Wie radfreundlich ist Bergkamen wirklich? Ein Selbsttest

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Markus Liesegang wagt den Selbsttest: Radfahren in Bergkamen

Bergkamen – Ein „Befriedigend“ in Sachen Fahrradfreundlichkeit – was bedeutet so ein Testurteil wie das vom ADFC in der Realität? Unser Reporter wagt den Selbstversuch.

Ich von meiner Heimatstadt Hamm aufs Rad geschwungen, um zu erfahren, wie es sich so radelt in der Nachbarstadt. Start meines Tests ist Rünthe, vom Hammer Daberg gut über den Radweg am Beverbach oder auch über den Damm des Datteln/Hamm-Kanals zu erreichen. Die selbst gestellte Aufgabe des Ortsfremden: die Ortsteile verbinden.

Rünther Straße. Ab dem Kreisverkehr an der Herz-Jesu-Kirche ist der Radweg mit Markierungsstreifen gekennzeichnet. Der Straßenbelag gut, der Verkehr spärlich. Es ist angenehm, zu fahren. Komisch dann allerdings die Führung der Radfahrer auf den Bürgersteig durch den Wartebereich einer Bushaltestelle. Das bedeutet in der Schulzeit mit Sicherheit ein Ausbremsen des Radlers. Der Grund des „Schlenkers“ ist offensichtlich. Die Straße (Tempo-30-Zone) ist hier künstlich einspurig gemacht. 

Herausforderung Engstellen

Es gibt weitere Engstellen im Straßenverlauf. Ohne Bushaltestelle ist die Idee des Planers, wie sich im Straßenverlauf zeigt, durchaus gut, da der Radfahrer trotz haltender Autos bei Gegenverkehr einfach weiterfährt. Merkwürdig ist die Führung über den Bürgersteig im Bereich der Ampel Kanalstraße. Bei Rot für die Kfz fährt der Radler weiter und trifft möglicherweise auf den Einbiegerverkehr. Gut wie die Fahrbahn ist in jedem Fall die Beschilderung.

Die Radstation am Rathaus Bergkamen.

Ich nehme Fahrtrichtung Marina. Eine „Insel“ hilft beim Überqueren der B233, der Werner Straße. Kurzer Abstecher in die Marina. Das Hafengelände selbst ist als Fußgängerzone ausgeschildert, trotz viel Platz und gähnender Leere. 

Der Hafenweg endet, der kleine rote Pfeil leitet auf den Kanaldamm Richtung am Beversee und Kraftwerk auf der anderen Seite vorbei Richtung Oberaden. Mit Rückenwind gut zu fahren. Bis ein Zaun ausbremst. Das Gelände des ehemaligen Bergwerks Haus Oberaden wird wohl aufbereitet.

Nach dem Radfahren: Pause mit Eis

Weiter geht’s schiebend eine recht steile Fußgängerbrücke zur Jahnstraße hoch. Die ist auch gesperrt. Wie jetzt weiter? Künftig führe der Kanalweg durch bis Lünen, erfahre ich von anderen Radfahrern. Jetzt aber nicht. Eine Information in der Marina, wie es denn aktuell nach Oberaden geht, wäre sinnvoll.

Ich entscheide mich angesichts der nächsten Brücke für einen Kanalseitenwechsel. Runter auf den Damm geht es erkennbar nicht, also nächste Straße links über Königslandwehr, dann Hafenweg. Die Brücke Heiler Kirchweg ist ganz schön weit weg von hier unten. Bestimmt 15 Meter geht es in Serpentinen in die Höhe. Wieder Seitenwechsel, abwärts in den Ort. Kein Radweg, kein Streifen, schlechter Belag, eine unklare Beschilderung. „Hilfe“ kommt von Google Maps – mit Verzögerung, denn auch der Empfang ist mies.

Entscheidung: Richtung Stadtmuseum und dann nach Weddinghofen. Via Veneto bietet ein sehr gutes Eis. Ein Stück weiter die Jahnstraße runter, weist ein Schild den Radweg durch die Felder Richtung Parkfriedhof und Bergkamen. Passt! Den Ortsteil Weddinghofen gibt es wohl nur auf Karten. Das Ende des Lebensweges ist dann auch das Ende der Tour. 

Die Pedale am Fahrrad war wohl nicht richtig verschraubt und verabschiedet sich. Mein Bruder holt mich ab. Zwei Tage später beende ich die Rundfahrt und beginne auf dem Radweg, der Rünthe mit Bergkamen verbindet. Diese „überregionalen“ Radwege sind zumindest bei trockenem Wetter (wassergebundene Decke) gut und zügig zu fahren, umgehen Hauptverkehrsstraßen, sind auch landschaftlich reizvoll. Nach letzter Waldpassage trifft die Justus-Liebig-Straße auf die Fritz-Husemann-Straße.

Und jetzt? Ein genauer Blick lässt auf der gegenüberliegenden Seite den kleinen roten Pfeil erkennen. Verkehrberuhigt geht’s Richtung und durch die Fußgängerzone namens Präsidentenstraße. Ein Hinweis aufs Rathaus suche ich vergeblich und frage. Als Orientierung der Ortsmitte vermisse ich den hässlichen Wohnturm, das Cityhochhaus.

Nur seltene Begegnungen mit weiteren Radlern

Am schon legendären Fahrradstellplatz im Schatten des Verwaltungssitzes neben dem Busbahnhof treffe ich Erika Wollny. Eine auf diesen beiden Touren eher seltene Begegnung mit anderen Radlern. Sie hat eine originelle Begründung, warum sie den Fahrradkäfig nutzt. 

Sie ist keine Pendlerin. Sie wohne um die Ecke und könne das Rad nicht in den Keller runtertragen. Die Nutzung des bequemen wie sicheren Stellplatzes koste sie nur 20 Euro Pfand für den Chip zum Öffnen des Tores.

Erika Wollny parkt ihr Fahrrad an der Radstation am Rathaus Bergkamen. Sie nutzt den sicheren Stellplatz gerne, weil sie zuhause ihr Rad nicht in den Keller tragen könne, sagt sie.

Raus geht’s über die Töddinghauser Straße Richtung Kamen und Sesekeradweg. Je weiter das Stadtzentrum weg ist, desto schlechter wird der Weg für Radfahrer. Erst ist es ein Schutzstreifen, dann rotes Pflaster auf einem Bürgersteig, den Einfahrten zu einer Berg- und Talfahrt werden lassen.

Egal. Hauptsache raus aus Bergkamen. Für mich liegt irgendwie ein Fluch auf der Stadt. Der Panne mit der Pedale folgte ein Platten beim Besuch des ADFC-Landesvorsitzenden Thomas Semmelmann in Rünthe.

Markus Liesegang

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