„Es ist schlimmer geworden“

Wellenbad-Parkplatz in Bergkamen: Anwohner klagen über Lärm durch Autoposer

Anwohner Parkplatz Häupenweg Bergkamen
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Anwohner des Wellenbad-Parkplatzes am Häupenweg fordern mehr Präsenz der Ordnungsbehörden zum Schutz gegen den Lärm, den Autoposer mit und in ihren Fahrzeugen verursachen.

Der Wellenbad-Parkplatz in Weddinghofen ist kein Autoposer-Hotspot. Diese Einschätzung der Polizei stößt Anwohnern sauer auf. Weil sie suggerieren könnte, dass es gar keine Probleme mit dieser Szene gibt. Dem sei aber so, heißt es. Die Belastungen gerade in den Abend- und Nachtstunden seien schier unerträglich.

Bergkamen – Sie wollen nicht falsch verstanden werden. „Die jungen Menschen, die sich hier treffen, stören uns überhaupt nicht“, sagt Karl-Heinz Fahrendorf, einer der Anwohner des Wellenbad-Parkplatzes. „Was uns stört, ist, wenn sie ihre Motoren aufheulen lassen, mit höchster Drehzahl und quietschenden Reifen losfahren, ihre Musik bis zu uns in die Wohnzimmer dringt – wenn sie mutwillig Lärm verursachen.“

Fahrendorf wohnt seit 50 Jahren am Häupenweg. In dieser Zeit sei es schlimmer geworden, sagt er. „Früher hatten die jungen Leute ja allenfalls ein Mofa.“ Heute führen sie mit teuren getunten Edelkarossen vor und hätten teils das intensive Bedürfnis, sich vor den anderen zu inszenieren.

Ich habe leider den Eindruck, dass hier erst etwas Schlimmeres passieren muss, ehe sich wirklich etwas ändert.

Eberhard Jantz, Anwohner

Nachbarin Petra Wemmert berichtet, dass die Ruhestörungen zuletzt wieder zugenommen haben – besonders an Wochenenden. Sie sorgt sich vor allem auch um die Verkehrssicherheit vor ihrer Haustür. Oft werde das Stoppschild am Häupenweg nicht beachtet, teils lieferten sich Autofahrer auf dem Häupenweg Rennen, wobei eines der Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn unterwegs sei – selbst auf Höhe der Mittelinsel für Fußgänger.

Qualmende Autoreifen

Fahrendorf ist nicht gerade ängstlich. Schon häufiger ist er auf die jungen Menschen zugegangen, von denen er sich belästigt fühlt. „Zum Teil sind sie dann auch einsichtig“, berichtet er. Auf der anderen Seite werde ihm auch schon mal der Mittelfinger entgegengestreckt. „Und mir sind schon einmal Schläge angeboten worden“, schildert Petra Wemmerts Ehemann Herbert.

Die Fahrzeuge der Autoposer tragen UN- und LÜN-Kennzeichen, teils seien sie in Hamm und Dortmund angemeldet, heißt es. Anlieger Eberhard Jantz berichtet von der Vorliebe einiger Szene-Angehörigen, sogenannte Donuts zu drehen: mit dem Wagen auf der Stelle zu kreisen und – wenig umweltfreundlich – die Reifen qualmen zu lassen. Im Umfeld des Parkplatzes finden sich in der Tat ungewöhnliche Bremsspuren auf dem Asphalt.

Ihre Beobachtungen behalten die Anwohner nicht für sich. Ihre Anrufe beim Ordnungsamt der Stadt sowie bei der Polizei seien vielzählig, heißt es. Die Behörden würden auch immer reagieren. Allerdings: Wenn sie dann vor Ort seien, sei der Spuk oft schon wieder vorbei oder er werde unterbrochen. Fahrendorf: „Dann geht’s eine halbe Stunde später weiter.“ Petra Wemmert sagt: „Wir sind es schon fast leid, jedes Mal die Polizei zu rufen.“

Gefühl der Ohnmacht

Vor einigen Jahren hatte die Stadtverwaltung Sperren auf dem Parkplatz aufgestellt und Schwellen eingebaut, um Rennen dort zu verhindern. Eine wirksame Maßnahme, heißt es bei den Anwohnern. Allerdings nicht ausreichend.

Sein Vorschlag, die Fläche über Nacht zu sperren, sei abgelehnt worden, berichtet Fahrendorf. „Ich hatte mich auch angeboten, abends ab- und morgens aufzuschließen.“

Anwohner Rita Zweihoff schildert, sie zögere bisweilen schon, die Behörden bei Ruhestörungen zu verständigen – weil es oft nur heiße, man gebe ihr Anliegen weiter und dann allenfalls zeitversetzt reagiert werde. Im Grunde aber könne nur eine stärkere Präsenz von Ordnungskräften für Abhilfe sorgen. In diesem Punkt sind sich die Anwohner einig.

Der Parkplatz am Häupenweg ist beliebter Treffpunkt motorisierter Menschen. Am Morgen danach liegt oft reichlich Müll auf der Fläche.

Im Kampf gegen den Lärm fühle man sich regelrecht ohnmächtig, sagen die Betroffenen. Resignieren aber wollen sie trotz begrenzter Einflussmöglichkeiten nicht. Eberhard Jantz sagt: „Ich habe leider den Eindruck, dass hier erst etwas Schlimmeres passieren muss, ehe sich wirklich etwas ändert.“

Die Stadt ist in Sachen Wellenbad-Parkplatz auch aktiv, weil er regelmäßig vermüllt ist, zum Beispiel Fast-Food-Verpackungen aus Autos geworfen werden. Ordnungsamt und Polizei berichten beide, dass sie die Fläche besonders im Blick haben.

Petra Wemmert sagt: „Die jungen Menschen, die sich hier zum Klönen treffen – da hat kein Mensch was dagegen. Wir waren auch mal alle in diesem Alter.“ Die Lärmbelästigungen aber seien unzumutbar – ob Autoposer-Hotspot oder nicht.

Vor einigen Tagen berichtete der WA über den vielen Müll auf dem Parkplatz und auch darüber, dass die Fläche ein beliebter Treffpunkt junger Autofahrer ist. Letzteres hatte ein Polizei-Sprecher bestätigt. Von einem besonderen Brennpunkt wollte er dabei allerdings nicht sprechen.

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