Jugendamt stellt Pläne vor

Weiterhin zu wenige Kita-Plätze in Bergkamen – doch das soll sich bald ändern

Die neue Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt an der Berliner Straße in Weddinghofen soll zum August eröffnen – und helfen, die aktuelle Unterversorgung mit Betreuungsplätzen zu minimieren.
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Die neue Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt an der Berliner Straße in Weddinghofen soll zum August eröffnen – und helfen, die aktuelle Unterversorgung mit Betreuungsplätzen zu minimieren.

In Bergkamen gibt es seit Langem zu wenige Kita-Plätze. Mit dieser Unterversorgung soll es aber binnen der nächsten zwei Jahre vorbei sein, zumindest im Bereich der Kinder ab drei Jahren. Das betonte Beigeordnete Christine Busch am Dienstag im Jugendhilfeausschuss. Was der erhofften Entwicklung allerdings wenig dienlich sei: Der Trend zu längeren Betreuungszeiten halte unvermindert an.

Bergkamen – Elternhäuser können für ihren Nachwuchs drei unterschiedliche Betreuungszeiten buchen. Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) in NRW, das auch Grundlage der Finanzierung der Einrichtungen ist, sieht vor, dass etwa die Hälfte der Kinder 35 Stunden in der Woche betreut wird und jeweils ein Viertel 25 oder 45 Stunden.

Tatsächlich gibt es in Bergkamen aber einen ausgeprägten Trend zu den ausgedehnteren Zeiten und damit auch zu den für die Stadt teuersten Angeboten. Zu starke Abweichungen von den Vorgaben jedoch würden mit geringeren Zuweisungen vom Land quittiert, hieß es. Am Ende bestehe die Gefahr, dass weniger Kita-Plätze vorgehalten werden könnten.

Laut Jugendamtsleiter Ludger Kortendiek versucht die Verwaltung, darauf hinzuwirken, dass Familien nur die Betreuungszeiten buchen, die sie auch wirklich benötigen. „Es geht nicht darum, den Eltern freie Zeit zu organisieren, sondern um die Betreuung von Kindern“, betonte er im Ausschuss. Mitunter aber seien Kinder in einer Kindertagesstätte besser aufgehoben, auch wenn eine Betreuung zu Hause theoretisch möglich wäre.

Die Situation im Bereich „U3“ und „Ü3“ stellt sich nach Angaben der Verwaltung unterschiedlich dar:

So sieht‘s aus bei den Unter-Dreijährigen:

Hier liegt die Stadt noch unter der landesweiten Betreuungsquote von 29,2 Prozent, räumte Busch ein. Für das übernächste Jahr peile man aber einen Wert von 36 bis 37 an. Neue U3-Plätze (in den Gruppenformen 1 und 2) wurden aktuell in der Awo-Kita „Schatzinsel“ geschaffen und demnächst auch in der Awo-Kita an der Berliner Straße. Die soll zum August mit vier Gruppen in Betrieb gehen. Auch bei Tagesmüttern und in der Großtagespflege soll’s weiterhin Betreuungsmöglichkeiten geben.

Die Großpflegestelle „Beos“ an der Albert-Schweitzer-Schule, die im April 2020 ausgebrannt ist, soll wieder aufgebaut werden und noch in diesem Jahr in Betrieb gehen. „Auch liegt die Bewerbung eines freien Trägers vor, der in Mitte eine Wohnung oder ein Häuschen für eine Großtagespflege sucht“, berichtete Busch. Überdies habe sie beim Investor des Berg-Karrees Interesse an zwei Wohnungen für die Großpflegestelle angemeldet.

In den Kindertagesstätten soll es zum Kindergartenjahr 2021/22 insgesamt 286 Betreuungsplätze für Unter-Dreijährige geben, verteilt auf dann 24 Einrichtungen.

Die Situation bei den Über-Dreijährigen:

Hier gibt es laut Busch aktuell ein rechnerisches Defizit von 168 Plätzen. Im kommenden Kita-Jahr sollen bei insgesamt 1451 Plätzen nur noch 33 Plätze fehlen, wodurch die Versorgungsquote von derzeit 88,6 auf dann knapp 98 Prozent steigen soll. Sollte die tatsächliche Nachfrage geringer sein, könne man nahezu von einer Vollversorgung sprechen, so Busch. Überdies gebe es auch hier Betreuungsmöglichkeiten im Bereich von Tagesmüttern. Im Kinderhort der Friedenskirchengemeinde stehen überdies 15 Plätze zur Verfügung. Neue Ü3-Plätze sollen unter anderem in der Johanniter-Kita an der Sugambrerstraße entstehen. „Der Träger möchte erweitern“, berichtete Busch.

Bedarfsermittlung – nicht eben einfach:

Die jahrelange Unterversorgung in Bergkamen resultierte nicht zuletzt aus dem Glauben an Prognosen. So hatten die Statistiker der Stadt ein deutliches Minus bei der Zahl der Einwohner vorhergesagt, doch das blieb aus. Kommt hinzu, dass Planungen gerade im U3-Bereich ohnehin schwierig sind. Zwischen Geburt und möglichem Eintritt in eine Kita vergehen teils nur wenige Monate. Die Schaffung neuer Plätze dauert gewöhnlich länger.

Umso erfreuter zeigte sich Busch über die aktuelle Entwicklung. Die Beigeordnete warnte im Ausschuss aber auch vor einer möglichen Überversorgung. Kita-Plätze vorzuhalten, die frei bleiben, führe zu unnötigen finanziellen Belastungen der Stadtkasse. „Wir müssen hier eine gute Balance finden.“

So soll‘s weitergehen:

Bei den künftigen Planungen sei nicht nur darauf zu achten, wie viele Plätze vorgehalten werden müssen, betonte Busch, sondern auch wo. Würden Baugebiete entwickelt wie etwa auf dem sogenannten Erdbeerfeld in Oberaden oder in der künftigen Wasserstadt, werde immer auch mitgedacht, ob neue Familien nach Bergkamen zögen oder es zu „Binnenwanderungen“ komme. In Rünthe etwa könnten die Kita-Plätze knapp werden, weil es in den Zechensiedlungen zu einer Art Generationswechsel komme. „Die Häuser dort mit ihren großen Gärten sind für Familien sehr attraktiv.“

Das Jugendamt schaut laut Busch nicht nur darauf, wo neue Kita-Plätze geschaffen werden könnten und müssten, sondern auch, auf welche Einrichtungen man im Zweifel verzichten kann. Hier nannte sie explizit jene an der Lessingstraße und an der Schulstraße. Bei diesen Überlegungen, betonte Busch, habe man ausschließlich die Lage und die bauliche Substanz von Gebäuden im Blick, nicht die inhaltliche Arbeit des Trägers. „Da gehen wir davon aus, dass sie gut ist.“

Das sagt die Politik:

Im Ausschuss gab’s am Ende große Zustimmung zu den Planungen für das Kita-Jahr 2021/22. „Wir sehen jetzt endlich Licht am Ende des Tunnels“, kommentierte etwa Julian Deuse (SPD) die Entwicklung. Der Dank der Politik richtete sich nicht nur an die Verwaltung, sondern auch an die Träger und den Tagesmütterverein in Bergkamen. Einzig die Vertreterin von BergAUF votierte gegen die Planungen der Stadt – mit Hinweis darauf, dass man das gesamte KiBiz ablehne.

Die Pläne für die städtischen Kitas:

Schon in der jüngsten Ratssitzung hatte Busch auf Bitten von BergAUF erläutert, wie’s aktuell um die drei städtischen Kindertagesstätten bestellt ist.

  • Demnach waren die Arbeiten zur Erweiterung der Kita „Mikado“ im Januar ausgeschrieben worden. Zwar werde der Stichtag der Fertigstellung Ende Juli wohl überschritten, unter Zeitdruck gerate man aber nicht, weil der Landschaftsverband die Betriebserlaubnis für die fünfte Gruppe zunächst um ein Jahr verlängert habe.
  • Für die geplante Umbaumaßnahme sowie Installation einer neuen Küchenausstattung in der Kita „Sprösslinge“ existiere eine Vorplanung. Die im Haushalt bereitgestellten Mittel würden indes nicht ausreichen. Nach abschließender Beratung solle die Maßnahme aber zeitnah umgesetzt werden.
  • Die erforderliche Erweiterung der Kita „Tausendfüßler“ werde wegen anderer Aufgaben zunächst zurückgestellt, heißt es. Wenn sich die zeitliche Möglichkeit zur Umsetzung ergebe, könne auf die vorliegende Machbarkeitsstudie zurückgegriffen werden.

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