Selbsttests an Schulen

Während das Gymnasium noch wartet, hat die Gesamtschule das Testmaterial bereits erhalten

Hand, Tisch, Corona-Test
+
Eine Schülerin träufelt in einem Klassenraum eine Lösung nach einem selbst durchgeführten Corona-Test auf einen Sars-Cov-2-Antigentest. In Kürze sollen auch an Bergkamener Schulen die Selbsttests starten.

Bergkamen – Schon wieder eine neue Herausforderung für die Schulen: In wenigen Tagen müssen sie jetzt die Selbsttests der Schüler vorbereiten. Angesichts steigender Inzidenzzahlen sollen die für mehr Sicherheit sorgen. Wie bereiten sich die Bergkamener Schulen auf die aktuelle Weisung des Schulministeriums in Düsseldorf vor?

Das fragten wir die Schulleiterinnen des Städtischen Gymnasiums und der Willy-Brandt-Gesamtschule. Während das Gymnasium noch auf die Lieferung der Testkits wartet, ist die Gesamtschule am Dienstag bereits beliefert worden.

„Wir haben noch keine Informationen, wann das Testmaterial eintrifft und wann wir starten können mit den Tests“, sagt Bärbel Heidenreich, Schulleiterin des Städtischen Gymnasiums Bergkamen. „Wir haben nur die neunseitige E-Mail der Schulministerin, wie das alles laufen soll.“ Zurzeit werde überlegt, wie die Testungen umgesetzt werden sollen. „Das ist sehr aufwendig.“

Unklar sei, ob das Testmaterial noch in dieser oder erst in der kommenden Woche eintrifft. Zudem müssen noch die Eltern informiert werden. Der Test ist freiwillig, die Eltern können ihn aber ablehnen und Einspruch einlegen. „Eigentlich freuen wir uns, dass die Kinder wieder im Haus sind und wir mit ihnen sprechen können“, sagt Bärbel Heidenreich, „und mit dem Präsenzunterricht den Familien ein Stückchen Normalität bieten können, um sie endlich ein bisschen zu entlasten.“

Tests bergen auch ein Infektionsrisiko

Nun sollen die Kinder unter Aufsicht der Lehrer die Tests selbst durchführen. „Wenn ich mir die Anleitungen anschaue, dann ist es mir ein Rätsel, wie ein Fünftklässler das machen soll.“ Ein weiterer Kritikpunkt: Die Tests finden in den Klassenräumen statt. „Es wäre besser, wenn es eine Teststation auf dem Schulhof gäbe, bevor alle in den Klassen zusammenkommen, das ist aber nicht möglich.“

In den Klassenräumen müssen die Schüler für den Test ihre Masken absetzen, sich schneuzen und dann den Test durchführen. Das sei aber genau der Moment, wo die Kinder ohne Maske sind und auch eine höhere Infektionsgefahr bestünde, findet Heidenreich. Eine Alternative wäre aus ihrer Sicht gewesen, alle Schüler wie die Lehrer mit passenden FFP2-Masken auszustatten, das hätte großen Schutz bedeutet und wäre auch gut umsetzbar.

„Die Lehrer sollen den Selbsttest überwachen, aber niemand macht sich Gedanken, was passiert, wenn wir positive Testergebnisse haben? Das hat auch psychologische Auswirkungen. Die Kinder gehen darüber ja nicht so locker hinweg und machen dann normal weiter Unterricht, wenn ihre Mitschüler ein positives Ergebnis haben und aus dem Unterricht entfernt werden müssen.“

Fehlerquote macht zusätzliche Tests beim Arzt nötig

Da gebe es natürlich auch eine hohe Fehlerquote. „Die Falsch-Positiv-Rate liegt meines Wissens bei acht Prozent. Kinder mit einem positiven Ergebnis müssen dann erneut bei Haus- und Kinderärzten getestet werden“, so Bärbel Heidenreich.

Einen Schritt weiter ist da schon die Willy-Brandt-Gesamtschule. Sie hat am Dienstag ihre Testkits erhalten, bestätigt Schulleiterin Jennifer Lach. „Derzeit zählen wir 1100 Tests einzeln ab für die einzelnen Klassenstärken.“ Bis 22 Uhr hat sie sich am Montag ein Prozedere überlegt, um keine Zeit zu verlieren. „Wir müssen bis Freitag die erste Hälfte testen, denn im Wechselunterricht sind in der nächsten Woche andere Schüler vor Ort. Deshalb werden am Mittwoch und Donnerstag die Schüler von ihren Lehrern aufgeklärt, wie genau sie den Test durchführen müssen, damit es am Ende auch verlässliche Ergebnisse gibt.

Weil das ganze Prozedere nicht so einfach ist, hat die Schulleiterin auf der Schulhomepage ein Video vom Testhersteller Roche eingestellt, wo genau gezeigt wird, wie der Test durchgeführt werden muss. Den sehen sich die Schüler dann auch mit ihren Lehrern an und bekommen eine Einweisung, bevor am Freitag dann der Praxistest kommt. „Getestet wird im vorderen Bereich der Nase, je fünfmal Abstreichen in jedem Nasenloch“, verrät Jennifer Lach.

Wie schaffen Fünftklässler das?

Wie viele Schüler den komplizierten Testablauf, der folgt, dann tatsächlich exakt hinkriegen, ist die große Frage. „Immerhin lernen die Schüler hier schon einmal, wie solche Tests durchgeführt werden, um später auch Tests machen zu können, die für die Teilnahme an sportlichen Aktivitäten nötig sein könnten“, schafft die Schulleiterin Motivation bei den Teenagern. „Natürlich müssen wir bei den älteren Schülern auch mit Widerstand rechnen.“ Bei den Jüngeren sieht sie eher die Problematik, dass sie den Testablauf technisch korrekt hinkriegen.

Bis zum Osterferienstart wären dann vor den Ferien alle Schüler einmal getestet. Wäre es nicht besser gewesen, nach den Ferien die Tests in Ruhe vorzubereiten? „Einerseits ja, andererseits steigen die Inzidenzen, Dortmund schließt gerade wieder die Schulen, und ich verstehe auch Kollegen, die Angst haben sich zu infizieren. Es ergibt ja keinen Sinn, die Tests vorzuverurteilen. Es ist anstrengend, aber darin steckt ja auch eine Chance.“

Christine Busch, Beigeordnete der Stadt Bergkamen, ist als Schulträger bei den Tests nicht mit im Boot. Die Kommunikation läuft zwischen den Schulen und dem Ministerium. „Ich kann vor der Arbeit der Schulen seit einem Jahr nur den Hut ziehen, was sie innerhalb kurzer Zeit immer wieder auf die Beine stellen.“ Es gehe aber nicht nur um die logistische Organisation, die immer wieder gefragt sei, sondern es sei jetzt vor allem eine große psychologische Herausforderung der Lehrer, mit Kindern umzugehen, die positiv getestet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare