UKBS plant innovatives Wohnen auf Grimberg 3/4

Bergkamens erste Häuser, die mehr Energie erzeugen, als die Bewohner brauchen

So stellt sich das Projekt mit Blick vom Fakt-Campus dar. Rechts der Geschosswohnungsbau, links die Reihenhäuser. Dazwischen Gärten und Platz für Bäume. Unterm Gründach ist Platz für Gemeinschaftsräume, die Selbstversorgung mit Solarstrom der  Clou des Ganzen.
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So stellt sich das Projekt mit Blick vom Fakt-Campus dar. Rechts der Geschosswohnungsbau, links die Reihenhäuser. Dazwischen Gärten und Platz für Bäume. Unterm Gründach ist Platz für Gemeinschaftsräume, die Selbstversorgung mit Solarstrom der Clou des Ganzen.

Mit dem Mehr-Generationen-Wohnen war die UKBS Anliegern und Grün-Schützern am Kiwitt nicht willkommen. Bei „Wohnen am Wald“ auf der Grimberg-Brache sieht‘s anders aus.

Bergkamen – Gestern noch Zankapfel, aber heute schon Vorzeigeobjekt für das Wohnen von morgen: Mit dem Standortwechsel vom Kiwitt-Park zum Grimberg-Areal hat das Wohnungsbauprojekt der UKBS unter dem neuen Titel „Wohnen am Wald“ beinahe über Nacht eine steile Karriere erfahren. 48 Wohnungen in energieautarken Häusern in Holz-Hybrid-Bauweise mit Dorfcharakter durch Gemeinschaftseinrichtungen – da wurden die Augen der Politiker im Ausschuss für Stadtentwicklung groß und größer.

13.000 Quadratmeter am Fakt-Campus

Auf 13 000 Quadratmetern neben dem Fakt-Campus neben dem Kleiweg will die kommunale Wohnungsgesellschaft das Vorhaben realisieren. Wenn es nach Geschäftsführer Matthias Fischer geht mit einem Baubeginn im vierten Quartal kommenden Jahres. Zwei Jahre später wären die Wohnungen mit einem Anteil gebundener Sozialmiete verfügbar. Die Genehmigung will die Bauverwaltung nach Paragraf 34 Baugesetzbuch erteilen, also ohne Bauleitverfahren in gestalterischer Anlehnung an das Umfeld. Das wiederum wird mit dem lange ausstehenden PueD-Gesundheitszentrum und der Waldsiedlung im Süden noch weitere Entwicklung erfahren.

Projekt sucht bundesweit seinesgleichen

„Wir führen hier fort, was wir in Unna an der Heinrichstraße als einmaliges Projekt begonnen haben“, ordnete Fischer das Etikett „innovativ“ für das Vorhaben in Bergkamen ein. „Das werden Sie so nicht noch mal in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Bayern finden.“

Verzicht auf eine hydraulische Heizung

Besonders macht die acht Reihenhäuser und vier Geschosswohnungsbauten der Verzicht auf eine klassische Heizung mit Wasserkreislauf. „Wir werden mit Infrarotstrahlern elektrisch heizen, den Strom aber mit Photovoltaikanlagen selber produzieren“, erläuterte Fischer, der das Konzept mit dem UKBS-Architekten Martin Kolander am Dienstag vorstellte. Die Solaranlagen sollen auf ein Gründach gesetzt werden und so viel Strom liefern, dass für E-Mobilität als Teil des Quartierskonzeptes noch etwas übrig bleibt.

Stromüberschuss für E-Mobilität

„Wir haben errechnet, dass ein Haus 48 000 Kilowattstunden Strom jährlich produziert, der Bedarf aber bei maximal 47 000 liegt“, so Fischer. Weil der Bedarf je nach Jahreszeit schwanke, strebe die Gesellschaft eine alternative Vereinbarung mit den Stadtwerken an. „Wir wollen nicht für die übliche Vergütung ins Netz einspeisen, sondern im Winter einfach nur die Strommenge zurück haben, die wir vorher geliefert haben.“ Unterm Strich ein Nullsummenspiel also.

Nebenkosten sollen günstig bleiben

„Wir versuchen so auch, die zweite Miete gering zu halten“, erläuterte Kolenda einen anderen Aspekt. Die technische Ausstattung von Gebäuden werde immer komplexer und damit teurer. Der Verzicht auf Zentralheizungen bedeute eine Ersparnis zugunsten der Mieter und weniger Instandhaltungsaufwand.

Angebote für die Gemeinschaft

Damit die künftigen Mieter nicht nebeneinandern, sondern miteinander und in einem Mix aus jung und alt leben können, will die UKBS Gemeinschaftsräume schaffen, in denen vieles vorstellbar ist: zeitweilige Arbeitsplätze für Bewohner im Homeoffice, Kinderspielen, ein Waschsalon oder eine Fahrradwerkstatt, eine Sharing-Station für Elektromobilität auf zwei Rädern.

Fraktionen spontan begeistert

Der Zuspruch der Fraktionen war den UKBS-Vertretern sicher. „Wir sind angetan von den Klimaaspekten und sozialen Ansätzen“, sagte Thomas Grziwotz, Sprecher der Grünen. Sie hatten bekanntlich gegen die Kiwitt-Bebauung opponiert. „Auf unsere Zustimmung können Sie zählen“, versicherte Julian Deuse für die SPD. CDU-Fraktionschef Thomas Heinzel brachte Fischer kurz mit der Frage nach der Investitionssumme in Verlegenheit, weil die nur über den dicken Daumen zu schätzen sei. „Ich frage nur, um auch damit noch deutlich zu machen, um welch bedeutendes Projekt es hier bei uns in Bergkamen geht“, nahm Heinzel gleich die Sorge. Um mehr als 10 Millionen Euro geht’s – und das ist mal ‘ne Hausnummer in einer Stadt dieser Größenordnung.

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