Ein Opfer hat gelogen

Urteil gegen Vergewaltiger aus Bergkamen: Richter sehen nur Beweise für eine Tat

Angeklagter Vergewaltiger Bergkamen Verteidiger Marco Ostmeyer Landgericht Dortmund
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Der Angeklagte, hier mit seinem Verteidiger Marco Ostmeyer, muss mehr als sechs Jahre ins Gefängnis. Sicherungsverwahrung wurde aber nicht angeordnet.

Im Prozess um zwei mutmaßliche Vergewaltigungen in Kamen und Bergkamen hat das Dortmunder Landgericht das Urteil gesprochen. Die Richter sehen nur eine der beiden Taten als erwiesen an.

Bergkamen/Dortmund - Sechs Jahre und zehn Monate Haft für den 26-jährigen Angeklagten, lautet das Urteil der Dortmunder Richter. Dass die Strafe nicht noch härter ausgefallen ist, liegt daran, dass die Richter einer der Frauen nicht glauben.

In dem am Montag verkündeten Urteil ist nur noch von einer Sexualstraftat die Rede. Im August 2019 zwang der Angeklagte eine 16-jährige Jugendliche am Koppelteich in Kamen in ein Gebüsch und vergewaltigte sie. Das Opfer habe Angst gehabt und versucht, sich zu wehren, sagte der Vorsitzende Richter Ulf Pennig in der Urteilsbegründung. Der 26-Jährige sei aber so aggressiv gewesen, dass am Ende jeder Widerstand zwecklos war.

Ein Opfer hat gelogen

Die Zweifel des Verteidigers Marco Ostmeyer, der die Zeugin in seinem Plädoyer als unglaubwürdig und süchtig nach Aufmerksamkeit bezeichnet hatte, wischten die Richter mit wenigen Worten vom Tisch. „Wir stützen die Verurteilung ausdrücklich auf die Angaben der Zeugin“, hieß es in der Urteilsbegründung. „Sie hatte keinerlei Motiv dafür, den Angeklagten falsch zu belasten. Sie hat keinen Geltungsdrang und das Geschehen sehr komplex geschildert.“

Anders bewerten die Richter dagegen den zweiten Fall aus der Anklageschrift, der sich nur wenige Tage später in Bergkamen ereignet haben soll. Hier gingen die Richter hart mit der Zeugin ins Gericht. Diese habe gelogen und den Sachverhalt bewusst falsch dargestellt. In Wirklichkeit habe es sich um einvernehmliche sexuelle Handlungen mit dem Angeklagten gehandelt.

Keine Sicherungsverwahrung

Trotz seiner einschlägigen Vorstrafen ordneten die Richter für den 26-Jährigen nicht die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung an. Die psychiatrische Sachverständige hatte sich in ihrem Gutachten nicht dazu durchringen können, den jungen Mann bereits als Hangtäter zu beschreiben.

Richter Ulf Pennig richtete jedoch eine eindringliche Warnung an den 26-Jährigen: „Wenn sie ihre Strafe nur absitzen und anschließend noch einmal eine solche Tat verüben, führt an der Sicherungsverwahrung kein Weg mehr vorbei.“

Der Angeklagte hat nun noch die Möglichkeit, Revision einzulegen und das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen zu lassen.

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