Viele Kita-Plätze fehlen

Tagesmütter werden in Bergkamen immer beliebter

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Die Betroffenheit ist jedes Mal groß, wenn die Mitarbeiter des Jugendamtes und der Jugendhilfe im zuständigen Fachausschuss ihre Arbeit vorstellen und über ihren alltäglichen Kampf um das Kindeswohl berichten. Auch in der jüngsten Sitzung des Fachausschusses waren sich die Politiker wieder einmal einig: Die geleistete Arbeit sei wichtig und müsse mit allen Mitteln unterstützt werden. 

Vor allem in finanzieller Hinsicht ist das jedes Jahr ein großer Batzen. Der Jugendhilfeausschuss gab dem Stadtrat grünes Licht, in der nächsten Sitzung überplanmäßige Auswendungen in Höhe von 1,075 Millionen Euro zu bewilligen. Mit Kostensteigerungen hatte man gerechnet, diese Summe überraschte dann aber doch. Ein Großteil dieser Gelder fließt in die Kindertagespflege, doch nicht allein deshalb, weil in Bergkamen noch immer etliche Kindergartenplätze fehlen. 

Die Eröffnung der neuen Johanniter-Einrichtung an der Sugambrerstraße in Oberaden war zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der erfolgte Spatenstich für die neue Awo-Kita am Hermann-Görlitz-Zentrum ist aber ein Lichtblick und die in Weddinghofen geplanten Einrichtungen in der neuen Heidesiedlung sowie im Pued (Partner unter einem Dach auf dem Grimberg-Gelände) werden dringend gebraucht, aber: „Wir müssen uns bei der Betreuung der Unter-Dreijährigen aber auch nach dem Willen, dem Wunsch und dem Wahlrecht der Eltern richten“, erklärte Gabriele Hörstrup, die bei der Stadt für die Kindertagesbetreuung verantwortlich ist. 

Viele würden sich bewusst für Tagesmütter entscheiden

Der Mangel an Kita-Plätzen sei nicht allein für die hohen Kosten verantwortlich. „Viele entscheiden sich ganz bewusst für Tagesmütter.“ 

Die Gründe dafür seien vielfältig: die immer besser werdende Qualität der Betreuung, die intimiere Atmosphäre gerade für die Kleinsten aufgrund der geringen Gruppengrößen, das persönliche Verhältnis zur Tagesmutter und vor allem aufgrund der deutlich flexibleren Zeiten, in denen Tagesmütter gerade in den frühen und späten Stunden des Tages zur Verfügung stehen. „Auch Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in den klassischen Tageseinrichtungen nicht“, erläuterte Hörstrup. 

Doch diese Fallzahlen seien auch durch die Zahl der zur Verfügung stehenden Tagesmütter ganz natürlich begrenzt. Dennoch steige die Zahl der betreuten Fälle, vor allem aber die Zahl der Stunden, die Kinder in fremder Betreuung verbringen. „Wir diskutieren intern immer wieder, wie eine Eltern-Kind-Beziehung aufgebaut werden soll, wenn die Kleinen an fünf Tagen in der Woche zehn bis zwölf Stunden fremdbetreut werden“, erläuterte die zuständige Dezernentin Christine Busch das Dilemma, in dem das Jugendamt oft stecke. 

Kinder verbringen viel Zeit außerhalb der Familie

Bei vollberufstätigen Alleinerziehenden sei das jedoch keine Seltenheit – und auch nach dem Betreuungsende der Offenen Ganztagsschule (OGS) um 16 Uhr hätten manche Erziehungsberichtige selbst noch Betreuungsbedarf für Schulkinder. „Es ist manchmal erschreckend, wie viel Zeit ein Kind außerhalb der eigenen Familie verbringt“, erklärte Busch. Und selbst, wenn noch die klassische Großfamilie mit Oma und Opa im Hintergrund existiere, breche dieses System schnell zusammen, wenn die Großeltern plötzlich pflegebedürftig würden. „Das sind erschreckende Dinge, die wir da hören“, fasste es Julian Deuse (SPD) zusammen, doch Jochen Wehmann (Grüne) brach auch eine Lanze für die Eltern: „Wir haben aber ein gesellschaftliches System, das es so haben will.“ 

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Also muss das System auch dafür sorgen, dass die Folgen möglichst geringe negative Auswirkungen haben. Neben der Kleinkinderbetreuung gibt es deshalb auch das System der frühen Hilfen. Schnittstellen wurden geschaffen, damit ein Kind, das Hilfe benötigt, diese auch bekommen kann. Die noch immer existierende Panik vor dem Jugendamt sei fatal. „Wir wollen helfen.“ 

Rigide durchzugreifen sei der letzte Schritt, betonte Jugendamtsleiter Ludger Kortendiek. Doch wenn es sein müsse, gibt es Einrichtungen wie die Jugendhilfe Bergkamen. „Wir sind die letzte Anlaufstelle“, erklärte Bereichsleiterin Arzu Bronheim. Mit 55 Mitarbeitern schaffe man Freizeitangebote und arbeite mit den Jugendlichen, die aufgrund emotional-sozialer Schwierigkeiten nicht in klassischen Vereinen Fuß fassen könnten. Doch zu ihnen, so Bronheim, kämen die Jugendlichen gerne.

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