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Versorgung mit Fernwärme gesichert: GSW geben in der Krise Entwarnung

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Von: Jürgen Menke

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Das Erdgas wird knapp: Die Fernwärme-Kunden der GSW brauchen sich aber keine Sorgen um die Versorgungssicherheit machen.
Das Erdgas wird knapp: Die Fernwärme-Kunden der GSW brauchen sich aber keine Sorgen um die Versorgungssicherheit machen. © dpa / Hauke-Christian Dittrich

Rund 550 Gebäude in Bergkamen sind an das Fernwärme-Netz der Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) angeschlossen, 60 Häuser sind es in der Seseke-Aue im benachbarten Kamen. Dem Unternehmen nach ist deren Versorgung gesichert, auch wenn der Einsatz von Erdgas zur Stromerzeugung künftig verboten werden sollte.

Bergkamen – Gas ist infolge der Reduzierung der Liefermengen aus Russland ein knappes Gut. Nach Plänen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck soll Strom daher übergangsweise verstärkt aus Kohle gewonnen werden, womöglich muss bei einer Verschärfung der Krise ganz auf Gas verzichtet werden. Dies könnte Stadtwerke vor große Probleme stellen – vor allem dann, wenn sie in Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerken (kurz: GuD-Kraftwerke) auch Fernwärme für Haushalte und Gewerbe produzieren.

Das GuD-Dilemma

In Münster etwa betreiben die Stadtwerke ein solches GuD-Kraftwerk. Sollte Gas zur Stromproduktion ausfallen, könne man auf Heizöl als Brennstoff umschwenken, heißt es dort. Und wie sieht’s bei den GSW Kamen, Bönen, Bergkamen aus?

„Grüne“ Wärme

Ihnen bereitet das Szenario mit Blick auf die Versorgung von Haushalten kein großes Kopfzerbrechen. Ihre Fernwärme nämlich ist „grün“. So wird das Netz in Bergkamen über das Biomasseheizkraftwerk der E.on Energy Solutions GmbH an der Ernst-Schering-Straße in Mitte versorgt. „Hier werden durch das Verbrennen von Holz Strom und Fernwärme erzeugt“, erläutern die GSW auf Anfrage.

Grubengas in Kamen

In der Seseke-Aue in Kamen werde Grubengas in einem Blockheizkraftwerk genutzt, um Fernwärme zu erzeugen. „Sollte der Einsatz von Gas für die Stromerzeugung tatsächlich künftig untersagt werden, hat dies – Stand jetzt – keine Auswirkungen auf die Versorgung der Kundinnen und Kunden in unserem Fernwärme-Netz“, teilen die GSW mit.

Wasserstadt ans Netz

Rund 5000 Menschen würden in Bergkamen mit Wärme beliefert, ohne dass dafür Treibhausgase ausgestoßen würden, heißt es auf der Homepage der GSW. Der örtliche Energieversorger will sein Netz bekanntlich noch ausbauen und auch die Wasserstadt Aden einbinden, die derzeit auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Haus Aden entsteht.

Grubenwasser als Quelle

Zusätzliche Wärme soll dabei auch dem Grubenwasser entnommen werden, das demnächst unterirdisch auf 600 Metern Tiefe abgepumpt und in die Lippe weitergeleitet werden soll. Auch sollen die künftigen Häuslebauer motiviert werden, etwa Sonnenkollektoren auf ihre Dächer zu installieren, um ihren externen Wärmebedarf so weit wie möglich zu reduzieren.

Bad braucht Gas

Gleichwohl: Die GSW verfügen auch über Blockheizkraftwerke, die mit Gas betrieben werden – etwa an der Eissporthalle. Hier entsteht auch die Wärme für das Wellenfreibad und das künftige Häupenbad, das an dessen Stelle errichtet werden soll.

„Lassen Kunden nicht allein“

Mitte Juni, zum Tag der Daseinsvorsorge, hatten die GSW – wie andere Mitglieder des Verbandes kommunaler Unternehmen – betont, dass auch die Daseinsvorsorge vor neuen Herausforderungen stehe. Die Auswirkungen des Ukraine-Krieges seien vor allem auf dem Erdgas-Markt spürbar. „Wir sind uns unserer Verantwortung als lokaler Energieversorger bewusst und möchten unsere Kunden umfassend informieren, um ihnen ein Stück weit die Sorgen zu nehmen. Wir lassen unsere Kunden in dieser Situation nicht allein“, wurde Geschäftsführer Jochen Baudrexl in einer Pressemitteilung zitiert.

Geo- und Solarthermie

In Münster hatten die Stadtwerke vor Monaten wissen lassen, dass sie ihre Fern- und Nahwärme perspektivisch aus erneuerbaren Quellen gewinnen wollen: mit Geo- und Solarthermie. Ergänzend seien Wärmepumpen und -speicher sowie Power-to-Heat-Anlagen vorgesehen, in denen Wärme unter dem Einsatz von elektrischer Energie erzeugt wird.

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