Polizei sucht Zeugen in Bergkamen

„Die Toten finden keine Ruhe“: Unbekannte stehlen 24 Metallgefäße von Gräbern

Friedhofsgärtner Ulrich Serafin-Posivnych an betroffenen Gräbern: Die Täter entfernten die Metall-Vasen und -Schalen mit Gewalt, die Blumen ließen sie in ihren Plastiktöpfen zurück.
+
Friedhofsgärtner Ulrich Serafin-Posivnych an betroffenen Gräbern: Die Täter entfernten die Metall-Vasen und -Schalen mit Gewalt, die Blumen ließen sie in ihren Plastiktöpfen zurück.

Unbekannte entwendeten auf dem evangelischen Friedhof in Bergkamen-Rünthe von mindestens 24 Gräbern Vasen und Schalen aus Metall. „Ich bin tieftraurig und empört“, sagt Friedhofsgärtner Ulrich Serafin-Posivnych. „Es ist wieder so, dass die Toten keine Ruhe finden.“

Bergkamen – Der Diebstahl ereignete sich in Bergkamen in Nordrhein-Westfalen in der Nacht zu Dienstag. „Bevor ich den Friedhof am Montagnachmittag verlassen habe, war noch alles in Ordnung“, berichtet Serafin-Posivnych. Am Morgen danach sei er dann von einer Dame angesprochen worden, die eine Blumenschale auf der von ihr gepflegten Begräbnisstätte vermisste. „Nach und nach habe ich später weitere betroffene Gräber entdeckt.“

StadtBergkamen
Einwohner50.407
Größe44,9 km²

„Die Toten finden keine Ruhe“: Unbekannte stehlen 24 Metallgefäße von Gräbern

Die liegen vor allem östlich auf dem weiten Gelände, gleich am Ausgang zum Parkplatz, einige aber auch ganz westlich. „Die Diebe müssen einen Hammer oder Ähnliches dabei gehabt haben“, glaubt Serafin-Posivnych. So seien die meisten Vasen und Schalen an steinernen Grababdeckungen verschraubt und zusätzlich noch verklebt gewesen. Die zuvor herausgenommenen Blumentöpfe ließen die Täter zurück.

Die meisten gestohlenen Vasen und Schalen seien aus Kupfer gewesen, sagt Serafin-Posivnych. Altmetallhändler zahlten viel Geld dafür. Allerdings hätten auch die Hinterbliebenen oft hohe dreistellige Summen für derlei Grabschmuck ausgegeben. „Ich weiß von Witwen, die sich das Geld vom Munde abgespart haben“, erzählt der 58-Jährige. Die geklauten Gegenstände zu ersetzen, könnten sie sich wohl nicht leisten.

Die Metallgefäße waren zum Großteil mit Schrauben befestigt und zusätzlich am Stein verklebt.

„Es zerreißt mir das Herz, wenn die Toten bestohlen werden“, betont Serafin-Posivnych. Vor allem auch mit Blick auf die Hinterbliebenen. „Ich kenne ja viele und spreche oft mit ihnen.“ Der Diebstahl von Grabschmuck hinterlasse teils tiefe Spuren in der Seele und werde als Schändung empfunden.

Unbekannte stehlen 24 Metallgefäße von Gräbern: Die letzte Tat liegt nicht lang zurück

Serafin-Posivnych ist seit fast 28 Jahren Friedhofsgärtner. „Ich mache diese Arbeit wirklich sehr gerne“, sagt er. Die regelmäßig auftretenden Diebstähle nähmen aber auch ihn persönlich mit. Zumeist sind es Blumen und Pflanzen, die geklaut werden. Das letzte große Ärgernis gab es im vergangenen Jahr, als sich Diebe an gleich 69 Gräbern vergingen.

Dabei verschwand auch eine metallene Madonna, die später auf dem Friedhof am Südring in Werne wieder auftauchte. An besagter Figur, die wieder an ihrem angestammten Platz steht, hatten die Täter diesmal kein Interesse. „Dafür fehlen nun zwei Schalen an dem Grab“, berichtet Serafin-Posivnych.

Von dem oder den Tätern fehlt jede Spur. Die Polizei sucht Zeugen, die Verdächtiges beobachtet haben. Sie können sich bei der Wache Kamen unter Telefon 02307/9213220 melden.

Unbekannte stehlen 24 Metallgefäße von Gräbern: Den Altmetalldieben das Handwerk legen

Am Mittwochmorgen hat Serafin-Posivnych die Gräber aufgelistet, an denen sich die Unbekannten zu schaffen gemacht haben. Die Friedhofsverwaltung will die Angehörigen der Toten über den Vorfall informieren. Der Friedhofsgärtner selbst hat wenig Verständnis für Menschen, die sich illegal am Tod anderer bereichern und den Trauernden das Leben noch schwerer machen.

Natürlich könne man Friedhöfe nicht durchgehend bewachen, sagt Serafin-Posivnych. Doch es gebe womöglich einen Weg, Metalldieben das Handwerk zu legen: „Es sollte Vorschrift werden, dass Bescheinigungen der jeweiligen Friedhofsverwaltung vorgelegt werden müssen, wenn man Altmetall von Begräbnisstätten verkaufen möchte.“

Damit ist der Friedhof leider kein Einzelfall. In Hamm wurden immer wieder Gräber heimgesucht. Auch in der Nachbargemeinde Bönen berichteten Angehörige, dass sich Menschen an den Gräbern zu schaffen machten. Denn das Grab auf dem Bönener Friedhof wird immer wieder verwüstet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare