Wertvolle Krippenfiguren

Die Heilige Familie: Maria hält das Jesuskind auf dem Schoß. Zu der Marienfigur gehören deswegen zwei Paar Hände.

Rünthe - Die Krippe von Herz Jesu ist nicht nur etwas Besonderes: Sie ist tatsächlich so außergewöhnlich, dass zwei Figuren nun Teil einer weltweit zusammengetragenen Ausstellung werden. Sie wird ab Frühjahr im dann neueröffneten „Stichting Museum Clara Fey“ im niederländischen Simpelvield zu sehen sein.

„Es ist so viel passiert in diesem Jahr“, kann es Margret Fieweger noch immer nicht ganz glauben. Seit Jahren kümmert sie sich um die Krippe von Herz Jesu und hütet die Krippenfiguren mit den aus Wachs gefertigten Köpfen und Händen so sorgfältig wie ihr langjähriger Vorgänger, der inzwischen verstorbene Heinfried Pohlmann. „Die Krippe war sein Augapfel“, weiß Fieweger.

Doch die in den 1920er Jahren im Aachener Kloster der Schwestern vom armen Kinde Jesu gefertigten filigranen Figuren zeigen dennoch Alterserscheinungen. „Früher konnten wir die Figuren zurück ins Kloster zur Reparatur geben“, erklärt Margret Fieweger, „aber diese Kunst beherrscht heute niemand mehr.“ So fehlen beispielsweise einem der Hirten schon seit Jahren zwei Finger-Glieder.

Während die Gemeinde stets auf der Suche nach Restauratoren war, suchte der Orden der Schwestern vom armen Kinde Jesu weltweit nach eben solchen Krippenfiguren. Die Ordensgründerin Clara Fey wird in diesem Jahr nämlich im Aachener Dom durch Papst Franziskus selig gesprochen – und ihr zu Ehren eröffnet der Orden an ihrem Sterbeort Simpelvield in den Niederländen das „Stichting Museum Clara Fey“. Nicht fehlen darf in dem Museum dann die von ihr begründete außergewöhnliche Kunst, die die Schwestern erstellten: Krippenfiguren mit Köpfen und Händen aus Wachs.

Die Niederländer kamen daher nach Rünthe und nahmen die 15 Figuren der Krippe von Herz Jesu mit Kennerblick in Augenschein. „Die meisten Figuren sind im Laufe der Jahre ersetzt worden“, weiß Margret Fieweger, „doch unsere Maria ist noch ein Original aus den 1920er Jahren.“ Fasziniert waren die Experten jedoch von einer Figur – dem heiligen Josef – , der in der jüngeren Vergangenheit meist im Schrank geblieben war, weil er wegen seiner Größe nicht so gut zu den anderen passte. „Die Figur haben wir mal im Keller gefunden“, erinnert sich Margret Fieweger „und die ist richtig alt. Die Krippen-Beauftragte der Gemeinde kann noch immer nicht glauben, welchen Schatz sie jahrelang hegte und pflegte – und doch missachtete.“

Genau an dieser Figur hatten die Gesandten des Ordens ein großes Interesse und die Gemeinde Herz-Jesu entschied, die Krippenfigur als Dauerleihgabe in die Niederlande zu geben. Im neuen Museum, so ist man sich sicher, wird sie einen wunderbaren Platz finden. Doch das war nicht das einzige Weihnachtswunder, zu dem es rund um die Krippe der Gemeinde kam.

„In den 70er-Jahren“, so weiß Margret Fieweger, „ging unser Christuskind kaputt.“ Die Klosterschwestern wurden um Rat gefragt, winkten aber ab. „Eine Reparatur ging nicht mehr. Sie haben uns deshalb ein neues gefertigt.“ Diese Christusfigur liegt bis heute in der Krippe oder sitzt nun auf Marias Schoß, weshalb es für die Maria auch zwei Paar Hände gibt. „Heiligabend sitzt sie an der Krippe und betet, ab dem 1. Weihnachtsfeiertag hält sie das Kind auf dem Schoß und benötigt daher eine andere Handhaltung.“

Von dem alten Christuskind, wenn auch defekt, hatte sich Heinfried Pohlmann aber nicht trennen können. Er hatte es mit nach Hause genommen. „Ich könnte auch keine Heiligenfigur einfach wegwerfen“, versteht Margret Fieweger ihren Vorgänger – und so nahm sie das lädierte Püppchen ebenfalls mit nach Hause, als die Witwe Heinfried Pohlmanns es in seinem Nachlass fand und der Gemeinde zurückgeben wollte.

„Ich hab mich dann gefragt, ob die Niederländer wohl auch daran Interesse haben würden“, erzählt Margret Fieweger. Mit etlichen Taschentüchern richtete sie die alte Christusfigur her, damit man die abgebrochenen Arme und Beine nicht sah. „Das hatte so ein feines Gesicht“, schwärmt die Krippen-Beauftragte von dem alten Schatz. Auch die Historiker und Restauratoren waren hin und weg. „So hat nun auch Jesus wieder ein Zuhause – im neuen Museum“, freut sich Margret Fieweger.

Und noch ein weiterer Kreis schließt sich für die Gemeinde: Die niederländischen Fachleute, die sich mit der Wachstechnik wieder vertraut gemacht haben, werden sich nun der 15 Krippenfiguren von Herz Jesu annehmen. „Und wenn die Ausstellung eröffnet wird, sind wir eingeladen“, sagt Margret Fieweger. Sie freut sich dann auf das Wiedersehen mit den Leihgaben der Herz-Jesu-Gemeinde.

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