Verdächtiges Pulver: ABC-Alarm mit Großaufgebot

Giftanschlag auf Jobcenter Bergkamen vorgetäuscht: Nach der Feuerwehr ist die Kripo gefordert

Der Umschlag mit dem verdächtigen türkisen Pulver wurde in einem dichten Beutel unter Vollschutz aus dem Gebäude geholt und zur Analyse übergeben.
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Das Corpus Delicti: Der Umschlag mit dem verdächtigen türkisen Pulver wurde in einem dichten Beutel unter Vollschutz aus dem Gebäude geholt und zur Analyse übergeben.

In Bergkamen-Mitte lief am Montagvormittag ein großer Einsatz der Feuerwehr. Wie die Polizei mitteilte, wurde im Gebäude des Jobcenters ein Brief mit einer verdächtigen Substanz geöffnet. Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt. Spezialkräfte untersuchten die Substanz.

Update vom 15. März, 18.30 Uhr: Bergkamen – Nach einer Reihe vorgetäuschter Giftanschläge im Kreis Unna hat es am Montagmorgen die Geschäftsstelle Bergkamen des Jobcenters Unna erwischt. In der Poststelle öffnete ein Mitarbeiter einen Umschlag, der ein türkisfarbenes Pulver enthielt: Reinigungsmittel, wie sich herausstellen sollte. Aber dazu musste erst einmal eine große Maschinerie von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei in Gang gesetzt werden.

Mitarbeiter der Poststelle löste Alarmkette aus

All das begann, als der Mitarbeiter gemäß des Sicherheitskonzeptes der Einrichtung die Meldekette auslöste. Als „ABC-Alarm Stufe zwei“ wertete die Rettungsleitstelle des Kreises um 8.40 Uhr die Ausgangslage. „Das bedeutet Stadtalarm, wir sind mit sämtlichen Bergkamener Kräften ausgerückt“, berichtete Feuerwehrsprecher Patrick Gundlach.

Areal weiträumig abgesperrt

Mit Unterstützung der Polizei sperrten die ersten Einsatzkräfte den Zugang zum Gebäude in der Luise-Schröder-Straße ab und hielten an den Zufahrtsstraßen weiträumig den Autoverkehr draußen. Die Anwohner des in der Hochhaus-Siedlung am Wasserpark gelegenen Jobcenters durften aber zu Fuß passieren, nur zu dem Gebäude kam niemand durch.

Dekontaminationstrecke aufgebaut

Denn dort brachten die Feuerwehrkräfte in Position, was ein solcher Einsatz nach Gefahrenlage mit atomarer, biologischer oder chemischer (ABC) Substanz vorsieht: Vor dem Eingang ein Zelt mit der Dekontaminierung, um in Vollschutzanzügen hineingeschickte Kräfte abduschen und von Schadstoffen befreien zu können, ein Zelt für den Wechsel der Anzüge und gegebenenfalls notfallmedizinischer Versorgung.

Zahlreiche Feuerwehr- und Rettungskräfte gebunden

Dafür waren sechs Rettungskräfte, der Leitende Notarzt für den Kreis Unna und der Organisationsleiter des Rettungsdienstes alarmiert worden. Die Kameraden der Einheiten Overberge, Heil und Oberaden konnte Feuerwehrchef Dirk Kemke als Einsatzleiter nach einer Weile abrücken lassen. Da begann für die verbliebenen 54 Kräfte, Rettungsdienst und Polizei das große Warten.

Die Feuerwehr ist am Jobcenter in Bergkamen im Einsatz

Aus Dortmund rollte die „Analytische Taskforce“ der Feuerwehr mit einem mobilen Labor und Fachleuten an. Zwei von ihnen gingen unter Vollschutz ins Gebäude, um die verdächtige Substanz zu sichern. Der betreffende Mitarbeiter zeigte zum Glück keine Symptome, durfte den Sperrbereich im Erdgeschoss des Gebäudes aber nicht verlassen, solange keine Klarheit über das Gefahrenpotenzial des türkisen Pulvers bestand.

Verdächtige Substanz gefunden: Großeinsatz am Jobcenter in Bergkamen

Feuerwehr ABC-Alarm Bergkamen
Feuerwehr ABC-Alarm Bergkamen
Feuerwehr ABC-Alarm Bergkamen
Feuerwehr ABC-Alarm Bergkamen
Verdächtige Substanz gefunden: Großeinsatz am Jobcenter in Bergkamen

Kunden des Jobcenter nicht betroffen

Die Mitarbeiter in den übrigen Büros waren davon nicht betroffen, verfolgten die aufsehenerregende Szenerie aber teils am Fenster. Nach Mitteilung des Jobcenters waren Kunden wegen der corona-bedingten Einschränkungen nicht betroffen. Es habe am Montag keine Besuchstermine gegeben. Die Beratung erfolge überwiegend online und telefonisch. Nur wer auf dem Weg zum Hausbriefkasten war, musste unverrichteter Dinge umkehren.

Analytische Taskforce untersucht Substanz

Derweil rüsteten sich zwei der Freiwilligen im Feuerwehrzelt mit Vollschutzanzügen aus. Selbst die Gummihandschuhe wurden mit Klebeband am Overall noch abgeklebt. Die Feuerwehrmänner gingen in Position, um den Kollegen der Taskforce aus den Anzügen zu helfen. Sie hatten den Briefumschlag in einem verschlossenen Folienbeutel aus dem Haus geholt. Der Beutel wurde ins Labor weiter gereicht. Damit begann gegen 11.15 Uhr die große Geduldsprobe.

Erleichterung über die Entwarnung

Eine Stunde später, um 12.15 Uhr dann die offizielle Entwarnung. Die Analyseapparate der Taskforce hatten eine Zusammensetzung ausgemacht, wie sie Reinigungsmitteln zu eigen ist. Aufatmen hatte sich schon abgezeichnet, als zuvor Feuerwehrkräfte die Luft aus dem Aufblaszelt ließen und das Aufräumen begannen.

Fälle hufen sich - Polizei ermittelt

Der Leitende Notarzt machte sich auf den Weg zum Mitarbeiter in der Poststelle, um ihm nach den bangen Stunden Gewissheit zu geben. „Es bestand keinerlei Gefahr. Weder für den Mann noch für die Einsatzkräfte“, sagte Patrick Gundlach. „Trotzdem eine ziemlich unlustige Angelegenheit hier.“ In den vergangenen Monaten gab es mehrere ähnliche Einsätze im Kreis, Anfang Februar in Rünthe. Die Substanzen erwiesen sich jeweils als harmlos. Für das Eintüten gilt das nicht: Die Polizei ermittelt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat. Ein Zusammenhang mit den vorherigen Fällen zeigte sich im ersten Ansatz nicht.

Hier unser Ticker zu den Ereignissen:

Update vom 15. März, 12.15 Uhr: Jetzt gibt es die endgültige Entwarnung: Bei der verdächtigen Substanz handelt es sich um Reinigungsmittel. Es bestand also keine Gefahr für die Mitarbeiter im Gebäude. Die Sperrungen werden nun aufgehoben.

Update vom 15. März, 12.10 Uhr: Ein offizielles Ergebnis der Untersuchung der Substanz gibt es noch nicht. Die Polizei hat den fraglichen Briefumschlag allerdings bereits einkassiert und die Feuerwehr beginnt mit dem Abbau. Gefahr scheint also nicht zu bestehen.

Die Analytische Taskforce aus Dortmund baut vor Ort ihr mobiles Untersuchungslabor auf.

Update vom 15. März, 11.18 Uhr: Mitarbeiter der Analytischen Taskforce aus Dortmund haben vor einigen Minuten das Gebäude betreten. Dort befindet sich auch weiterhin der betroffene Mitarbeiter, der den Umschlag mit der Substanz geöffnet hatte. Solange die Einsatzkräfte nicht wissen, um was es sich handelt, wird der Mitarbeiter dort auch bleiben müssen. Der fragliche Briefumschlag ist in einem Plastikbeutel zur weiteren Untersuchung in dem aufgebauten mobilen Labor übergeben worden.

Einsatzkräfte der Bergkamener Feuerwehr tragen Schutzanzüge.

Update vom 15. März, 10.50 Uhr: Das Jobcenter ist abgesperrt. Kunden gelangen derzeit weder ins Gebäude noch an den Briefkasten der Einrichtung. Antonia Mega, Pressesprecherin des Jobcenters im Kreis Unna, hat auf Nachfrage mitgeteilt, dass für den Vormittag aber ohnehin keine Termine vergeben wurden. Der Betrieb laufe aufgrund der Corona-Pandemie schon seit Wochen nur sehr eingeschränkt. Ins Gebäude komme man nur mit einem Termin. Darüber seien alle Kunden ohnehin informiert.

Das türkisfarbene Pulver soll nun von den Spezialkräften untersucht werden.

Update vom 15. März, 10.23 Uhr: Die analytische Taskforce aus Dortmund ist jetzt vor Ort. Diese soll die Substanz auf ihre Gefährlichkeit hin untersuchen. Es handelt sich bei der verdächtigen Substanz um ein türkises Pulver.

Der Person, die den Brief mit der Substanz geöffnet hat, geht es nach erster Einschätzungen gut. Vor dem Gebäude sind zwei Zelte aufgebaut worden, um den Einsatzkräften von Feuerwehr und analytischer Taskforce Raum zur Dekontaminations zu geben.

54 Mann der Einsatzkräfte aus Bergkamen waren zunächst zum ABC-Einsatz alarmiert worden. Die Einheiten Overberge, Heil und Oberaden sind bereits wieder zurückgeschickt worden. Derzeit müssen nur die Straßen für den Verkehr abgesperrt werden. Anwohner können sich noch frei bewegen.

Verdächtige türkise Substanz: Feuerwehr sperrt Jobcenter in Bergkamen ab

Bergkamen - Ein Großaufgebot der Feuerwehr hat am Montagmorgen die Straßen rund um das Jobcenter an der Louise-Schröde-Straße in Bergkamen-Mitte abgesperrt. Nach Angaben der Polizei ist dort ein Brief mit einer „undefinierbaren Substanz“ geöffnet worden.

Die Person, die den Brief geöffnet hat, wurde isoliert und auf eine Kontamination untersucht. Die Feuerwehr Bergkamen teilte mit, dass bei der Person keine gesundheitlichen Auffälligkeiten festgestellt wurden. Der Person geht es gut,

Der Bereich rund um das Jobcenter wurde weiträumig abgesperrt.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder ähnliche Einsätze für Feuerwehr und Polizei im Kreis Unna, wie Anfang Februar auch in Bergkamen. Die Substanzen, die die Einsätze auslösten, erwiesen sich aber bisher immer als harmlos.

Wir berichten weiter...

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