Trio umsegelt von der Marina Rünthe aus die Welt

Weltumsegler vor Portugal gestrandet

Sorgenvolle Gesichter: Durch ein dumpfes Geräusch wurden Thilo Ernst und seine Freunde aus den Betten gerüttelt. Der Wind hatte das Segelboot der Gruppe nachts gefährlich nahe an den Strand getrieben.
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Der Wind hatte das Segelboot der Gruppe nachts gefährlich nahe an den Strand getrieben.

Drei Weltumsegler aus Kamen starteten in Bergkamen eine Weltreise. Seit knapp vier Monaten ist das Trio unterwegs. In Portugal drohte ihr Abenteuer ein jähes Ende zu nehmen.


Kreis Unna/Lagos – Drei junge Erwachsene sind aus der Marina Rünthe im August zu einer Weltreise aufgebrochen. Mit ihrem Segelboot wollen sie einmal um die Welt und Abenteuer erleben. Bereits Ende Oktober segelten Leonie Maßmann, Thilo Ernst und Jonas Manke um die südwestliche Spitze Portugals. Nach einigen Tagen Fahrt lichtete das Trio in einer kleinen Bucht nahe eines Strandes den Anker. „Wir hatten Freunde vor Ort, mit denen wir am Strand den Abend genossen haben“, erinnert sich Manke. Am nächsten Morgen folgte ein böses Erwachen. Das Boot war vom Wind näher an den Strand getrieben worden.

„Wir haben einfach nicht auf das Wetter geachtet“, erklärt der 23-jährige Manke. Der Wind habe sich gedreht und das Boot dem mit Steinen versetzten Strand gefährlich nahe getrieben. „Dazu war der Wasserpegel auch sehr niedrig“, erzählt er.

Ein dumpfes Geräusch riss die Abenteurer morgens aus den Betten. Panik statt sanfter Wellen, Angst statt ruhigem Frühstück, Sorgen statt gemütlichem Wachwerden: Das Boot setzte mit dem Kiel auf dem Sand auf, hing fest. Sofort rannten die Weltumsegler auf das Deck. „Da haben wir erst mal gesehen, wie nah die Steine am Strand waren“, sagt Thilo Ernst. Sofort startete die Gruppe den Motor des Bootes, doch nichts funktionierte. Schnell stand fest: Allein konnte das Trio sein Boot nicht befreien.

Boot bereits in Schieflage

„In der Bucht lagen noch befreundete Segler mit ihrem Boot“, schildert Jonas Manke. Vereinte Kräfte: Mit einem Seil verbanden die Segler ihre Boote und starteten auch den Motor des zweiten Gefährts. Trotzdem regte sich nichts. „Das war die Situation, in der ich am meisten Angst hatte, dass die Reise nicht weitergeht“, erinnert sich Manke. Das Boot stand bereits in einer Schieflage und die Ausstattung im Inneren schleuderte durch den Raum. „Aus unserem Kühlschrank waren sehr viele Sachen gefallen.“

Die Gefahr: Wäre das Boot noch stärker zur Seite gekippt, hätte es von oben volllaufen können. Auch die Steine am Strand hätten viel Schaden angerichtet und das Stahlboot ausgebeult, weiß das Trio. „Das würde dann einem Totalschaden ähneln“, erklärt Manke. Ein Schockmoment für die Drei. „Das Gefühl, nicht mehr Herr der Lage zu sein, ist sehr beängstigend“, sagt der Kamener. Das Trio habe großen Respekt vor der Natur. „Das zeigt, wie stark man ausgeliefert ist, wenn man einen Fehler begeht“, stellt Jonas Manke fest.

Tipp von befreundeten Seglern

Einen entscheidenden Tipp gaben dann die befreundeten Segler. Die Kamener zogen ihr Beiboot am Mast mit einem Seil hoch und stellten es auf die Reling. „Wir befüllten das Beiboot wie eine Badewanne mit Wasser“, so Manke. Die Abenteurer erzeugten künstlich eine starke Schräglage. Durch die Kraft drückte sich der Keil Unterwasser aus dem Sand. Anker Ade: Die Segler lösten die Ankerkette und ließen den Stahlkoloss auf dem Meeresboden zurück. Ohne die Last des schweren Ankers schipperte das Boot weg vom Strand, in tiefere Gewässer.

Geschafft: Anschließend holten die Weltumsegler mit ihrem Beiboot noch den Anker zurück und machten sich auf den Weg nach Lagos. „Wir haben auf jeden Fall einige Tage gebraucht, um das psychisch zu verarbeiten“, sagt Jonas Manke. Allerdings habe der Schock auch gute Seiten. „Wir haben etwas dazugelernt und wissen nächste Mal, was zu tun ist.“

Eine Corona-Infektion hatten die Drei auch schon auf ihrem Boot zu überstehen. Dafür sind sie auch schon mit Delfinen geschwommen. In der Marina Rünthe startete die Reise.

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