Erste Bilanz des Jobcenters

Jeder fünfte Ausbildungsplatz wegen Corona weggebrochen, doch Bewerber haben Chancen

Zum Ausbildungsstart gibt es sowohl noch unversorgte Bewerber als auch Ausbildungsstellen, die nicht besetzt sind.
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Zum Ausbildungsstart gibt es sowohl noch unversorgte Bewerber als auch Ausbildungsstellen, die nicht besetzt sind.

Die Corona-Pandemie und die Lockdowns haben den Ausbildungsmarkt im Kreis Unna im Frühjahr mitten in der Bewerbungsphase ausgebremst und teils zum Erliegen gebracht. Persönliche Berufsberatungen und entsprechende Messen und Veranstaltungen konnten nicht stattfinden. Dennoch gibt es zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres noch gute Chancen, spontan eine Ausbildungsstelle zu bekommen.

Kreis Unna – Seit 1978 beschäftigt sich Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Unna, mit dem Ausbildungsmarkt. „Bergkamen und Lünen waren schon immer ein schwieriges Pflaster“, sagt der Fachmann mit dem Blick auf das Angebot und die Nachfrage aus Ausbildungsplätzen in beiden Städten.

„Nur zehn Bewerber auf neun freie Plätze“

„Die Anzahl der Plätze müsste deutlich höher sein als die Anzahl der Bewerber, sonst hat man im klassischen Sinn keine Auswahl. Ideal wäre es, wenn auf zehn Bewerber 15 Stellen kommen. Wir haben aber eher neun Stellen, die auf zehn Bewerber kommen, also gibt es Handlungsbedarf“, rechnet Uwe Ringelsiep vor. Rund 1200 Ausbildungsplätze in der Region seien im vergangenen Jahr durch die Folgen der Corona-Pandemie weggefallen. „Das sind etwa 20 Prozent aller angebotenen Plätze“, sagt Uwe Ringelsiep.

Um die offenen Plätze zu besetzten, waren Mitarbeiter des Jobcenters vor den Ferien an vielen der 49 weiterführenden Schulen mit Entlassklassen im Kreisgebiet unterwegs. Dabei sei sicher eine gewisse Zahl an Jugendlichen erreicht worden, sehr wohl gebe es aber noch etliche unversorgte Bewerber, weiß der Experte. Dem gegenüber stehen Ausbildungsstellen, die noch nicht besetzt sind. Überdies gebe es große Unterschiede in der Nachfrage nach bestimmten Berufen. „Der Bankkaufmann ist deutlich gefragter als die Ausbildung zum Fleischer.“

„Rufen Sie kurzfristig an“

Insgesamt hat die Pandemie zu einem Defizit an Berufsberatungen geführt. Auch die Besuche in den Einrichtungen, die wegen der Coronavirus-Infektionszahlen erst kurz vor dem Ende des Schuljahrs realisierbar wurden, konnten letztlich nur eine begrenzte Zahl an Schülern erreichen.

Für alle, die die Schule jüngst verlassen haben und kurzfristig eine Ausbildung beginnen möchten, hat Ringelsiep ein Angebot: „Rufen Sie kurzfristig bei der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter an und Sie bekommen kurzfristig einen Termin. Gemeinsam können wir viel schaffen!“ Eine gewisse Flexibilität bei der Berufswahl und dem Ort der Ausbildung könne dabei hilfreich sein. Aktuell sehe die Situation im Kreis Coesfeld beispielsweise positiv aus, dort gebe es noch mehr Ausbildungsplätze als Bewerber. „Da bleibt was über und auch dahin können wir vermitteln, da müssen wir nur Lösungen finden“, sagt Ringelsieb.

Grundsätzlich wäre es ideal, so der Geschäftsführer des Jobcenters, wenn Jugendliche, die noch ein oder zwei Jahre lang zur Schule gehen, sich schon einmal einen Termin in der Arbeitsagentur oder beim Jobcenter holen, um sich beraten zu lassen. „Da dürfen gern die Eltern oder Freunde mitkommen“, so Ringelsiep.

Mobilität und Flexibilität gefragt

Ein frühes Gespräch könne bei der Orientierung helfen. Dabei gehe es beispielsweise um die Frage, ob beim Interessenten wirklich nur ein oder zwei Berufe infrage kommen könnten, die es in der Region dann vielleicht gar nicht gibt. Dann sei Mobilität gefragt. Oder der Berufswunsch würde neu überdacht. „Vom Bankkaufmann zum Fleischer wird in der Regel nicht gehen, aber es gibt noch andere Jobs im Büro oder im Lebensmittelhandwerk. Genau daher ist eine Beratung hilfreich, um individuelle Lösungen zu finden“, meint Ringelsiep.

Über das Gesprächsangebot hinaus könnten Tests durchgeführt werden, mit denen sich schnell sagen lasse, ob der Berufswunsch körperlich und intellektuell erreichbar sei. Zudem sei es möglich, eine Ausbildung außerhalb der Region zu vermitteln und diese dann finanziell zu unterstützen, weiß der Jobcenter-Chef.

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