WA-Mitarbeiterin testet Meditationsform Falun Gong

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Im Wasserpark traf sich die Gruppe zur Falun-Gong-Meditation. Mit dabei war WA-Mitarbeiterin Kim Bußmann.

Bergkamen – Stress im Alltag sorgt bei vielen Menschen für eine Unausgeglichenheit. Die chinesische Meditation Falun Gong soll das innere Gleichgewicht wiederherstellen und für Entspannung sorgen. Ob das auch im Zentrum von Bergkamen möglich ist, hat WA-Mitarbeiterin Kim Bußmann in einem Selbstversuch ausgetestet.

Die Sonne strahlt auf meine Haut, die Augen sind geschlossen, nebenher läuft Musik, Vögel zwitschern und Wasser plätschert. Ich habe das Gefühl, ich könnte tatsächlich in China sein. Dabei stehe ich mitten im Stadtzentrum zwischen Hochhäusern, der Friedenskirche und dem Wasserpark auf einer Wiese. Die Anweisung zum Positionswechsel in die nächste Übung kommt leise von Jufeng Guo, einem Falun-Gong-Praktizierenden aus Lünen. 

„Die Arme nach oben neben die Ohren und drei Minuten halten.“ Ich muss kurz kichern: Drei Minuten die Arme hoch halten? Das schaffe ich sicher nicht. Jufeng Guo geht durch die Runde der Meditierenden und korrigiert die Haltung der Arme. Als er zufrieden ist, geht er zurück an seinen Platz, startet die Musik, und die zweite Übung beginnt mit der ersten Position für alle Übungen: Die Hände werden vor dem Bauch zu einem sogenannten Siegel geformt. „Ihr werdet merken, dass irgendwann die Arme schwer werden, aber nach der Übung werdet ihr nicht erschöpft sein,“ ermutigt Jufeng Guo uns, so lange wie möglich durchzuhalten. 

Kim Bußmann wagte den Selbstversuch und war von der Wirkung überrascht.

Von den Minuten bemerkte ich kaum etwas, zumindest nicht bei der zweiten Position. Bei der dritten Position gehen die Hände vor den Bauch in ein Art Wiegenstellung. Auch dabei gilt wieder: halten, so lange es geht! Langsam merke ich ein Kribbeln in den Schultern und Fingerspitzen. Und obwohl es eine Entspannung sein soll, packt mich der Ehrgeiz. 

Der Partner als Spiegel

Ich bin nun mal die Jüngste in der Gruppe, aber ab der vierten Übung, bei der die Arme auf Scheitelhöhe gehalten werden, muss ich immer wieder die Arme ausschütteln. Als wir die Übung wieder mit dem Siegel beenden, bin ich wirklich überrascht. War meine Vermutung doch, dass das Kribbeln der Arme zu einem erschöpften Muskelkater führen würden fühle ich mich wirklich entspannt, genau so wie es Jufeng Gou erklärt hatte. 

Bisher ist das meine liebste Übung, denn dadurch, dass es simple Armhaltungen sind, fällt es nicht so schwer, den Übungen zu folgen. Das sieht bei Übung drei etwas anders aus. Dabei kommt es vor allem auf Koordination an. Definitiv nicht mein Steckenpferd, immer wieder verhasple ich mich und komme nicht ganz hinterher. 

Jufeng Guo gibt mir einen Tipp: „Es gibt bei uns Yin und Yang. Das eine ist männlich, das andere weiblich. Gegenüber steht ein Mann, der ist wie ein Spiegel.“ Erst bin ich etwas verwundert, doch mein Gegenüber praktiziert Falun Gong seit seiner Jugend und ist wirklich eine Hilfe, im richtigen Moment die richtige Bewegung zu machen. 

Die Sonne wandert langsam. Nur daran bemerke ich, wie viel Zeit vergangen sein muss. Die Übung vier führt zum ersten Mal die Arme hinter den Rücken. Die Übung heißt Himmelskreis und der Körper soll diesen darstellen. Also von den Fußspitzen, die Beine entlang und dann noch um und über den Kopf. Auch dabei merke ich zeitweise ein Kribbeln, das ich nicht ganz zuordnen kann. 

Aber es fühlt sich gut an. Und plötzlich kündigt Jufeng Guo die letzte Übung an. Gleich ist es vorbei – leider, finde ich. Die letzte Übung ist eine reine Meditation im Sitzen. Im Laufe der Stunden bin ich richtig entspannt geworden. Wäre ich im Alltag immer wieder aufgeschreckt, merke ich die Atmosphäre, die sich zwischen der Gruppe gebildet hat. Während der Meditation nehme ich alles wahr, aber es bekommt keine Wertung. Irgendwo hupt ein Laster. 

Und ich weiß, dass immer wieder Spaziergänger stehen bleiben und uns beobachten, aber diese Faktoren scheinen plötzlich ganz unwichtig. „Genau so soll es sein“, erklärt Jufeng Guo zu Abschluss. Auch die anderen Teilnehmer äußern sich positiv zu diesem Erlebnis. Neben einer anderen Wahrnehmung des Platzes am Wasserpark nehme ich ein Gefühl von Stärke und einen leichten Sonnenbrand mit nach Hause.

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