"Totales Durcheinander"

Verunsicherung bei Fahrschulen: Betriebe gut vorbereitet, doch nicht jeder sitzt schon hinterm Steuer

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Jürgen Knuf, Inhaber der gleichnamigen Fahrschulen in Bergkamen, schult seit Dienstag wieder. Er und seine Kollegen haben sich gut auf die Wiedereröffnung vorbereitet. Sowohl die Fahrlehrer als auch die Schüler tragen bei den Fahrten Schutzmasken.

Kreis Unna – Als chaotisch beschreiben die meisten Fahrschulen die derzeitige Situation in der Corona-Krise. Während die einen schon wieder hinterm Steuer sitzen, müssen die anderen abwarten. Der WA hat mit Fahrlehrern aus dem Kreis gesprochen.

Jürgen Knuf, Inhaber der gleichnamigen Fahrschulen in Bergkamen, schult bereits seit Dienstag wieder. Aufgrund einer Rundmail des Straßenverkehrsamtes an die Fahrschulen habe er sich mit dem Ordnungsamt in Verbindung gesetzt und ist nun unter Einhaltung der Hygienevorschriften seit ein paar Tagen wieder für seine Schüler da. „Wir haben in den Räumlichkeiten Desinfektionsmittel für Fläche und Hände und haben die Plätze so weit auseinandergezogen, dass Abstände von zwei Metern bestehen.“ Im Auto tragen Schüler und Fahrlehrer zudem Masken.

Michael Kepp, Inhaber der Fahrschule Kepp mit Standorten in Bergkamen, Kamen und Werne, ist zwar auch bestens vorbereitet, schult aber noch nicht. „Es ist ein totales Durcheinander“, fasst er die Situation zusammen. Weil schon einige Fahrschulen bereits wieder unterwegs sind, bekäme er viele Anfragen von Schülern. Doch noch stehen die Autos seiner Fahrschule still. „Wir hoffen, dass unsere Ausnahmegenehmigung vom Ordnungsamt genehmigt wird. Wenn sie uns diese erteilen, haben wir eine Rechtssicherheit“, sagt Kepp.

Auf die ersehnte Wiedereröffnung hat sich die Fahrschule gut vorbereitet und sich mit Desinfektionsmittel, Baumwollhandschuhen und Masken ausgestattet. Außerdem befänden sich Schutzwände aus Acrylglas in den Räumlichkeiten. „Und wir werden unsere Fahrten immer von der Fahrschule aus starten, um Infektionsketten genau dokumentieren zu können. Nach jeder Fahrstunde wird das Fahrzeug stoßgelüftet und alles desinfiziert“, berichtet Kepp von einem Teil der Maßnahmen, die die Schule in Zukunft ergreifen möchte.

Die Tische in den Räumlichkeiten der Fahrschule sind weit auseinandergezogen. Außerdem steht Desinfektionsmittel für Flächen und Hände bereit.

In der Fahrschule Tamme werden die Motoren ebenfalls noch nicht gestartet. „Einige sagen, das Straßenverkehrsamt hat die Hoheit, andere meinen, das haben die Ordnungsämter zu bestimmen, ob und wann wir wieder fahren dürfen“, sagt Inhaber Thorsten Tamme. Er selbst halte sich erst einmal an die Richtlinien des Straßenverkehrsamtes.

Vorbereitung auf Wiedereröffnung

Auch bei Michael Hergesell, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Bönen und Hamm, rollen die Räder noch nicht. „Aktuell dürfen Bönener Fahrschulen noch nicht fahren. Wir dürfen uns nur gut darauf vorbereiten“, erzählt er. Er versuche, alles schon mal so vorzubereiten, dass es schnell wieder losgehen kann. „Ich bin jetzt zehn Jahre am Markt und habe Rücklagen für Notsituationen gebildet. Ich kippe mit dem Unternehmen nicht um, aber es ist schon schwierig“, sagt Hergesell.

Mit seiner Fahrschule in Hamm dürfte der Fahrlehrer theoretisch an den Start gehen, da dort Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann am Mittwoch eine Allgemeinverfügung als Grundlage für die Wiederaufnahme des Fahrschulbetriebs erließ. Da sich die Hauptstelle aber in Bönen befindet und eine Öffnung für Hergesell dort noch nicht in Frage kommt, möchte er erst warten, bis er auch für Bönen das Go bekommen hat, um auf der sicheren Seite zu sein. „Wir bereiten uns darauf vor, dass es am 4. Mai wieder losgeht“, vermutet Hergesell und fügt hinzu: „Man muss aber bedenken, dass einige Fahrschüler ja auch in eine Prüfung gehen wollen. Der TÜV hat ja aber auch nicht auf. Wir hoffen, dass die gleichzeitig oder nur wenig versetzt mit uns öffnen.“

Viel Interpretationsspielraum

Eine Allgemeinverfügung für alle Fahrschulen gibt es nicht. Das macht es vielen Einrichtungen schwer und steigert die Unsicherheit. Dass die einen schon wieder fahren und die anderen auf heißen Kohlen sitzen, erklärt sich Falk Rzepka, Inhaber der Werner Fahrschule FR, in der seit ein paar Tagen wieder geschult werden darf, so: „Die Neuregelung und Neufassung der Coronaschutzverordnung lassen sehr viel Interpretationsspielraum. Vom Land NRW haben wir flächendeckend keine klare Linie für alle Fahrschulen.“ Rzepka und seine Kollegen haben sich auf die Wiedereröffnung intensiv vorbereitet. „Wir haben ein eigenes Hygienekonzept entwickelt, was auf den allgemeinen Vorschriften basiert“, erzählt der Inhaber. Rzepka ist froh, dass er schulen darf. Das wünscht er auch allen anderen Fahrschulen: „Ich finde es nur fair, wenn alle Kollegen wieder arbeiten dürfen.“

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