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Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser: Was Bergkamen plant

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Von: Bernd Kröger

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Land unter an der Rotherbachstraße. Auslöser war laut SEB ein Extremregen der Stärke 8 auf der Zwölferskala. Es fielen zuerst 70 bis 80 Liter binnen zwei Stunden pro Quadratmeter, binnen 24 Stunden 80 bis 100 Liter. Dagegen gebe es keinen Schutz. Die Feuerwehr tat ihr Möglichstes und erfährt mit allen Helfern großen Dank dafür.
Land unter an der Rotherbachstraße. Auslöser war laut SEB ein Extremregen der Stärke 8 auf der Zwölferskala. Es fielen zuerst 70 bis 80 Liter binnen zwei Stunden pro Quadratmeter, binnen 24 Stunden 80 bis 100 Liter. Dagegen gebe es keinen Schutz. Die Feuerwehr tat ihr Möglichstes und erfährt mit allen Helfern großen Dank dafür. © Kröger

Erste Bilanz nach dem Hochwasser im Rat: Die Verwaltung kündigt eine Sondersitzung zu weiteren Maßnahmen an. Die geforderte Bürger-Info wird‘s nicht geben.

Bergkamen – In einer Sondersitzung des Betriebsausschusses als Fachgremium für den städtischen Entwässerungsbetrieb SEB soll voraussichtlich im Februar genauer erörtert werden, mit welchen Maßnahmen der Hochwasserschutz in Bergkamen verbessert werden kann. Das hat SEB-Leiter Marc Alexander Ulrich angekündigt, als sich der Stadtrat am Donnerstag eingehend mit den Schadensereignissen beim Starkregen am 14. Juli und den Erkenntnissen daraus beschäftigte.

Eingabe des Aktionskreises angewiesen

Die öffentliche Sitzung biete allen Bürgern die Gelegenheit, sich aus erster Hand zu informieren, betonte Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD) bei dieser Gelegenheit. Denn zuvor hatte der Haupt- und Finanzausschuss mehrheitlich, und im Sinne der Verwaltung, das Ansinnen des Arbeitskreises Wohnen und Leben zurückgewiesen, im zweijährigen Turnus reihum in jedem der sechs Ortsteile verpflichtend eine Bürgerinformation zur jeweiligen Hochwasserlage abzuhalten.

Interaktive Starkregenkarte kommt

In der besagten Ausschusssitzung will die Verwaltung auch die angekündigte Starkregenkarte vorstellen. „In dem System kann dann jeder online unter seiner Adresse prüfen, welche Hochwasserszenarien es dort gibt“, kündigte Ulrich an. Zudem werde der Lippeverband vorstellen, welche konkreten Maßnahmen an mehreren Pumpwerken im Stadtgebiet erfolgen sollen, damit sie beim nächsten schweren Unwetter besseren Schutz bieten können.

Lippeverband rüstet auf

Es gehe unter anderem um eine unabhängige Stromversorgung für den Fall, dass die Stadtwerke überflutete Bereiche vom Netz nehmen müssen, wie im Juli geschehen. Teils werde die Förderleistung erhöht. Wie berichtet will der Verband kurzfristig am besonders hochwasseranfälligen Kuhbach neuen Flutraum schaffen.

Klärungsbedarf am Wieckenbusch

Auch die Verhältnisse am übergelaufenen Teich am Wieckenbusch sollen bei dieser Gelegenheit dargelegt werden. „Das ist ein Gewässer der RAG“, betonte der Dezernent. Denn in der überfluteten Blumensiedlung waren Klagen aufgekommen, es handle sich faktisch um eine vom Bergbau geschaffene Rückhaltung, die von der Stadt nur vernachlässigt und funktionsuntüchtig geworden sei. „Für uns ist das ein Teich.“ Im Übrigen hätten die Schäden damit zu tun, dass die Gräben mit Grünschnitt verstopft gewesen seien.

RAG im Fokus, aber nicht dabei

Die RAG wird bei der Gelegenheit übrigens nicht mit am Tisch sitzen. Sie steht für die Bergsenkungen und Teile des Pumpennetzes in der Verantwortung, ist aber im Begriff, Hebeanlagen an den Lippeverband zu übertragen. „Die RAG kommt grundsätzlich nicht in solche Veranstaltungen“, antwortete Ulrich auf die entsprechende Nachfrage von Claudia Schewior. In deren BergAuf-Fraktion steht die Ruhrkohle eh im Dauerfeuer. Auch der Aktionskreis hadert generell mit dem Bergbau und speziell mit dem Umstand, dass er die Einladung des Vorsitzenden Karlheinz Röcher zu einer Info-Veranstaltung in Sachen Hochwasser ausgeschlagen hat – wie bekanntlich auch die Stadt. Daraus resultiert auch die Eingabe für regelmäßige Bürgerinformationen.

Nur 14 konkreten Anfragen beim SEB

„Das ist nicht zielführend“, urteilte Marc Alexander Ulrich indes über diesen Vorstoß. Sinnvoller sei es, mit den politischen Gremien öffentlich nachvollziehbar über konkrete Anforderungen und Maßnahmen zu erörtern. „Pauschale Veranstaltungen über abstrakte Gefahren helfen nicht weiter und führen meist nur zu Kreuzigungen.“ Zudem setze der SEB auf die gezielte Beratung der Hauseigentümer. „Nach dem Starkregen haben uns aber nur 14 solcher Anfragen erreicht“, so Ulrich und folgerte: „Die Bürger sind besser informiert, als der Arbeitskreis glaubt.“ Die Stadt sei nicht verpflichtet, „solche privaten Veranstaltungen“ zu bedienen und müsse mit Personal haushalten.

Im Namen der CDU nannte Thomas Eder „enttäuschend, dass die Verwaltung nicht Rede und Antwort gestanden hat.“ Grünen-Sprecher Thomas Grziwotz appellierte, solche Einladungen im Interesse der Bürger doch „wohlwollend zu prüfen.“

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