Schon der zweite Vorfall

Schmierereien und Zerstörungen an der nagelneuen Beversee-Plattform

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In die Aussichtplattform am Beversee sind laut RVR Ruhr Grün bereits 80 000 Euro geflossen. Nun besprühten Unbekannte die hölzerne Terrasse mit Farbe.

Rünthe – Die neue Aussichtsplattform am Beversee ist stark beschädigt worden. Terrassendielen wurden großflächig mit Schriftzügen besprüht, Holzzäune offenbar mit Gewalt niedergetreten. Von dem oder den Täter(n) fehlt aktuell jede Spur.

„Ich bin tief erschüttert und frustriert“, sagt Dirk Janzen, Teamleiter Naturschutz beim RVR-Eigenbetrieb Ruhr Grün in Essen, der die hochwertige Stahl-Holz-Konstruktion für die Besucher des Naturschutzgebietes errichtet hat. Als unmittelbare Konsequenz aus dem Vorfall kündigte er an, dass auf die geplante Anbringung eines Aussichtsfernrohrs zur Beobachtung etwa der Spechte und Kormorane auf der anderen Seeseite verzichtet werde.

Karlheinz Röcher vom Aktionskreis „Wohnen und Leben Bergkamen“ hat die Vandalismusschäden bei einem Spaziergang am Dienstagmorgen entdeckt – und „Ruhr Grün“ danach unmittelbar verständigt. „Wir werden sofort Anzeige erstatten“, betont Janzen.

„Man kommt ja kaum in die Rillen“

Seinen Worten nach sind bereits 80 000 Euro in die Plattform geflossen, für die unter anderem noch Info-Tafeln vorgesehen sind. Die Farbe auf den Dielen zu beseitigen, sei allenfalls mit viel Aufwand möglich und damit teuer. „Man kommt beim Schleifen ja kaum in die Rillen hinein.“ Vermutlich werde das Bauwerk erst einmal in diesem unschönen Zustand bleiben.

Die 54 Quadratmeter große Plattform war erst zum Pfingstwochenende freigegeben worden und ist unter anderem mit einer Rampe und verzinkten Handläufen ausgestattet. Die Dielen bestehen aus wasserbeständiger sibirischer Lärche.

Erster Vorfall vor vier Wochen

Schon einmal wurde die Plattform beschädigt – vor knapp vier Wochen. Damals hatten Unbekannte versucht, das Metallgeländer abzumontieren – vermutlich, um es beim Schrotthändler zu Geld zu machen. Es blieb aber beim Versuch. „Die Täter sind offenbar gestört worden“, berichtet Janzen. Schäden gab’s trotzdem – auch am Holz, weil mit brachialer Gewalt vorgegangen wurde.

Er sei gewarnt worden, habe aber inständig gehofft, dass Vandalismusschäden am Beversee ausbleiben, schildert Janzen. Schließlich habe man vor Jahren, als noch die alte Plattform stand, keine größeren Probleme an dieser Stelle gehabt. Im Lichte des jetzigen Vorfalls aber müssten die weiteren Pläne überdacht werden.

Auch Zaunelemente wurden abgetreten.

Aussichtsfernrohr wird nicht installiert

Das Fernrohr hätte auf einer eigens geschaffenen Terrassen-Ausbuchtung fest installiert werden sollen. „Das Ganze hat aber keinen Zweck mehr“, bedauert Janzen. So müsse man etwa damit rechnen, dass das Okular früher oder später besprüht würde – oder noch Schlimmeres geschehe. Im Bergischen Land etwa sei solch ein Gerät, das etwa 4 000 Euro koste, schon einmal gesprengt worden. „Nicht auszudenken, was dabei passieren kann.“

Auch Info-Tafeln waren angedacht und sollen unter anderem über die Vogelarten informieren, die am anderen Ufer zu beobachten sind. In dieser Woche sei die Druckfreigabe erfolgt, erzählt Janzen. Die Hinweise sollen zusammen mit Nistkästen etwa für Fledermäuse aufgehängt werden, deren Bauanleitung man sich über einen QR-Code aufs Handy holen kann. „Aber auch hierbei habe ich mittlerweile große Bedenken.“

RVR Ruhr Grün registriert zunehmende Vermüllung

Laut Janzen registriert der RVR „Ruhr Grün“ eine zunehmende Vermüllung in den von ihr gepflegten Naturschutzgebieten, auch häuften sich in den zurückliegenden Monaten die Vandalismusschäden. „In Zeiten von Corona hat sich vielleicht Frust bei vielen Menschen angestaut“, nennt er eine mögliche Erklärung.

Verständnis könne er für derlei Taten wie am Beversee aber nicht aufbringen. Die Täter hätten keine Vorstellung davon, wie viel Herzblut und Engagement in solch Projekten für die Allgemeinheit steckten – und wie viele Beteiligte sich Mühe gäben, in diesem Fall unter anderem die Ökostation sowie RVR-Auszubildende im Forstbereich. Überdies sei Geld privater Sponsoren geflossen.

Passanten sollen wachsam sein

Janzen ruft alle Naturliebhaber auf, wachsam zu bleiben und im Zweifel die Polizei zu verständigen, falls sie Zeuge sinnloser Zerstörungswut werden. Damit trifft er bei Karlheinz Röcher auf offene Ohren. „Wir wissen, dass wir solche Taten nicht gänzlich werden verhindern können“, sagt er. „Teilnahmslosigkeit wäre aber das größte Übel.“ Gegen die Verrohrung in der Gesellschaft helfe im Grunde nur eine ehrlich geführte Wertediskussion.

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