Ulrich Serafin ist seit 28 Jahren Friedhofsgärtner in Rünthe

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Seit 28 Jahren kümmert sich Ulrich Serafin um den evangelischen Friedhof in Rünthe. Dass jemand als reiner Friedhofsgärtner wie er arbeitet, ist mittlerweile eher selten.

Rünthe – Seit dem 1. Januar wird der evangelische Friedhof am Ostenhellweg in Rünthe eigentlich von einem neuen Betrieb betreut. Und doch ist der alte Friedhofsgärtner der Grabanlage erhalten geblieben.

Ulrich Serafin wechselte vom alten, dem Rünther Garten- und Landschaftsbauer Sulitze, zum neuen Auftragnehmer, dem Hammer Galabaubetrieb Untermann. „Er wollte unbedingt hier bleiben, da hab ich ihn übernommen“, erklärt sein neuer Chef Maximilian Untermann. Serafin ist immerhin schon 28 Jahre auf dem Friedhof tätig. „Die Gärtnerei Schütrumpf, wo ich gelernt habe, hatte damals Pflegegräber“, erzählt er. „Die Arbeit lag mir, und seitdem bin ich dabei geblieben“, sagt der 55-Jährige. 

Was er denn an der Arbeit schätze? Zum einen die Kontinuität der Arbeit. Zum anderen schätzt Serafin die damit verbundene Nähe zu den Friedhofsbesuchern. „Es sind viele nette, ältere Leute, die die Unterhaltung mit mir suchen“, erklärt der Gärtnergehilfe. „Das sind dann die versteckten Kosten, die ich nicht in der Kalkulation habe“, sagt Untermann dazu. 

Gespräche mit Angehörigen gehören dazu

Er meint es ironisch. Die soziale Betreuung Angehöriger bleibt weiter kostenfrei. „Alles werde ich nicht aufschreiben und berechnen“, deutet er auf zu entsorgende, welkende Blumen neben dem so genannten Blatt-Urnenfeld hin. Erlaubt sind dort Grabbeigaben nur am zentral aufgestellten Steinkreuz. Auch die Gebinde im Topf auf den kleinen Grabplatten des Urnenfeldes „unter dem Baum“ muss Serafin jedes Mal beiseite räumen, damit er mit dem Rasenmäher durchkommt. Und das kostet Zeit und Geld. Pflegeleicht ist eben immer relativ. 

„Für ein pflegeleichtes Erdgrab, also eins mit Bodendeckern, brauche ich länger wegen des Freischneidens der Sockel, als für eins mit gesetzten Pflanzen, wo ich das Unkraut jäte.“ 15 bis 20 Minuten benötigt Serafin für ein solches. 

Diese Art der Grabpflege ist keineswegs seine Hauptarbeit. Die besteht unter anderem aus Grünschnitt, Mähen der Rasenflächen, Entsorgen des Mülls, dem Ausheben von Gräbern oder der optischen Pflege der Wege. „Die Dauergrabpflege ist ja meist auch privat organisiert“, erklärt Untermann. „Wir arbeiten ja für die Kirchengemeinde.“ Dort wo Serafin gerade jätet, wurde das Grab allerdings komplett mit Pflege von der Gemeinde für 30 Jahre gepachtet. Die Ausnahme: Gepflegt werde immer weniger, bedauert Serafin.

Wer sich nicht kümmert, bekommt die Rechnung

 „Und wenn es so weit kommt“, deutet er auf das wild zugewucherte Nachbargrab nebenan, „informiere ich die Kirchengemeinde.“ Die schreibt den Nutzungsberechtigten an. Wenn nichts passiere, würde jemand engagiert. Die Rechnung bekommt der Angehörige des Bestatteten. Der Unterhalt von Friedhöfen ist teuer und er wird durch den Wandel der Bestattungsformen hin zu platz- und für die Angehörigen kostensparenden Urnenfeldern noch teurer – bis Mai standen fünf Erdbestattungen 20 Urnenbestattungen gegenüber. Deswegen werden die Pflegearbeiten ausgeschrieben. 

Ulrich Serafin (links) und sein neuer Chef Maximilian Untermann auf dem Rünther Friedhof.

„Hier hat ein Planungsbüro ja alles aufgenommen, jeden Weg, jede Fläche, jede Hecke, jedes Grab, jede Urne, jeden Baum“, erklärt Maximilian Untermann. Er erhielt im vergangenen Jahr ein detailliertes Leistungsverzeichnis, erstellte eine ebensolch penible Kalkulation und bekam den Zuschlag. „Der Vertrag gilt bis auf Widerruf – beiderseitig“, sagt er zur Dauer seines Engagements: Wenn dem Kirchenausschuss der Martin-Luther-Gemeinde die Arbeit nicht gefällt, folgt die Kündigung durch den Friedhofbetreiber. Ebenso aber, wenn die Zahlungen der Gemeinde die Kosten des Unternehmers nicht decken. 

Sogar der Hausmüll wird auf dem Friedhof entsorgt

Schwer kalkulierbare Faktoren gibt es einige: „Es gibt tatsächlich Menschen, die hier ihren Hausmüll entsorgen oder Schnapsflaschen in die Körbe schmeißen“, sagt Ulrich Serafin auf dem Weg zum Lager mit peinlich genau getrenntem Kompost, Kränzen und Plastikabfällen hinter der alten Trauerhalle. Ein Ärgernis für ihn und Untermann, der alles entsorgen muss. 

Ein weiteres Ärgernis für Serafin: Der Einfall der „Vandalen“ im März. Metalldiebe rissen Vasen von Grabplatten und raubten bronzene Leuchten von insgesamt 63 Gräbern. „Einige haben aber schon wieder Leuchten aus Metall und Madonnen hingestellt“, wundert sich Serafin. Verhindern lasse sich ein solcher Raub nämlich nicht. Die Arbeit auf dem Friedhof sei anders als eine Gartengestaltung. „Hier beschwert sich keiner“, meint Untermann im Scherz. 

Er übernahm das Sandbochumer Unternehmen vor 15 Jahren von seinem Vater Wilhelm und erweiterte die Leistungspalette um die Friedhofspflege. „Das ist ein sensibles Feld“, weiß er. Untermann betreut bereits die Begräbnisstätten in Lerche und in Methler. Serafin ist aber der einzige reine Friedhofsgärtner im Unternehmen. „So etwas gibt es ja nur noch auf den großen Friedhöfen, zum Beispiel am Gottesacker in Dortmund“, sagt Gärtnermeister Untermann.

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