Anklage gegen 32-Jährigen aus Bergkamen

Wer hat die Drogen gekauft? Prozess um Falschaussage eingestellt

Der Prozess wurde letztlich eingestellt.
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Der Prozess wurde letztlich eingestellt.

In einem Prozess gegen einen Lüner Drogendealer hatte ein Zeuge aus Bergkamen erklärt, nicht er, sondern ein Kumpel habe die Drogen gekauft. Das bescherte ihm nun ein Falschaussage-Verfahren. Der 32-Jährige blieb aber bei seiner Version – mehr oder weniger erfolgreich.

Bergkamen/Lünen – Ermittler observierten im Februar 2019 das Haus in Lünen, aus dem heraus offenbar mit Drogen gehandelt wurde. So geriet auch die Kundschaft ins Visier und es kam zu einer Kontrolle, bei der der Mann aus Bergkamen mit Kokain erwischt wurde. Ende 2019 sollte der dann als Zeuge gegen den Lieferanten gehört werden. Im Prozess vor dem Lüner Amtsgericht bestritt er den Erwerb allerdings und verwies auf seinen Freund, mit dem er an dem fraglichen Tag unterwegs war. Geglaubt wurde ihm nicht. Vielmehr wurde von da an wegen Falschaussage gegen ihn ermittelt.

Angeklagter räumt ein: „Dumm gelaufen“

Den Vorwurf, vor Gericht gelogen zu haben, wollte der 32-Jährige nicht einfach hinnehmen. Sein Kumpel sei der Käufer gewesen, und nach dem Deal seien sie in eine Gasse gegangen. Dort habe der Freund das Kokain portionieren wollen und ihm kurz in die Hand gedrückt, als plötzlich die Polizei aufgetaucht sei. „Dumm gelaufen“, kommentierte er und versicherte kurz darauf, schon lange nichts mehr mit Drogen zu tun gehabt zu haben.

Besagter Kumpel wurde gehört. Der 31-Jährige schlug eher überraschend in die gleiche Kerbe und nahm die Schuld auf sich. Nach dem Kauf habe er einen Teil des Kokains auf seinem Handy zerkleinern wollen. Der Angeklagte habe das Mobiltelefon auf seine Bitte hin nur kurz gehalten. Dann sei die Polizei gekommen, habe auch seine Personalien aufgenommen. Gefragt, wem der Stoff gehöre, hätten die Beamten nicht. Deshalb habe er auch nichts gesagt. „Das ist meine Sache gewesen“, beteuerte er schließlich noch einmal und blieb auch dabei, als er mit Widersprüchen zur Einlassung des Angeklagten konfrontiert wurde.

Kosten muss Bergkamener selbst tragen

Nach der bemerkenswerten Zeugenaussage hörte das Gericht den Lieferanten, der wegen seiner Beteiligung an den Geschäften in dem damaligen Verfahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Der 27-jährige Lüner gab an, zu der Zeit im Februar 2019 selbst Kokain konsumiert und Schulden bei einem Hintermann gehabt zu haben. Der habe ihn dann zu den Übergabeorten geschickt.

Er meinte, dass er sich an den Angeklagten und dessen Freund erinnern könne. Wer von beiden die Drogen gekauft habe, das wisse er nicht mehr. Schließlich sei das Ganze lange her und seit der Zeit habe er viel erlebt.

Nach diesen Aussagen entschied das Gericht, das Verfahren ohne Auflagen einzustellen. Seine Kosten muss der Bergkamener allerdings selbst tragen.

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