Vorfall in der S30 zwischen Dortmund und Bergkamen

Während der Fahrt: Busfahrerin lässt nicht vom Handy ab

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Bergkamen – „Bitte während der Fahrt nicht mit dem Fahrer reden!“ In etwa so steht es vorn am Cockpit, damit die Passagiere den Menschen am Buslenkrad nicht von der Arbeit ablenken. Das kann schnell gefährlich werden. Das Risiko hielt eine Fahrerin der VKU offenbar nicht davon ab, selbst während der Fahrt das Gespräch zu suchen – verbotenerweise am Handy.

So schildert es jedenfalls Thorsten Szczyrba, der als Berufspendler Stammgast der Schnellbuslinie 30 zwischen Bergkamen und Dortmund ist. Das Verkehrsunternehmen bestätigt den Vorfall so gegenwärtig nicht. Es hat aber eine formale Anhörung der Fahrerin mit allen arbeitsrechtlichen Konsequenzen für den Fall eingeleitet, dass sich der Sachverhalt bestätigt. Szczyrba wandte sich mit seiner Geschichte nicht nur an die Presse, sondern beschwerte sich zuerst bei der Busgesellschaft des Kreises.

Seine Version des Vorfalls vergangene Woche: Bei der Rückfahrt nach Bergkamen habe er sich gewundert, dass der Bus kurz nach dem Start etwa in Höhe des Harenberg-Centers ungewöhnlich schlenkerte. Dabei sei das Gefährt beinahe auf den Gehweg geraten. „Und ich habe mich gefragt, mit wem sie die ganze Zeit redet“, schildert der Fahrgast seine Wahrnehmung auf einen Platz vorn im Bus. 

Handy eingeklemmt zwischen Ohr und Schulter

Dann habe er gesehen, dass die Fahrerin „unterhalb am Lenker am Tippen“ war, um während der Fahrt zu telefonieren. Das Gerät habe sie zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt. Nach dem ersten Anruf der Frau habe das Handy geklingelt und die Fahrerin das Gespräch angenommen.

Der Bergkamener macht sogar Angaben, worum es im Gespräch gegangen sei: die Abholung eines Wagens aus einem Autohaus. „Der Fahrstil war mächtig eingeschränkt“, sagt Szczyrba. Irgendwann hatte er von den ruckartigen Lenkbewegungen genug. „Ich fühlte mich nicht sicher.“ Nach dem Telefonat habe er die Fahrerin gebeten, das Telefonieren zu unterlassen und an die Sicherheit aller zu denken.

Zentrale verweigert Erlaubnis: Fahrerin telefoniert einfach draußen weiter

Die Frau am Steuer sah das wohl anders. Per Funk soll sie als Nächstes versucht haben, sich von der VKU-Zentrale die Erlaubnis zu holen, am Steuer ein weiteres Telefonat zu führen. Die Sache sei dringend, weil sie ihr Auto aus der Werkstatt holen müsse und sie schon mit zehn Minuten Verspätung unterwegs sei. Die Zentrale habe das verwehrt, schließlich ist das Handy am Steuer verboten.

Laut Szczyrba fand die Fahrerin eine Lösung, die zumindest nach der Straßenverkehrsordnung nicht zu beanstanden ist. An der Weddinghofener Haltestelle „Im Alten Dorf“ sei sie ausgestiegen, um erneut zu telefonieren. Das habe noch einmal sieben bis acht Minuten gedauert, Dabei seien auch andere Mitfahrer aufmerksam geworden, weil es nicht weiter ging. 

VKU untersucht Fall noch

Wie es für die Beschuldigte nun weiter geht, wird die weitere Untersuchung bei der VKU ergeben. Wegen der Schwere der Vorwürfe sei kurzfristig eine Anhörung angesetzt worden, teilt das Unternehmen mit. Es äußert sich aber nicht zu arbeitsrechtlichen Details, da auf die Anhörung ein formales Verfahren folgen könnte. Dabei reichen die Konsequenzen generell von Abmahnung bis Kündigung.

Das Fahrpersonal habe mit der „Dienstanweisung Bus“ schwarz auf weiß, wie derlei Dinge geregelt sind, so Betriebsleiter Ralf Greulich. Handys und Headsets seien verboten. Für dringende Fälle stehe die Freisprechfunktion des Bordrechners zur Verfügung. Der Verkehrsmeister der VKU überprüfe die Einhaltung.

Die VKU habe keine Kenntnis, dass schon mal einer der 300 Mitarbeiter am Steuer wegen dieses Vergehens von der Polizei erwischt wurde. Nach Auskunft der Polizeipressestelle liegt hier bisher keine Strafanzeige vor. Bei einer Ahndung muss die Beschuldigte laut Bußgeldstelle beim Kreis mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt im Verkehrsregister rechnen.

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