Wandern ist seine Passion

„Da hat’s mich gepackt“: Klaus Lukat aus Bergkamen ist seit 35 Jahren SGV-Vorsitzender

Zwischen Natur und Industriekultur: Die Lieblingsroute des SGV-Vorsitzenden Klaus Lukat hat neben dem Kraftwerk Heil auch den Beversee und die Lippeauen (Bild) im Angebot.
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Zwischen Natur und Industriekultur: Die Lieblingsroute des SGV-Vorsitzenden Klaus Lukat hat neben dem Kraftwerk Heil auch den Beversee und die Lippeauen (Bild) im Angebot.

Immer unterwegs an der frischen Luft, vorbei an den Naturschätzen der Region – das Wandern ist gerade in der Corona-Pandemie immer mehr in Mode gekommen. Erster Ansprechpartner für das Thema ist der Sauerländische Gebirgsverein.

Bergkamen – Die sinkenden Coronazahlen soll bald auch wieder das Wandern in der Gruppe möglich machen. Grund genug, sich die Aktivitäten des Vereins mal etwas genauer anzuschauen.

„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, heißt es bei Udo Jürgens. „Ich bin jetzt Rentner, da kann ich mich ja voll ins Ehrenamt, in die Vereinsarbeit reinknien“, nimmt Klaus Lukat, Vorsitzender des Sauerländischen Gebirgsvereins (SGV) Kamen/Bergkamen, den Takt auf. Der Bergkamener hat 65 Lebensjahre hinter sich, geht ins besungene 66.

Klaus Lukat ist seit 35 Jahren erster Vorsitzender der Ortsgruppe Kamen/Bergkamen des Sauerländischen Gebirgsvereins.

Ernst meint der Vorsitzende seine Aussage übrigens nur bedingt. Schließlich arbeitet er schon seit mehr als 35 Jahren an der Spitze des Vereinsvorstands. Lukat macht es gerne, betont aber, nicht am Posten zu kleben. Es sei im SGV nur so wie in vielen Vereinen. Eben, dass niemand den Hut aufsetzen möchte. „Auch wenn das gar nicht so viel Arbeit ist.“

Vor allem im Moment nicht. Corona hat auch die Aktivitäten in Bergkamen auf Null gesetzt. Naja, fast: „Wir haben die Zeit genutzt, unsere Kamener Hütte zu renovieren“, erzählt der Vorsitzende. Die ehemalige Jagdhütte – im Naturschutzgebiet Dollenbruch zwischen Sauer- und Siegerland gelegen – ist ursprünglich aus dem Jahr 1923 und inzwischen seit fast 60 Jahren in Vereinspacht. „Da ist dann so eine Außenschalung aus Fichtenholz schon mal auf“, beschreibt Lukat den Fassaden-Tausch zu witterungsbeständigerer Lärche.

Sechs Mitglieder mit Kettensägen-Erfahrung

Arbeitseinsätze an der Hütte in Kirchhundem-Brachthausen im Kreis Olpe sind ein Magnet vor allem für die jüngeren der 160 Mitglieder des Vereins. Zum Beispiel fallen bezahlte Durchforstungsarbeiten für den Kreis Olpe an. „Wir haben sechs Mitglieder mit Kettensägenschein, die verdienen unter anderem damit das Gas fürs Warmwasser, vom Förster gibt es Holz für den Ofen“, so Lukat. Oder es geht um die Pflege der Wacholderheide im Naturschutzgebiet – der Aufenthalt im Sauerland bringt die Städter mitten in die Natur und somit zum Ursprung des SGV.

1919, direkt nach dem Ersten Weltkrieg, wurde der damalige SGV Hellweg-Lippe gegründet. „Die Menschen, die die von Granaten umgepflügten Schlachtfelder in Frankreich überlebt hatten, wollten wieder das Grün der Bäume sehen, einfach raus in die Natur“, mutmaßt Lukat über die Intention seiner Vorgänger.

Die Natur pur genießen, das sei heute immer noch das Ziel. „Die Hütte ist einfach aufgebaut, hatte bis vor ein paar Jahren noch ein Plumpsklo, jetzt eine biologische Dreikammer-Kläranlage“, erklärt er. Zwölf Schlafplätze hat die Hütte. „Wir fahren aber oft zu mehr Leuten hin, dann schlafen welche im Auto“, betont Lukat die Beliebtheit der Exkursionen.

Wandern ist zwar Trend, aber die meisten machen es individuell. Dabei macht das Wandern in der Gruppe sehr viel mehr Spaß.

Klaus Lukat, SGV-Vorsitzender

Mit etwas Wehmut denkt er an Hüttenfeste und Orientierungswanderungen dort zurück. „Wir waren auch 1985 mit 60 Kindern auf der jugoslawischen Insel Krk“, erinnert sich der Vorsitzende. Inzwischen liegt der Altersschnitt bei 55 Jahren. Immer noch jung für eine Ortsgruppe im SGV.

„Wandern ist zwar Trend, aber die meisten machen es individuell“, bedauert Lukat. „Dabei macht das Wandern in der Gruppe sehr viel mehr Spaß.“ Normalerweise, wenn nicht gerade Pandemie ist. „Die letzte Wanderung habe ich im September rund um Unna-Massen gemacht“, erinnert sich der Vorsitzende, „danach ging nichts mehr“.

Einen Aderlass an Mitgliedern hätte es trotzdem nicht gegeben. „25 Euro Beitrag im Jahr, 12,50 Euro als Familienmitglied – da kann man nicht viel einsparen.“ Trotzdem wäre es nun an der Zeit, sich mal wieder zu sehen.

Großes Hüttenfest geplant

Der zweite Vorsitzende und Wanderführer Dieter Becker wollte eigentlich diesen Sonntag wieder starten. Weil die Inzidenz aber stabil unter 50 liegen muss, wird das wahrscheinlich noch nichts. „Ich selbst werde Ende Juni das zweite Mal geimpft. Dann werde ich wohl die Mittwochswanderungen wieder aufleben lassen“, sagt Klaus Lukat.

Und wenn es möglich sein wird, will der Verein im kommenden Jahr, wenn die Pachtverlängerung der Kamener Hütte nach dann 60 Jahren ansteht, ein großes Hüttenfest feiern.

Die Ortsgruppe wandert heutzutage überwiegend in der Umgebung von Bergkamen und Kamen. „Früher waren wir auch in den Alpen aktiv“, sagt Lukat, „heute bieten wir noch Wanderwochenenden, zum Beispiel den Lahn-Höhenweg oder den Rheinsteig an“. Obwohl viele Namen in der Vorstandsliste des Vereins auf eine Familienzugehörigkeit hindeuten: Die Vererbung der Mitgliedschaft ist nicht zwangsläufig. „Meine Eltern hatten mit Wandern nichts am Hut“, erzählt er. „Ich habe 1975 mit Freunden eine Bulli-Tour durch Frankreich gemacht. Einer von ihnen war beim SGV und hat mich zu einer Orientierungswanderung mit Kompass und Karte eingeladen. Da hat’s mich gepackt.“

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