Nostalgiemarkt und „Schinkensammlung“ betroffen

Verwässerte Erinnerungen: Lagerräume des Stadtmuseums Bergkamen in der Alten Post liefen voll

Mit Luftpolsterfolie vor Schrammen geschützt stehen die „Schinken“ in zwei Regalreihen im Museumskeller. Schutz vor dem 60 Zentimeter hohen Regewasser konnte die Verpackung nicht bieten. Museumsleiter Marc Schrader zeigt eines der Werke, die nun trocknen müssen.
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Mit Luftpolsterfolie vor Schrammen geschützt stehen die „Schinken“ in zwei Regalreihen im Museumskeller. Schutz vor dem 60 Zentimeter hohen Regewasser konnte die Verpackung nicht bieten. Museumsleiter Marc Schrader zeigt eines der Werke, die nun trocknen müssen.

Die heimliche Schatzkammer des Museums ist nass. Das Unwetter hat auch die Nostalgiemarkt und die „Schinkensammlung“ erwischt.

Bergkamen – Das Unwetter am Mittwoch hat Bergkamen auch dort getroffen, wo die Seele der Stadt gegenwärtig wird. In der Alten Post stand das Wasser 60 Zentimeter hoch in den Lagerräumen des Museums. Der Schaden ist in Euro und Cent nicht zu beziffern, eher in der schwankenden Währung der Wehmut.

60 Zentimeter Wasser auf 140 Quadratmetern

„Der Nostalgiemarkt stand unter Wasser“, berichtet Museumsleiter Marc Schrader. Dort sei auf geschätzten 140 Quadratmetern „jeder Zentimeter genutzt“, um allerlei stadt- und zeitgeschichtliches aus der einstigen Bergbaustadt zu verwahren. Es ist nicht das offizielle Depot mit eingelagerten Exponaten, sonder eher das Kuriositätenkabinett, das der Förderverein mit Spendern zusammengetragen und zu einem beliebten Forum für den guten Zweck gemacht hat.

Ehe das Haus geschlossen und die Begegnung Geschichts- und Kulturinteressierten dem Virus zum Opfer fiel, betrieb der Förderverein eine Art Second-Hand-Basar mit dem Sammelsurium. So wurde das Haus finanziell unterstützt.

Gut 100 „spezielle“ Gemälde beschädigt

Zu den Kleinodien im Keller des Nebengebäudes gehört auch die „Schinkensammlung“. So haben die Bergkamener – keineswegs despektierlich, sondern in ihrer hemdsärmeligen Liebenswürdigkeit – die Sammlung von Gemälden getauft, die beim Bilderwechsel von der Wand genommen und im Keller verpackt wurden.

„Der frühere Kulturdezernent Dieter Treek hat in den 1970er und -80er Jahren die im Haus verbreitete Kunst der Arbeiterschaft durch moderne Kunst ersetzt“, erläutert Schrader. Den Werken sei teils auch an der Rahmung anzusehen, dass sie dem robusten lokalen kulturellen Geist jener Jahre entsprächen.

„Welchen Schaden die Bilder genommen haben, wird sich erst mit der Zeit zeigen.“ Etwa 100 Gemälde, grob die Hälfte des Bestands, habe in der unteren Regalreihe im Wasser gestanden. Auf 15 bis 20 Zentimeter Wasser im Keller habe das Museumsteam sich vorbereitet, nichts direkt auf den Boden gestellt. „Aber bei 60 Zentimetern kann man nichts machen.“ Das Museum liegt nun mal an der Jahnstraße in Oberaden, wo es alle miteinander am härtesten traf in Bergkamen.

Das Aufräumen hat begonnen

Mittlerweile ist das Wasser durch die Abflüsse im Boden abgelaufen, die Trocknungsgeräte laufen, um das Wasser aus dem Gemäuer zu ziehen. „Wir haben mit dem Ausräumen begonnen“, erzählt Schrader, und meint damit sich und aktuell einen Mitarbeiter. Für kommenden Woche ist Unterstützung durch den Bauhof und weitere Teilzeitkräfte angefragt.

„Wir haben ja momentan geschlossen und können die Sachen erst einmal in die Ausstellungsräume schaffen“, sagt er weiter. Die Bilder werden dort getrocknet und was die Fluten wohl verkraften wird, Massivholzmöbel etwa. Andere sind hinüber.

„Da geht noch einmal eine Ära vorüber“, sagt der Museumschef über den möglichen endgültigen Verlust der zuletzt nur noch im Verborgenen bestehenden „Schinkensammlung“. Was mit den Werken passiert, werde in Abstimmung mit Kulturreferentin entschieden: „ Simone Schmidt-Apel ist ja die Leiterin der Galerie – und wir haben da auch Ideen.“

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