Volksbühne 20 glänzt mit „Stress im Champus Express“

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Das spielfreudige Ensemble der Volksbühne 20 begeisterte das Publikum bei der Premiere ihres neuen Stücks.

BERGKAMEN - Wer meint, den ganz normalen Wahnsinn der Deutschen Bahn in Gänze zu kennen, und glaubt, sich vorstellen zu können, was ausgesprochen tollpatschige Ganoven so anstellen, der kann höchstens Gast der Volksbühne 20 gewesen sein. Die Vollblutschauspieler zeigen im Lustspiel „Stress im Champus Express“ ihre Sicht auf diese Spezies.

Am Samstagabend war die gute Stimmung im Martin-Luther-Haus an der Goekenheide bis auf die Straße hinaus zu hören. Was die Darstellertruppe des Oberadener Theatervereins mit haarsträubenden Texten und genialem darstellerischen Können den Lachmuskeln der Zuschauer zumutete, grenzte schon fast an Körperverletzung.

Der Dreiakter von Bernd Spehling liefert wirklich alles, was eine handfeste Komödie ausmacht: grandios komische Dialoge und Figuren von deftig über tollpatschig bis rotzfrech. Richtig gut war schon der Anfang: Nicht genug, dass vor dem Vorhang zunächst mal ein Bahnschaffner eine äußerst gelenkige Tanzeinlage ablieferte. Die Blicke wurden dann auch erst einmal auf die Mitte der Stuhlreihen gelenkt, wo das Ganovenpaar, gespielt von Silke Uhlenbrock und Rainer Achsnich, lautstark ihren Plan zum Überfall des Bordbistros diskutierten. Erst dann kletterten sie auf die Bühne, falsch: den Bahnsteig.

Die kuriosesten Zeitgenossen gaben sich jedoch ein Stelldichein im Bistro Wagen. Ein Versicherungsvertreter (Dieter Kress), der natürlich auch hier seine Geschäfte im Auge hatte. Oder ein Duo aus penetranter Putzfrau (Susanne Jürgens) und rotzfrecher Thekenbedienung (Ulrike Mücke), die jeden Fahrgast auf die Palme treiben könnten. Nicht zu vergessen ein schlitzohriger Schaffner (Wolfgang Scholz), der die abstrusesten Easy-Spar-Fahrkarten anbot: „Ich hätte da noch die Familiencard 80. Für zwei Familienmitglieder über 80 Jahre und zwei zweijährige Kinder mit Fahrrad“, so der Schaffner süffisant zum Versicherungsvertreter. „Haben wir wenig Arbeit mit. Die geht nämlich eher schleppend.“

Natürlich kommt dann auch das Räuber-Duo ins Spiel. Während die Ganovin die Schiebetüren mit Nägeln verriegelt, stottert sich der Räuber genial irrwitzig durch den Text für seinen Überfall. Kein Wunder, dass die resolute Thekenbedienung ihn trotz vorgehaltener Pistole zunächst nicht so ganz ernst nimmt.

Das Stück bietet den Schauspielern extrem viel Raum, ihre handfest humorige Schauspielkunst zu zeigen. Wie die neun Darsteller das machten, sorgte beim Premierenpublikum für wahre Lachsalven. War schon das Stück selbst wunderbar geeignet für einen kurzweiligen Theaterabend, konnten die Darsteller der Volksbühne 20 das noch mit hervorragender Darstellungskraft steigern.

„Stress im Champus Express“ scheint der Theatertruppe aus Oberaden förmlich auf den Leib geschrieben zu sein. Nicht zuletzt stürmischer Applaus der Zuschauer bestätigte das.

Es spielten: Räuber - Rainer Achsnich; Polizist und Radsportler - Paul Schulz,; Harvey und Schaffner - Wolfgang Scholz; Versicherungsmakler - Dieter Kress; Räuberin - Silke Uhlenbrock; Bistrokellnerin - Ulrike Mücke; Pathologin und Reinigungskraft - Susanne Jürgens; Ältere Dame - Gundi Dahn; Polizistin - Ulla Oertel; Zugchefin - Claudia Achsnich. Als Statisten wirkten Raimund Balve, Stefanie Döll, Nina Radix und Marvin Moog mit.

Weitere Aufführungen sind im Martin-Luther-Haus am Sonntag, 12. April, um 16.30 Uhr, sowie im Haus Düfelshöft in Kamen am Samstag, 25. April, um 19.30 Uhr, und am Sonntag, 26. April, um 16.30 Uhr. - jk

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