Versetzung abgelehnt: Für Förderturm Haus Aden war’s das wohl / Demontage ab März

Auf dem Schachtgerüst Haus Aden werden bereits Vorbereitungen für den Abriss getroffen. Die RAG will aber noch warten, bis auch der Stadtrat über eine Versetzung in Eigenregie beraten hat.
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Auf dem Schachtgerüst Haus Aden werden bereits Vorbereitungen für den Abriss getroffen. Die RAG will aber noch warten, bis auch der Stadtrat über eine Versetzung in Eigenregie beraten hat.

Der Ausschuss für Bauen und Verkehr in Bergkamen hat sich am Dienstag mit der Mehrheit von SPD und Grünen wie erwartet gegen eine Versetzung des Schachtgerüsts Haus Aden in städtischer Bauträgerschaft ausgesprochen. Sollten Hauptausschuss und Stadtrat der Beschlussempfehlung am Donnerstag folgen, womit ebenfalls zu rechnen ist, gibt es wohl keine Rettung mehr für den Förderturm. Der Abriss soll unmittelbar folgen.

Bergkamen –  Die Aussprache dauerte rund eine Stunde. Zu Beginn sprach Beigeordneter Marc Alexander Ulrich die große öffentliche Aufmerksamkeit an, die das Thema erfahre. Auch zwei Fernseh-Teams hätten sich schon bei der Stadt gemeldet, um zu berichten. Dann aber stieg er gleich inhaltlich ins Thema ein und äußerte Kritik in Richtung des Geschichtskreises Haus Aden/Grimberg 3/4, ohne ihn explizit zu nennen.

Dieser hatte die Seriosität des städtischen Gutachtens zur Versetzung des Förderturms in Zweifel gezogen und dabei unter anderem die prognostizierten drei Millionen Euro für Demontage, Sanierung, Lagerung und Wiederaufbau des Bauwerks infrage gestellt. Ulrich wies die Kritik zurück. Man kenne das ja, meinte er: „Wenn das Ergebnis nicht passt, greift man die Methode an.“ Dies aber sei hier „völlig fehl am Platz“.

Abriss soll Anfang März starten und zwölf Wochen dauern

Während in der Politik noch über eine Versetzung des Schachtgerüsts Haus Aden diskutiert wird, laufen bereits die vorbereitenden Arbeiten zu dessen Demontage. Nach Auskunft von Christof Beike, Pressesprecher der RAG Aktiengesellschaft, sollen nach aktuellem Zeitplan Anfang März in einem ersten Schritt die vier Seilscheiben abgenommen werden. Danach werde der Turm mit schwerem Gerät in Einzelteile geschnitten, diese dann mit einem Kran zu Boden gehievt. Der Abriss soll rund zwölf Wochen dauern, die nötige Genehmigung dazu liegt der RAG seit Mitte vergangenen Jahres vor. Die Abrissarbeiten waren europaweit ausgeschrieben worden, den Zuschlag hat ein niederländisches Unternehmen erhalten. Anders als das Gerüst werden die Seilscheiben als Ganzes demontiert. Falls die Stadt Bergkamen eine Verwendung für sie hat, kann sie sie laut Beike übernehmen.

Der Geschichtskreis möchte den Förderturm erhalten und vor der vorgesehenen Verschrottung durch die RAG (früher: Ruhrkohle AG) retten. Für ihn ist er ein Identitätsfaktor und Zeugnis der langen Bergbaugeschichte der Stadt. Diesen Symbolcharakter zweifelte im Laufe der Sitzung niemand an, auch Ulrich nicht. Er vermisse allerdings die Vorstellung davon, was man mit dem Förderturm, wenn man ihn denn bewahre, machen solle. „Ihn nur zu haben, ist kein Mehrwert“, meinte er.

„Turm als Tor zur Wasserstadt wäre zu riskant“

Christiane Reumke, Sachgebietsleiterin Stadtplanung, erläuterte den Politikern den Inhalt des Gutachtens. Dabei ging sie auch auf die fünf diskutierten Standorte ein, von denen sich vier als nicht geeignet erwiesen hätten. Auch die Idee des Geschichtskreises, den Förderturm als Einfahrtstor für die künftige Wasserstadt Aden zu nutzen, habe man nicht weiterverfolgen können. Dann bestünde das Risiko, dass man den Aden-Boulevard als Hauptzufahrtsstraße in die Wasserstadt sperren müsste, wenn es beispielsweise technische Probleme oder Sanierungsmaßnahmen am Förderturm gäbe. Die Stützen müsste man zusätzlich vor Vandalismus schützen.

Detailliert ging Reumke auch auf technische Aspekte der Versetzung und Zwischenlagerung ein – und am Ende festzustellen, dass die kalkulierten drei Millionen Euro nicht aus der Luft gegriffen seien. Zudem, so die Sachgebietsleiterin, sei das Geld weder im Doppelhaushalt eingestellt noch in der mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigt worden. Stimme die Politik für eine Versetzung, stehe unter Umständen auch das Vorhaben zur Disposition, die von der RAG geplante Maschinenhalle zur Grubenwasserhaltung mit Förder- und Eigenmitteln architektonisch aufzuwerten. Die Halle wird bekanntlich dort errichtet, wo heute das Schachtgerüst steht.

Statt in die Knie zu gehen, müssen wir der RAG die Stirn bieten und klare Kante zeigen.

Werner Engelhardt, BergAUF

Die politische Diskussion eröffnete Werner Engelhardt von BergAUF. Er sprach sich für eine Versetzung aus – und zwar auf Kosten der RAG. Das Unternehmen habe „Geld ohne Ende“, argumentierte er, da könne es die drei Millionen gut abzwacken. „Statt in die Knie zu gehen, müssen wir der RAG die Stirn bieten und klare Kante zeigen“, betonte Engelhardt. So dürfe die Stadt nicht mit sich herumspringen lassen.

Die CDU bat um „mehr Zeit“ zur Entscheidungsfindung. Zudem, meinte Thomas Eder, sollte das Thema auch im Kulturausschuss diskutiert werden, denn ein wichtiger Aspekt sei bislang zu kurz gekommen: die Tatsache, dass das Schachtgerüst Landmarke und Identifikationsort sein könne und es Bergkamen insgesamt an solchen fehle.

„Da spielen auch Emotionen eine Rolle“

„Da spielen auch Emotionen eine Rolle“, sagte Thomas Eder. Über einen entsprechenden Antrag wurde in der Sitzung aber erst gar nicht abgestimmt – allen war wohl klar, dass SPD und Grüne ohnehin Nein hierzu und insgesamt zur Versetzung des Förderturms sagen würden.

Dies fiel ihnen aber durchaus schwer – vor allem den Sozialdemokraten, die dem Bergbau seit jeher nahe stehen. Darauf ging Vertreter Kevin Derichs in seiner Stellungnahme ein. Er verwies – wie zuvor die Verwaltung – auch darauf, dass es in Bergkamen schon etliche Erinnerungsstätten an den Bergbau gebe.

Solche Entscheidungen wie die über die Versetzung sollte man am Ende aber „nicht mit dem Herzen treffen, sondern mit dem Kopf“. Am Ende seien die Kosten einfach zu hoch.

Rat trifft endgültige Entscheidung

Monika Wernau, ebenfalls SPD, gab zu bedenken, dass viele frühere Bergleute den Turm nur dann gerettet sehen wollten, wenn er weiterhin an seinem jetzigen Standort stehe, sonst nicht. Das jedenfalls habe sie in Gesprächen erfahren.

Grünen-Mitglied Bernhard Salfer, selbst mit Bergbau-Vergangenheit, meinte, es sei „für den überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht mehr zeitgemäß“, wenn noch hohe Summen in den Bergbau beziehungsweise in die Erinnerung daran flössen. „Die Ewigkeitskosten sind einfach zu hoch.“

Während BergAUF am Ende gegen den Beschlussvorschlag stimmte, worin dem Rat empfohlen wird, sich gegen den Erhalt des Schachtgerüstes aussprechen, enthielten sich die CDU-Mitglieder. Hauptausschuss und Rat tagen am Donnerstag, 18. Februar, 16.30 und 17.15 Uhr in der Römerberg-Sporthalle.

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