknistern und Brutzeln sorgen durfte. Die Kälte der Nacht wurde durch entsprechendes Jaulen des Windes eindrucksvoll untermalt.

Markige Westernhelden aus dem Off

Das Verblüffende bei dieser höchst unterhaltsamen Westernparodie waren insbesondere die Dialoge, bei denen es sich allesamt um Synchronstimmen berühmter Western-Mimen handelt, wie Clint Eastwood, John Wayne oder die witzigen Dialoge von Bud Spencer und Terence Hill, und die allesamt per Playback eingespielt wurden.

80 Klassiker des Genres verwurstet

Mehr als 80 Filme und Tondokumente wurden dafür zusammen mit Regisseurin Bianca Lehnard gesichtet und dramaturgisch zusammengetragen. Auf dem Bühnenboden waren einige Schalter verteilt, die von den vier Protagonisten jeweils mit dem Fuß ausgelöst wurden. Gelegentlich gab es zur Gaudi des Publikums ein wiederholtes „Ähhh“, „Ähhh“, „Ähhh“ ...

Oder doch nur Kindsköpfe?

Höchst amüsant, wenn Johnston, alias Sebas Inaty, auf den falschen Knopf drückt und die Dialoge hintereinander auf Spanisch und Italienisch abspulen muss. Nicht minder amüsant, wenn auf einmal ein Playback von den Kleinen Strolchen eingespielt wird und die gestandenen Mannsbilder, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Lucky Lukes Daltons haben, anfangen, mit Kinderstimmen zu sprechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare